Hommage an C. und K.

Freund C. wird entsetzt sein: Nicht nur wusste ich bis vor kurzem nichts über die Geschichte des Athabaska-Kais, jetzt war mir sogar neu, dass der größte tschechische Hafen in Hamburg liegt, und das schon seit über achtzig Jahren. Gut, ganz so alt bin ich noch nicht. Aber ob C. das als Entschuldigung gelten lässt?

Dass ich wieder eine maritime Wissenslücke schließen konnte, habe ich – Ehre, wem Ehre gebührt – dieses Mal Freund K. zu verdanken, der sich als wunderbarer Fahrradguide durch den ehemaligen Freihafen und umzu erwies. Wir hatten eben die Norderelbe auf der Freihafen-Elbbrücke überquert (so viel schöner und „ruhiger“ als über die Neue Elbbrücke auf der anderen Seite) und das Überseezentrum, einen riesigen Stückgut-Umschlagkomplex auf dem Kleinen Grasbrook, passiert, als K. durch die Flutschutzmauer bog, unbestimmt nach rechts vorne wies und sagte: „Und da ist Tschechien.“

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Aha. Das einzige Lebenszeichen, das ich beim Blick von der Sachsenbrücke auf den Moldauhafen ausmachen konnte, war ein Fischreiher. Und das auch erst bei längerem Hinsehen, so starr hockte der Vogel auf seinem hölzernen Ankerplatz (der mittleren der drei Dalben im Vordergrund). Mit Störungen braucht er wohl nicht zu rechnen: Um Prags Verbindung zu den Weltmeeren ist es ruhig geworden, seit die Tschechoslowakische Elbe-Schiffahrtsgesellschaft Anfang des Jahrtausends Pleite machte. Dabei darf das Binnenland seine „Exklave“ noch bis 2028 nutzen. Im Versailler Friedensvertrag wurde der Tschechoslowakei ein 30.000 Quadratmeter großes Gelände am Hamburger Moldauhafen zugesprochen, um Fracht auf Moldau und Elbe nach See zu befördern. Der Pachtvertrag trat 1929 in Kraft und gilt für 99 Jahre.

Nachtrag: Ich war inzwischen noch mal „vor Ort“ um zu schauen, ob ich nicht doch etwas Tschechisches entdecken kann. Auf öffentlich zugänglichen (Land-)Wegen eindeutig Fehlanzeige, das Überseezentrum ist irgendwie immer dazwischen. Gelohnt hat sich die Nach-Recherche-Tour dennoch. Ich weiß natürlich, dass in Hamburg Wasser ohne Angler davor ein eher seltener Anblick ist. Aber eine Angelruten-Dichte wie am Holthusenkai (mit der Freihafen-Elbbrücke im Hintergrund) habe ich mitten im Hafen, glaube ich, noch nicht zu Gesicht bekommen. Bloggen bildet, so viel ist sicher.

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5 Kommentare zu “Hommage an C. und K.

  1. Hallo Maren, da gabs früher immer echtes Budweiser Bier, mußte man nur sehen, daß man das “unbeschadet” aus dem Freihafen kriegte 😉 Liebe Grüße Anja

    • Wo gab es denn das Bier, Anja? Auf dem Clubschiff „Praha“? Ich habe gerade in einer alten Zeitung gelesen, dass da auch Kino und tschechischer Mittagstisch geboten wurden. Hab einen schönen Sonntag!

  2. Hallo Maren, das stimmt, Bloggen bildet! Danke für diese Geschichte. Bleibt abzuwarten was mit diesem Areal zukünftig passieren wird. Mir gefällt dieses Blog mit seiner Mischung aus Orten, Menschen, Texten und Bilder und ich freue mich auf weitere Geschichten. Einen schönen Sonntag wünscht Stefan

    • Hallo Stefan,
      ja, ich bin auch gespannt, wie es mit dem Areal weiter geht. Habe inzwischen gehört, dass es von tschechischer Seite Bestrebungen für eine Wiederbelebung geben soll. Es ist schon lustig: Ist die Aufmerksamkeit für ein Thema erst einmal geweckt, kommen die Informationen von ganz allein…
      Über dein tolles Feedback zu meinem Blog freue ich mich sehr. Schön, dass dir gerade auch die Mischung gefällt! Auch dir einen schönen Restsonntag und einen guten Start in die neue Woche!

      • Hallo Maren, ich meine mich zu Erinnern, dass es schon mehrfach seitens des Senats, noch unter von Beust, Überlegungen gab, wie man das Areal wirtschaftlich erschließen kann. Aber vielleicht kommt jetzt seitens der Tschechen wieder etwas Bewegung in diesen besonderen Fall.
        Ich wünsche Dir einen Guten Start und einen schönen Montag.
        Stefan

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