Mit Musik

Martina Skala: Strado & Varius. Paris 2002

51ACZ6YC9QL._SX342_Ein paar Jahre schon hatte ich dieses bezaubernde Bilderbuch für Erwachsene nicht mehr in der Hand. Bis gestern, als ich im Bücherregal ein bisschen Platz schaffen wollte. Sehr weit bin ich damit nicht gekommen. Weißt du noch? riefen mir Strado & Varius zu. Sie waren nicht die einzigen, die da riefen. Aber das sind andere Geschichten. Strado & Varius lernte ich vor einem Jahrzehnt in Paris kennen, als ich dort eine Freundin und nebenbei die eine und andere wunderbare Buchhandlung besuchte.

„C’était un frais matin du mois de mars. Le vent balayait les dernières feuilles mortes de l’hiver. Le vieux violiniste, jadis célèbre sous le nom de Varius, se dirigeait comme d’habitude vers son café préféré. Il s’arrêta brusquement: il avait failli marcher sur un œuf! Un petit œuf blanc, au milieu de la route. Un œuf dans Paris ça n’a rien d’extraordinaire, me direz-vous. Ce qui était curieux, en revanche, c’était le bruit qui en sortait. Comme si quelqu’un, tout doucement, accordait un violon!“

Beinahe wäre der alte Geiger Varius an einem kalten Märzmorgen mitten in Paris auf ein Ei getreten. Seltsame Klänge entströmen diesem Ei, gerade so, als würde jemand leise eine Geige stimmen. Plötzlich bewegt sich das Ei, zerbricht schließlich. Heraus schlüpft eine kleine Violine, die sich als Strado vorstellt und dem verdutzten Varius verkündet: Ich werde bei dir bleiben und dich glücklich machen!

Doch schon bald werden die beiden wieder getrennt. Nach der ersten gemeinsamen Orchesterprobe und einer handfesten Auseinandersetzung mit dem eingebildeten Piano, dessen Großvater eng mit Chopin befreundet gewesen sein soll, verirrt sich der kleine Strado in der großen Stadt. Im Zirkus lernt er die Klarinette Rimski und Korsakov, das Saxophon, kennen. Er geht mit einer Rockband auf Tournee, aber das Heimweh wird mit der Zeit immer größer. Strado will nach Hause zu Varius. Und das gelingt ihm am Ende auch, nach einem Gespräch mit dem Mond, der mit Herzensangelegenheiten bekanntlich vertraut ist.

Autorin und Illustratorin dieser liebenswerten, frechen, poetischen kleinen Geschichte, in der noch die Noten Gesichter und Beine haben, ist die gebürtige Pragerin Martina Skala, die selbst viele Jahre in Paris gelebt und gearbeitet hat. Was das Bücherregal angeht: Natürlich behalte ich Strado & Varius. Wer weiß, vielleicht ist es ganz gut, dass ich irgendwann mal angefangen habe, Halsketten an Stelle von Büchern zur Erinnerung mit nach Hause zu bringen…

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2 Kommentare zu “Mit Musik

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