Vom Südkap bis Sansibar

P1060678Hui, ist das ein Wetterchen! Schneeregen klatscht mir ins Gesicht, während sich die Brandung gierig in den Sand frißt. Wer hier länger stehen bleibt, riskiert, den Boden unter den Füßen zu verlieren.

P1060684Zornigen Meeres Gesang –
Sturm auf dem Meer und Gedanken,
Viele Gedanken, so bang –
Sturm auf dem Meer und Gedanken…

Auszug aus einem Gedicht von Afanassi Afanassjewitsch Fet (1820 – 1892)

P1060703Ob das Meer wirklich zornig ist? Wahrscheinlich ist es einfach seine Natur, dann und wann nach Herzenslust zu toben. Und wo wir schon dabei sind: Meine Gedanken sind auch weniger bang als – elementar, während ich die Sylter Südspitze umrunde und Kurs Richtung Norden nehme. Aber schön sind sie doch, die Worte dieses Russen, der Goethe und Schopenhauer in seine Sprache übersetzte.

P1060691Das Schneegrieseln ist inzwischen stetem Hagel gewichen, der aber zum Glück von hinten auf die Allwettermontur prasselt, die gerade die vierte Jahreszeit in vier Tagen erlebt. Die Wellen brechen sich an einer Formation bizarrer Betonkegel, die wie von Riesenhand auf den Strand gestreut scheinen, während sich Reetdachhäuser und sogar der Hörnumer Leuchtturm hinter den Dünen ducken.

P1060704Ein paar Stunden und etliche Kilometer später – der Himmel über dem Meer verdüstert sich gerade wieder einmal anthrazitfarben -, macht das erschöpfte Auge eine Fahne im Wind aus. Der erste Buchstabe sieht aus wie ein S. Die Sansibar! Dich schickt der Himmel!

P1060709Und während ich frischen heißen Minzetee schlürfe und den Weltuntergang direkt hinter dem Fenster genieße, mag der geschätze Christian Morgenstern von Sylt-Rantum schwärmen:

Weil ich nur dieses Donnern wieder höre
dies Mahlen einer ungeheuren Mühle,
weil ich nur diesen Flugsand wieder fühle
und dieser Möwen Ruhe wieder störe…

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18 Kommentare zu “Vom Südkap bis Sansibar

    • Vielen Dank für dein tolles Feedback, liebe Xeniana! Ich freue mich sehr darüber. Deine Begeisterung für das tobende Meer teile ich unbedingt – jedenfalls vom Ufer aus. 😉

  1. Auf Deinen Fotos, liebe Maren, sehen sogar die betonigen Wellenbrecher aus, als würden sie genau in diese Landschaft gehören. Wunderschön, so ein Meer im Winter. Wenn die Hundejungs die Bilder sehen, wollen sie direkt los und in Wind, Sand und Meereskronen herumtoben, egal, ob es schneit, graupelt oder hagelt.
    Viele Grüße, Claudia

    • Ich war selbst erstaunt, wie harmonisch sich die Betonmonster in die Natur einfügen, liebe Claudia. Vielleicht lag es an dem faszinierenden Spiel aus dräuenden Wolken auf der einen und mehr als nur einem Silberstreif am Horizont auf der anderen Seite. Ob du den Hundejungs die Bilder zeigst, überlasse ich ganz dir. Du musst ja mit ihnen raus… 😉

  2. ich hatte schon überlegt, ob es Sylt ist und jaaaa … da war ich immer noch nicht, aber vielleicht ja in diesem Jahr. Ich wäre gerne einmal im Winter an der Nordsee, kenne nur die zugefrorene Ostsee, was allerdings damals sehr reizvoll war! Reizvoll wie heute deine Bilder und Worte-
    geniesse das Wochenende
    liebe Grüsse Ulli

    • Ahh, die zugefrorene Ostsee… Ja, an das Schauspiel und an ausgedehnte Spaziergänge auf den gigantischen Eisschollen habe ich auch die allertollsten Erinnerungen, obwohl es ewig her ist. Muss irgendwann in den 80ern gewesen sein…
      Winter an der Nordsee kann ich jeder und jedem, die die Natur auch rau mögen, nur sehr empfehlen – noch besser natürlich auf einer Insel mittendrin. Auch dir ein schönes Wochenende, liebe Ulli!

      • ich erinnere mich an die ganz frühen Neunzehnhundertneunziger Jahre, die Mauer war schon gefallen, es war ein schneeloser aber eisiger Winter, alle Seen in und um Berlin herum waren zugefroren und eben auch die Ostsee und die Nordsee wohl teilweise- an ein Foto erinnere ich mich noch, eine ganz feine, erstarre Welle, wenn ich nur wüsste wo es ist … nein, darüber denke ich jetzt nicht nach 😉 jetzt ist Feierabend und morgen ruft dann wieder der Küchentango … Mail folgt bald, aber schon einmal danke-

    • Yep. Im Prinzip ist das richtig, Michaela. Was allerdings nicht bedeutet, dass die Kilometerzahl pro Stunde dramatisch höher gewesen wäre: Ich musste doch überproportional oft stehenbleiben, in alle Richtungen schauen und ein inneres Ah! oder Oh! loswerden. Und das gelegentliche Herauspellen des Fotoapparats aus dem wassergeschützten Rucksack brauchte natürlich auch seine Zeit. 😉

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