Reading Wondratschek

Sie war nicht mehr jung genug
für falsche Entscheidungen.

P1060248Ich war immer schon die, die sich jetzt tötet.

Ich habe aufgehört, etwas zu wollen,
krank vom Gekreisch der Kraft.

P1060253Du hörst einen Menschen weinen; das bist du.
Du hörst deinem eigenen Weinen bald ohne Tränen zu.

P1060481Als die Farben von der Liebe fielen,
war sie zum Berühren viel zu schwer.

Aus: Wolf Wondratschek: „Mein Tod. Requiem in memoriam Jane S.“

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17 Kommentare zu “Reading Wondratschek

    • Danke dir! Das komplette Requiem findest du, wenn du magst, in dem tollen Band „Lied von der Liebe“, in dem Liebesgedichte aus allen Lebensphasen Wondratscheks zusammengestellt sind.

      • Danke für den Tipp. Werde mein Personal anweisen, erst mal das Buch von dieser Jutta Reichelt zu beschaffen. Da hast Du mich sehr neugierig drauf gemacht. LG, Monni

  1. Wunderschöne Bilder! Ich kann mich an solch kahlen Bäumen kaum satt sehen.
    Und schöne, traurige Worte, die gut zu der Stimmung auf den Bildern passen. Oder umgekehrt … 😉
    Je nachdem.

    • So oft fehlt es einer Lebenssituation „an sich“ an Schönheit und doch kann sich in der Wahrhaftigkeit oder der Tiefe ihrer Beschreibung Schönheit manifestieren. Ich weiß nicht, ob das eine sinnvolle Antwort ist, aber es ist das, was mir zu deinem Kommentar einfällt und was mich im Grunde überhaupt zu diesem Beitrag motiviert hat.

      • Ich hatte eher die Wahrhaftigkeit der literarischen Umsetzung im Sinn, die ja sehr fiktiv sein kann. So, wie z.B. Eugen Ruge seinen Roman „Cabo de Gata“ beginnen lässt: „Die Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war.“

      • Ein starker Satz ! Bei literarischer Umsetzung würde ich sagen geht es einerseits um Glaubwürdigkeit für die Leser, aber andererseits wahrscheinlich doch um eine Form von Wahrhaftigkeit sich selbst gegenüber. Eine ziemlich vielschichtige Wahrhaftigkeit denke ich mir …

  2. dieser Text rutscht tief in den Bauch und macht es dort mulmig, dazu diese phantastischen Aufnahmen, all die dürren Arme, die sich dem Licht entgegenstrecken und doch noch warten müssen, auf Wärme und Licht, ob sie es wissen? Und warum weiss einer, dass die Sonne immer wiederkommt … immer wieder … und warum eine andere nicht?

    liebe Grüsse Ulli

  3. oh – und ich kenne/kannte den kästner-text noch nicht. danke für hinweis und link!
    (ich habe selbst einen trostbaum, eine wirklich riesige buche, deren krone ich von meinem schlafplatz aus zwischen hausdächern sehe. es ist mein erster blick beim aufwachen; und wenn ich mich hinlege, das licht lösche, kann ich meist vor dem einschlafen ihr schwarzes geäst vor dem helleren himmel ausmachen.)

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