Rolling home

Eine Hafenstadt irgendwo in Spanien. Drei Schwestern. Eine ist aus England angereist, die zweite aus Deutschland. Wo die dritte lebt, habe ich vergessen. Ein Jahr zuvor hatte es schon einmal so ein Treffen gegeben. Eine der Frauen hatte gerade ihren Mann verloren. Jetzt wollen die Schwestern gemeinsam Abschied nehmen vom Ehemann und Schwager. Wollen seine Asche ins Meer streuen, wo er vor Jahren glückliche Tage mit seiner Frau verbracht hat. In Spanien dürfen Angehörige das, es gibt keinen Friedhofszwang. Als die Frauen mit der Urne am Meer stehen, erklingt von fern zartes Geigenspiel. Da streicht einer nur für sich den Bogen über die Saiten. „Und alle Zeit ward Gegenwart“, wie es in einem Gedicht von Hermann Hesse heißt. Ja, bestätigt die Frau, die mir von der Naturbestattung erzählt, das passte wunderbar: Der Verstorbene war Violinist bei den Symphonikern gewesen. Aber dann tauchte am Strand jemand mit einem Akkordeon auf, begann „Rolling home“ zu spielen. Ausgerechnet! Die Schwestern erstarren. Von der Geige ist kaum noch etwas zu hören. Plötzlich müssen sie lachen. Das ist aber auch zu verrückt! Wenn es ein Instrument gibt, das der Ehemann und Schwager sein ganzes Musikerleben lang gehasst hat, dann das Akkordeon.

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