Welt-Geschichte

P1040762Die Welt ist ein Dorf. Auf der einen Straßenseite liegt die Kirche, auf der anderen der Kirchspielkrug. Drumherum ein paar Bauernhöfe und Handwerksbetriebe. Hier in Nordfriesland ist die Welt nicht nur morgens um sieben noch in Ordnung und jeder Kicker schon vor dem Anpfiff ein Welt-Meister.

Dabei ist es eigentlich viel wichtiger, ob er gut boßeln kann. Klootschießen heißt das andernorts und war früher vermutlich mal ein probates Mittel, sich lästiger Feinde durch Werfen von Kleie-Klüten zu erwehren, von Klumpen, die aus dem schweren Marschboden geformt wurden. Schon Theodor Storms Schimmelreiter erwarb sich Ende des 19. Jahrhunderts erste gesellschaftliche Anerkennung, als er das Boßeln auf dem nordfriesischen Winterfest gewann.

Ziel des (Mannschafts-) Spiels ist es heute, eine mit Blei gefüllte Kugel aus Hartholz oder Kunststoff mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen. Unvergessen der Jahrhundertwettstreit, als der kleine Eiderbund 2008 überraschend das Team aus dem benachbarten St. Peter-Ording besiegte, einen richtig echten Europameister. Da wurde Welt-Geschichte geschrieben.

Manchmal male ich mir aus, wie es wäre, wenn man einmal alle irren Kämpfer in der großen schrecklich eng gewordenen „weiten“ Welt (nur) mit Kleie-Klüten ausstatten könnte…

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14 Kommentare zu “Welt-Geschichte

  1. Was für eine großartige Idee! Und, wenn man drüber nachdenkt, auch kein bisschen verrückter, als all die „normalen“ kriegerischen Auseinandersetzuzngen, die gerade so unvorstellbar viel Leid und Not verursachen – im Gegenteil! Herzliche Grüße!

  2. Liebe Maren,
    ich reise gerade durch einen Landstrich, in dem es das Dorf „Gegend“ gibt. Jedesmal, wenn wir es passieren muss ich über den Dorfnamen schmunzeln. Eine Kirche ist nicht zu sehen, auch keine sonst übliche Bar. Über regional wichtige oder gar national bekannte sportliche Wettkämpfe habe ich bisher nichts in Erfahrung bringen können, ich glaube hier gehen alle mehr dem üblichen Fußballspielen nach.
    Viele Grüße aus dem Raum Gegend, Claudia

    • Gegend – das hört sich ja toll an! Und dann auch noch eine, wo die Zitronen blühen! Ich werde demnächst mal einen Ausflug nach Wolkenwehe machen. Und wehe, da ist es nicht himmlisch! 😉

  3. Die ländliche Gegend vermisse ich. Aber stimmt, die Welt da, ist eine ganz andere. Da sagen sich noch Hase und Igel Gute Nacht. Das Foto mit dem Straßenverlauf ist wunderschön und erinnert mich an meine Heimat, aber die ist in der Nähe von Ostfriesland, im schönen Ammerland.

    • Es ist großartig, weit gucken zu können, nicht? Ich bin auch in so einem Gebiet zwischen Geest und Marsch aufgewachsen. Da braucht man später wenigstens ab und zu mal Füchse und Hasen und Igel. Und ich schreibe mir auf meine Kurzreisen-Wunschliste: Radtour durchs Ammerland. Ausrufezeichen. 🙂

      • Ja, da kann man träumerisch in die Ferne blicken – sich einfach fallen lassen und die Natur genießen. Das ist eine sehr sehr gute Idee, du radelst durch das schöne Ammerland und ich durch Schleswig Holstein um Geest und Marsch zu erkunden. Wenn nicht in diesem Jahr, dann im Nächsten. Schließlich muss auch das Wetter einigermaßen mitspielen.

        Liebe Grüße,
        Tanja

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