Den Sternen so nah

P1080944Ocker. Bernstein. Honiggelb. Gold. Purpur. Rosa. Zimt. Orange. Ziegel- und Zinnoberrot… So viele Farben hat die Wüste. Und nur eine Stille.

Das warme Licht des Spätnachmittags, wenn die Hitze des Tages allmählich ihren Griff lockert. Der sanfte Wind, der über das silbrig-gelbe Savannengras streicht. Und ein Himmel in Azur.

Das Verlöschen des Tages und dieses einzigartige Licht, wenn die Sonne schon untergegangen ist, in dem sich noch einmal alle Farben der Wüste spiegeln. Langsam genug, dass sich die Bilder in die Seele einbrennen können.

Dann ist es dunkel. Aber doch nie ganz. Weit spannt der gigantische Sternenhimmel der Südhalbkugel sein Dach über die Dünen. Das Kreuz des Südens. Zum Greifen nah.

Eine Weile noch wispern zwei in ihren Schlafrollen unter dem Kameldornbaum. Endlich ist nichts mehr als Stille zu hören. Eine Stille, die ganz erfüllt. Stille.

„Es gibt ein Vergessen alles Daseins, ein Verstummen unseres Wesens, wo uns ist, als hätten wir alles gefunden.“ (Friedrich Hölderlin in: Hyperion oder der Eremit in Griechenland)

Der Zauber der frühen Stunde. „Morning has broken like the first morning…” Kein Amsel-Singen wie am ersten Tag, aber das riesige Gemeinschaftsnest der Siedelweber wird sicher auch an diesem Tag noch ein Stück größer werden.

Spuren im Sand. Von einem Gecko vielleicht. Oder dem klopfenden Schwarzkäfer Tok-Tokkie. Ein Kreis, den ein vom Wind bewegter Grashalm in den Untergrund spurte. Riesenameisen auf ihrem Weg zum körnigen Grat. „Mine is the sunlight, mine is the morning…“

Impressionen aus der Namib-Wüste, irgendwo zwischen Sesriem und Solitaire am Rande der Naukluft-Berge.

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33 Kommentare zu “Den Sternen so nah

  1. Liebe Maren,
    diese Landschaft mit eigenen Augen zu erleben und zu entdecken, muss ein niemals endendes Glücksgefühl sein. Wenn ich deine wunderbaren Zeilen lese und dazu die atemberaubenden Fotos sehe, möchte ich in meinen Träumen durch die Wüste tanzen, die Spuren im Sand lesen und den Sternen ganz nah sein. Was für eine abenteuerliche Reise. Wow!

    Liebe Grüße,
    Tanja

    • Liebe Tanja, die Wüste kann schon sehr starke Gefühle auslösen, wenn man dafür empfänglich ist, das ist wahr. Danke für deine Zeilen und viel Freude beim Traumtanzen unter den Sternen!

  2. darum, liebe Maren, beneide ich dich nun wirklich, so gerne möchte ich einmal im Leben die Wüste erleben, fühlen, sehen, hören, riechen und schmecken und am liebsten solch eine Sandwüste … du hast uns tolle Bilder von ihr mitgebracht, dein Text ist die feine Musik dazu- danke und herzliche Grüsse Ulli

    • Und eines Tages, wenn der Wunsch groß genug geworden ist, wirst du all das tun, liebe Ulli. Aber Vorsicht: Man kann süchtig werden nach der Wüste, den sandigen und auch den anderen. 😉

  3. Seltsam, wie gut es dir gelingt, mich mitreisen zu lassen. Heute kann ich ein bisschen Wüsten-Weite zum Tagesbeginn ganz gut gebrauchen – ich danke dir sehr!

    • Vielen Dank für deine Anerkennung, liebe Andrea. Lust hätte ich schon… allein, ich fürchte, wirtschaftlich sinnvolles Handeln sieht anders aus, besonders wenn auch Fotos dabei sind. 😉
      P.S. Drei Beiträge noch, glaube ich.

  4. Liebe Maren,
    was Andrea schreibt, war auch mein zweiter Gedanke: Die Bilder und Deine Worte, eigentlich viel zu schön fürs „Netz“, Du solltest ein Buch daraus machen.
    Und mein erster Gedanke: Dieser Text! Die Schönheit der Wüste bringt in dir die Poetin zum singen. Wunderbar.

    • Liebe Birgit, die Wüsten-verliebte „Poetin“ dankt mit freudig-geröteten Wangen.
      Und was deinen zweiten Gedanken angeht – ich schrieb es eben bereits an Andrea: Gefallen würde es mir schon, aus Reiseimpressionen Bücher werden zu lassen. Sehr sogar. Leider stehen (finanzieller) Aufwand und zu erwartender Ertrag in keinem glücklichen Verhältnis. Mit meinem Buch über Auswanderer in Neuseeland habe ich mal so ein Herzensprojekt realisiert. Ständig kann man/frau sich das ohne Sponsor leider nicht leisten.

      • Danke für deine Begeisterung und Ermunterung, Kai. Ich lasse mir „das alles“ mal in Ruhe durch den Kopf gehen (wollte ich ohnehin) – einschließlich der ja allerorten aktuellen Frage nach Möglichkeiten und Grenzen der analogen Präsentation und Vermarktung, wenn alles online (und großenteils kostenlos) verfügbar ist.

  5. Liebe Maren,
    die Bilder – so wunderbar, dass ich ein bisschen die Farben nachempfinden kann, die Du uns zu Beginn benannt hast. Und das Gefühl von Weite und die Stille, das alles ist auch zu „sehen“. Toll.
    Viele Grüße, Claudia

  6. Die Bilder in Kombination mit dem Text lassen einen in diese, als anders erscheinende, Welt eintauchen, was durch die hautnahe Beschreibung noch verstärkt wird.

    Schöne Grüße wünscht das Team von,
    AUSTRIA.AT

    • Da musste ich doch schmunzeln: Aus der Perspektive von Österreich als Reiseland ist „anders“ ja fast noch eine Untertreibung. 😉 Danke für Besuch und Interesse.

  7. Das letzte Bild mit dem Schatten, wunderschön !! Und die Farben auf allen Bildern. bitte, bitte, sag mir, dass die echt und nicht bearbeitet sind ? ! ….

    • Freut mich sehr, dass du mitgeflogen bist, Kai. Diese Stille ist tatsächlich ein unglaubliches Geschenk, das sich nur annähernd in Worte fassen lässt. Aber wie ich schon an Ulli schrieb: Überleg es dir gut; wenn du diese absolute Abwesenheit von Geräuschen, die sogar den eigenen Ruhepuls als laut erscheinen lässt, einmal erlebt hast, willst du das womöglich immer wieder. 😉

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