Letzte Paradiese

phpThumb_generated_thumbnailjpgSebastião Salgado: Genesis. Köln 2013

Mein allerbester guter Freund meint, es sei ja wohl ein bisschen dünn lediglich mitzuteilen, dass ich die Bilder von Sebastião Salgado „überirdisch schön“ fand. Schließlich sei ich wegen der Ausstellung nach London gereist. Ursprünglich jedenfalls. Yep, Recht hat er. Also gibt’s noch einen Nachtrag. Um all die Superlative zu bändigen, die mir bei der Erinnerung an die mehr als 200 großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos in den Kopf schießen, zunächst ein paar Fakten: Acht Jahre hat der Brasilianer Salgado für das Projekt „Genesis“ fotografiert, mehr als 30 Reisen hat er in Gegenden dieser Welt unternommen, die noch so unberührt sind wie am Tag der Schöpfung – oder doch beinahe. Hat Gletscher, Gebirge, Vulkane, Urwälder, Wüsten und Ozeane im Bild festgehalten, große und kleine Tiere an Land, zu Wasser und in der Luft, Angehörige indigener Völker mit archaischem Körperschmuck, bei allerlei alltäglichen Verrichtungen.

Und jetzt führt wirklich kein Weg mehr am Schwärmen vorbei: Ich kenne keinen Fotografen, der das Spiel mit Licht und Schatten, mit Hell und Dunkel und allen Graustufen dazwischen so atemberaubend beherrscht wie Salgado. Da spiegeln die Augen eines Seelöwen noch die Kamera des Fotografen. Da glänzt der Arm einer Riesenechse wie eine Ritterrüstung, unter der doch gewaltige Muskeln von der Vitalität des Tiers künden. Dramatische Wolkenformationen über Canyons und Gletschern, Fischer, die auf Einbäumen über den nebligen See staken, Rinderhirten, eingehüllt vom Rauch, der vom brennenden Dung ihrer Tiere aufsteigt, die Schwanzflosse eines Wals, die so ruhig über dem Meer steht wie ein Schmetterling auf einem Waldsee… Ich bin nicht sonderlich religiös, aber diese Schöpfung zu betrachten, hat mich berührt und erfüllt. Salgados Fotos sind so viel mehr als bloß ästhetisch, sie sind voller Magie und Dramatik, vor allem aber strahlen sie Stille und Frieden aus, ja: Ewigkeit. Dabei erzählen die Bilder ja keineswegs nur vom Paradies, sondern führen zugleich vor Augen, wie viel Natur und Ursprünglichkeit wir bereits zerstört haben.

Im Natural History Museum in London ist „Genesis“ noch bis Anfang September zu sehen. Wem die Reise zu diesem und den wenigen anderen Ausstellungsorten zu aufwändig ist: Das Buch zu dem Fotoprojekt ist auch ganz wunderbar.

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13 Kommentare zu “Letzte Paradiese

  1. Danke für den Buchtipp, ist zwar nicht so toll wie ein Trip nach London, aber die Bilder sind sicherlich sehenswert.
    Liebe Grüße aus Innsbruck
    Gitte, die Wolkenfahnderin 😉

  2. Ich dachte es mir fast, das eine motivierende Rezension in einem benachbarten Blog zu finden ist.
    Vielen Dafür und die Verlinkung hierher.
    Mittäglichantreibendaktive Grüsse aus dem geschäftigen Bembelland

  3. Pingback: Annäherung an ein Land | Von Orten und Menschen

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