Zweierlei Reise

978-3-499-62841-2.jpg.557815Oliver Lück: Neues vom Nachbarn. 26 Länder, 26 Menschen. Hamburg 2012

Meike Winnemuth: Das große Los. Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr. München 2013

Die beiden Bücher kann man unmöglich miteinander vergleichen, aber einander gegenüberstellen, das geht. Schon weil sie sich in mancher Hinsicht so schön ergänzen.

36790661nOliver Lück reiste mit seiner Hündin Locke 20 Monate lang im Bulli durch Europa – zu Menschen und ihren Geschichten. Er traf Goldsucher und Bernsteinfischer, Meisterschaukler und einen Zwergstaat-Olympioniken, den einzigen schwarzen Flößer Deutschlands und den Fußballstar Lionel Messi. Er besuchte Menschen, die Großes vollbringen: Heißluftballons konstruieren, den Mount Everest bezwingen oder gegen die Mafia kämpfen. Und andere, die eher im Stillen wirken: Flaschenpostbriefe sammeln zum Beispiel oder die Pässe von Pilgern auf dem Jakobsweg abstempeln.

Meike Winnemuth erspielte sich eine Auszeit: zwölf Städte auf allen Kontinenten in zwölf Monaten. Mal eine Weile raus aus Deutschland, an Orten leben, die sie reizten und die sie nicht oder kaum kannte: Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London, Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba, Havanna. Und als Zugabe Hamburg, das sich so anders anfühlte nach dem Jahr unterwegs. Eine Reise vor allem zu sich selbst.

Lück schreibt Reportage, Winnemuth Kolumne. Er nimmt sich selbst sehr zurück, manchmal fast schon zu sehr, beobachtet und beschreibt, flicht aktuellen und historischen Background in seine Erzählungen, die einem die „Nachbarn“ ordentlich nahe bringen. Sie plaudert in Briefen an Freunde, Eltern und einmal sogar das eigene jüngere Ich über Erfahrungen, Empfindungen und Eindrücke beim Reisen und Leben. Persönlich, humorvoll, klug. Manches so oder so ähnlich selbst erlebt, aber nie so prägnant formuliert. Über die Orte selbst erfährt man nicht so viel. Umso mehr dagegen, wie der Ort den Menschen bzw. der Mensch sich mit dem Ort verändert  je nachdem, welche Facetten von ihm gerade angesprochen werden. Und wie es eine Geschichte beeinflusst, wem man sie erzählt. Gelegentlich gerät die Selbstbetrachtung ein wenig lang für meinen Geschmack. Dann ist es wahrscheinlich einfach mal wieder Zeit für eine von Oliver Lücks Geschichten…

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