Vom Fragen und Finden

P1050777Fischerinsel? brummelt der Mittfünfziger im roten Anorak. Kennen Sie die? Er schaut an mir vorbei, während er fragt.

Ja, sage ich, gleich da vorn.

Da soll es ein öffentliches Bad geben, sagt er und lässt den Blick kreisen.

Kann sein, sage ich. Das kenne ich nicht. Aber die Fischerinsel ist die nächste Straße rechts.

Muss ja hier irgendwo sein, sagt er, als spräche ich Kisuaheli. Plötzlich, strahlend: Sehen Sie, da drüben, die Fischerinsel-Passage! Dann kann es nicht weit sein. Und weg ist er.

Bekenntnis 1: Viel mehr Straßen kenne ich in dieser Ecke Berlins selbst nicht mit Namen. Im Supermarkt an der Fischerinsel habe ich in den vergangenen Tagen ein paar Mal eingekauft. Auf Kurzbesuch in der Hauptstadt.

Bekenntnis 2: Manchmal bin ich besonders froh, eine Frau zu sein. Man kann zum Beispiel ohne Gesichtsverlust jemanden nach dem Weg fragen, wenn man sich nicht auskennt. Oder einfach eine Weile herumstreifen und schauen, was einem so begegnet. Ganz nach Belieben. Eine Auswahl meiner Eindrücke von Berlin gibt es demnächst hier zu sehen. Für heute: Schönes Wochenende!

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18 Kommentare zu “Vom Fragen und Finden

  1. Lichtenberg der alte Bembelländer ist klasse – ich verehre ihn.

    Noch besser gefällt mir allerdings Ihr Satz, wonach Sie unbesorgt um einen etwaigen Gesichtsverlust nach dem Weg fragen können weil Sie eine Frau sind.
    Wie lange habe ich gebraucht (Zeit und Diskussionen mit Frauen im Auto), um zu lernen, dass man nach dem Weg fragen kann auch als Mann. Und überdies sein Gesicht behält.
    Und dann als ich das so aus dem effeff konnte, wurden die dümmlichen Laberpetras und Lallfritzen erfunden und nun bekomme ich den Weg vorgesungen…

    Abendschönleichtunterkühlte Grüsse aus dem südlichen Bembelland

    • Jaja, Undank ist der Welt Lohn… 😉 Als Freundin des gemäßigten gelegentlichen Verirrens, dem ich einige wunderbare Erlebnisse verdanke, und um den Orientierungssinn nicht ganz verkümmern zu lassen, bin ich selbst bis heute ohne Navi unterwegs, dafür aber gern mit Karte – für alle Fälle.

    • Und: Weißt du die Antwort? 😉 Ich fand, die Wand passt gut zum Thema. Oder umgekehrt: Als ich sie sah, fiel mir die kleine Episode mit dem suchenden Mann wieder ein.

      • Dachte ich mir, dass die Wand das Thema auslöste – sozusagen ein assoziativer Spaziergang von Dir. Leider weiß ich die Antwort nicht. Ich muss noch ein wenig mehr Rilke lesen…Schönen Sonntag in Berlin (ist doch sicher die Hölle los heute).

      • Hihi. Wunderbare Antwort. Ich habe jetzt erstmal die Frage lieb. 😉 Und Berlin? Bin schon wieder weg. Offizielle Jubiläumsfeierlichkeiten dieser Art sind meine Sache nicht. Auch dir einen schönen Sonntag!

    • Es hat mich auch in den Fingern gejuckt. Aber dann dachte ich, dass vielleicht einer das zweite S gefunden hat, der es nötiger hatte als der vermutlich über derlei orthografische Zweifel erhabene Lichtenberg, dem – wie ich gerade erst entdecke – auch noch das zweite E geklaut wurde. Berlin, quo vadis? 😉

    • Ist das nicht am Ende auch ein Wissen, dass etwas da ist (existiert), nur eben im eigenen Leben gerade nicht? So viele Spielarten, aber eben auch die wunderbare Möglichkeit, „einfach nur“ zu finden, wie sie Pablo Picasso mit wenigen Worten auf den Punkt brachte („Ich suche nicht – ich finde.“) und die wohl auch Lichtenberg im Sinn hatte. Danke für deinen Besuch und Kommentar!

  2. Liebe Maren, ich freue mich auf mehr aus deiner Sicht … schon diese beiden Bilder gefallen mir ausnehmend gut

    danke und herzliche Grüsse
    Ulli

    • Liebe Ulli, wie schön! Ich freue mich ganz besonders, dass die Bilder auch zu einer Berlin-Kennerin sprechen. Deine großartige Hauptstadt-Serie ist doch hoffentlich auch noch nicht zu Ende!?! Liebe Grüße!

  3. Also, hier ist wirklich alles herzerfrischend, die bilder der Text und die Kommentare dazu! Lieb Grüsse aus dem Nebelland!

    • Liebe Graugans, mit so einem herzerfrischenden Kommentar fängt die neue Woche ja wunderbar an! Ich danke dir sehr und sende grauhimmelig-herzliche Grüße zu dir ins Nebelland.

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