Seine? Alster!

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Ich bin keine Freundin exzessiver digitaler Bildbearbeitung. Vielleicht, weil ich in analogen Zeiten groß geworden bin. Speziell die Unsitte, jeder noch so banalen Szene mit HDR (Pseudo-) Dramatik zu verleihen, hat mir die Kontrastschmiede insgesamt einigermaßen verleidet. Sepia-Effekte empfinde ich zumeist als übertrieben nostalgisch. Ich denke irgendwie immer, dass der Film nicht ausreichend fixiert wurde. Und hatte zu meiner Überraschung plötzlich Lust, genau damit herumzuspielen und  dem Dezember-frühabendlichen Alsterkanal ein wenig Seine-Romantik zu verpassen. „Schuld“, so vermute ich, ist ein Beitrag auf dem englischsprachigen Blog bluebrightly. Als ich die Vorher-Nachher-Beispiele dort sah und Lynns kluge Gedanken zum Thema Bildbearbeitung las, kam mir ein Satz aus Markus Zusaks „Bücherdiebin“ in den Sinn: „Das Schöne an Fiktion ist, dass man eine Lüge erzählen kann, um die Wahrheit zu sagen.“ Que pensez-vous? What’s your opinion?

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2 Kommentare zu “Seine? Alster!

  1. Das Zitat aus der Bücherdiebin passt sehr gut zu dem Bild und deinen Gedanken zur Bildbearbeitung….auf den ersten Blick verführt das Sepia tatsächlich dazu, an die bekannten „romantischen“ Parisbilder zu denken – und beim genauen Hinsehen, beim zweiten Blick, entblättert sich das – man sieht trotzdem, dass es doch eher weniger Seine, weniger Paris sein kann, eher strukturierter, nüchterner vom Straßenzug, von der Architektur – dass aber gerade auch das seine eigene Schönheit hat. Das ist beinahe, wie wenn man sich verkleidet – und jemand kommt, schaut auf deinen Wesenskern und durchschaut dich damit komplett – und findet vielleicht etwas anderes, das auf seine Art seine eigene Wahrheit und Schönheit hat.

    • Vielen Dank fürs Einfühlen und Weiterdenken, Birgit! Ja, ich glaube, darum geht es: das Wesen(tliche) eines Menschen, einer Landschaft… zu erkennen und nach Möglichkeit sichtbar zu machen. Für den Moment oder darüber hinaus. In aller Subjektivität natürlich, aber doch in ehrlichem Bemühen um Wahrhaftigkeit. Manchmal muss man dafür vielleicht eine Schicht (ein Kleid) abtragen, ein anderes Mal etwas hinzufügen – wenn es nach mir geht, jenseits des bloß Spektakulären. Einen herzlichen Gruß zu dir in den Süden!

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