Angst vor der Angst

DSC_1931Angst was kommt
Denken vor Angst was kommt
Angst vor dem Denken was kommt
Angst vor dem Denken

Wenn es kommt
kommt es wegen der Angst
wegen der Angst vor dem Denken
die mir Angst macht

Erich Fried: Angst vor der Angst

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18 Kommentare zu “Angst vor der Angst

  1. Wie passend zur derzeitigen Situation. Dein Schlagwort sagt es ja auch aus. Angst lähmt. Wie schön dann doch, trotz des traurigen Anlasses, zu sehen, dass sich in Paris und anderswo die Menschen nicht einschüchtern liessen und auf die Straße gegangen sind.

    • Ja, die Bilder der Menschenmassen gestern in Paris, aber auch die vielen Bekenntnisse der Solidarität und zur Freiheit an anderen Orten der Welt haben mich auch sehr bewegt, Birgit. Ich hoffe, dass diese Akte der Präsenz und der Selbstvergewisserung ihren Teil dazu beitragen, auch mit Ängsten konstruktiv umzugehen.

  2. Mhm – sehr berührender Beitrag, Maren – mir war sofort klar, was Du ausdrücken wolltest.
    Bei mir löst das im Moment tausend Gedankenketten aus. Angst ist sicher der falsche Weg. Angstfreiheit bedeutet auch Selbstbewusstsein. Aber ein bisschen Angst hält uns wachsam. Zu wenig Angst macht überheblich und unsensibel. Viel Angst kann lähmen. Totstellen vor Angst ermöglicht den Auslösern zu viel Aktionsraum.
    Auch denke ich nach wie vor, daß sich das Signal des „Nichteinschüchternlassens“ zwar notwendig ist, aber auch allzu leicht von Agitatoren kapern lassen kann.
    Wir leben in schwierigen Zeiten.
    Beste Grüße von Stefan

    • Danke für deine differenzierten Worte, Stefan, denen ich mich ohne Weiteres anschließen kann. In der aktuellen Ausgabe des Magazins „Chrismon“, das noch vor den Anschlägen in Paris produziert wurde, ist in einem Beitrag der Theologin Susanne Breit-Keßler zu lesen: „Nur Dummköpfe kennen keine Furcht. Furcht ist gut, sie ist konkret. Aber wer sich diffuser Angst überlässt, steht sich selbst im Weg und kann nicht mehr klar denken und handeln.“ Diese diffuse, unbestimmte, pauschale Angst ist es, die mir Angst macht, auch in mir selbst natürlich. Patentrezepte zum Umgang habe ich nicht. Mir hilft es, mich nicht in eine Schockstarre der eigenen Machtlosigkeit fallen zu lassen (oder doch jedenfalls nicht auf Dauer), sondern zu überlegen, was ich konkret tun kann. In Zukunft möchte ich das noch mehr gemeinsam mit anderen tun.

  3. kommt ES wegen der Angst? das ist die Frage, die sich mir stellt bei diesen tiefen Gedanken von Erich Fried und was machen wir mit der Angst? Ich denke gerade daran, dass man ja weiss, dass Hunde die Angst riechen und wenn dann einer kommt und die Angst steigt, wie kann man sie zügeln, wie sie verwandeln?
    Fragen, die sich in dieser Zeit umso mehr stellen, denn ja, auch ich habe Angst vor dem was noch kommen kann-
    deine Bilder zu den Worten sind sehr eindrücklich- ich danke dir für beides und grüsse dich herzlich Ulli

    • Liebe Ulli, vielen Dank für deine klugen Fragen, über die ich gerne länger nachdenken möchte.
      Als ich dein Beispiel von dem Hund las, dachte ich: Ist doch klar, da ist so eine Angst ja u.U. sehr begründet. Aber es stimmt ja nicht: Wer vor Hunden Angst hat, hat das vermutlich pauschal und auch dann, wenn im konkreten Fall „objektiv“ überhaupt keine Veranlassung besteht. Du fragst dich (und mich), wie sich Angst zügeln, wie sie sich verwandeln ließe. Ich bleibe einfach mal bei deinem Beispiel. Ich hatte früher selbst große Angst vor Hunden (die ich allenfalls dann einigermaßen im Griff hatte, wenn ich ein kleines Kind an der Hand und damit Verantwortung für jemand Schwächeres hatte). Mir hat es ein bisschen geholfen, mir ganz viele Informationen dazu zu beschaffen, wie man sich am besten verhält, wenn einem ein frei laufender Hund begegnet. Und sogar beinahe zu einer Hundefreundin bin ich geworden, als ich Jahre später ein paar Monate auf einem spanischen Pferdehof gelebt habe. Auf dem Hof (und auch auf allen anderen Höfen drumherum) gab es mehrere Hunde. Man könnte die Strategie „Desensibilisierung“ nennen. Ich nenne sie lieber „Begegnung“. Information und Begegnung.
      Ob ES wegen der Angst kommt, fragst du. Was immer jede(r) von uns genau unter ES versteht: Für mich ist es eher ein Kreislauf.

      • ich danke dir für deine ausführliche Antwort, liebe Maren, ja, es gibt die Desensibilisierung, ich habe mal ein Programm gegen meine Höhenangst mitgemacht, nehme ich nun aber das Wort einfach wortwörtlich, dann möchte ich mich nicht desensibilisieren (mit einem zwinkerndem Auge gedacht und geschrieben).
        Information und Begegnung, über und mit dem, was mir Angst macht und der Angst in die Augen zu schauen, das ist auch mein Weg, aber dann kommt das Leben vor der Haustüre und dort gibt es Menschen, denen ich nicht in die Augen schauen kann und will- mich hat das Thema von Fanatismus und Terrorismus schon immer ratlos hinterlassen, hier zieht keine erlernte Kommunikationsform. Mein Training in Mitgefühl und Liebe kommt dort an ihre Grenzen und macht mich noch ratloser- ich habe das Gedicht in Bezug zu der momentanigen Stimmung im Land gesetzt, zu Pegida, zu Paris, zu Nigeria, zu Pakistan und …

        und ich habe tatsächlich schon einige Male erlebt, dass ich durch spezielle Ängste genau das präsentiert bekommen habe, vor dem ich Angst hatte, hier setzt für mich die Frage an, wieviel Kraft haben Gedanken tatsächlich und eben auch Gefühle wie Angst-

        eine spirituelle Lehrerin entwarf mal ein Konzept von einem Seil, an dem einen Ende sass die Liebe am anderen die Angst, sie war der Meinung, dass alle anderen Gefühle Spielbälle dieser zwei Pole seien, ich finde, dieses Konzept hat etwas und lässt mich immer mal wieder innehalten und fragen, was hat jetzt die Liebe zu sagen und was die Angst?

        ob ich jetzt hier am Ende des Nachdenkens angekommen bin, weiss ich noch nicht wirklich, nur, dass mein Gedankenapparat gerade einen wunderbaren Anstupser bekommen hat, danke dir dafür ❤

      • Ein feines Gedanken-Angestupse ist das. Mir scheint, so weit auseinander sind wir nicht. Dir erst einmal Dank für die Klarstellung in Sachen Desensibilisierung. Ich zwinkerte natürlich auch mit den Augen, geht es hier recht eigentlich ja weder um die Angst vor Hunden noch vor schwindelnder Höhe. 😉 Auch mir scheinen Begegnung und Gespräch probate Mittel eher im Bereich diesseits des Terrors zu sein: um diffuse Ängste vor etwas zu bekämpfen, das man eigentlich gar nicht kennt (wie wenige Pegida-Anhänger z.B. verfügen mutmaßlich über eigene Kontakte zu und Erfahrungen mit Muslimen?) und auch um zu verhindern, dass immer mehr junge Menschen radikalen Heilsversprechen erliegen. Gespräche mit Terroristen, mit Radikalen? Da fühle auch ich mich wenig berufen, da reicht auch meine Liebe nicht. Das Seil, von dem du schreibst, nehme ich einfach mal mit in die nächsten Runden für meinen Denkapparat.

      • guten Morgen, liebe Maren, tatsächlich sind wir nicht weit voneinander entfernt, was mich freut! Gestern Abend sass ich noch an der Überarbeitung meiner Texte „Blaue Stunden“ und fand dort einen über die Angst, in dem vieles was ich gestern an dich schrieb, dort schon verankert war, irgendwie hatte ich den vergessen und musste dann schmunzeln. Ich wünsche dir einen feinen Tag und grüsse dich herzlich
        Ulli

  4. ich habe schon immer gerne märchen gelesen und als erwachsene mich mit ihren symbolen beschäftigt. da gibt es so viele geschichten, die als wegweiser aus der angst sein könnten, denn im märchen überwindet der held seine probleme, indem er die angst wahrnimmt und akzeptiert. da sind auch die inneren begleiter und deren zauberkräftige hilfe (teufels grossmutter oder aber auch ein unscheinbares tier, das wertvolle ratschläge gibt). erst einmal aber müssen die helden bereit sein, sich zu läutern und weiterzuentwickeln, hilfe anzunehmen und mut zu fassen…

    „es kommt darauf an, das hoffen zu lernen“ (ernst bloch).

    • Danke für diesen interessanten Hinweis, Sirpa. Welches ist denn dein Lieblingsmärchen unter dem Aspekt des klugen Umgangs mit der Angst und ihrer Überwindung?

      • im märchen handelt es meistens um wachstumsprozesse / um individuation. die angst, der stillstand der energie oder verneinung der probleme können auch zu krankheiten führen.
        zu deiner frage in diesem zusammenhang: mein persönliches lieblingsmärchen ist „das mädchen ohne hände“ (grimm).
        als ich früher als aktivierungs- und maltherapeutin in einer privatklinik für psychiatrie arbeitete, gründete ich eine märchengruppe für erwachsene, die sehr beliebt war. die märchen zeigten auch einen erstaunlich positiven effekt auf diese menschen, die oft mit vielen ängsten geplagt waren. später im studium zur sozialpädagogin konnte ich diese interessanten erfahrungen in meiner diplomarbeit anwenden („es war einmal“ / märchen und ihre auswirkungen bei erwachsenen psychisch kranken menschen).
        uups? ein bisschen viel darüber geschrieben…

      • Ein bisschen viel geschrieben? Überhaupt nicht! Ich freue mich, ein bisschen über deinen „Background“ zu erfahren. Dass sich Märchen für den Einsatz in der Psychotherapie eignen, kann ich mir gut vorstellen. Durch deinen Kommentar bekomme ich große Lust, mal wieder in meinen Märchenbüchern zu lesen und dabei gezielt auf Wachstum und Überwindung von Angst zu achten. „Das Mädchen ohne Hände“ kannte ich bisher nicht. Ich habe die Geschichte gerade im Internet nachgelesen (die Usprungsversion ebenso wie eine spätere, in meiner Ausgabe der Grimmschen Märchen ist die Geschichte nicht enthalten). Ganz schön gruselig! Für meinen Geschmack ist auch reichlich viel Folgsamkeit und Gottvertrauen im Spiel. 😉

      • so schön! a propos es gab vor jaaaaahren ein wunderbares buch über die kraft der urinstinkte der frau (keine klischeeschilderungen!). die schriftstellerin/analytikerin clarissa pinkola deutet viele märchen und mythen darin.
        p.s. hast recht, märchen sind manchmal gruseliger als thriller 😉

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