Faces of Tigray

P1110952Über die nördlichste Provinz Äthiopiens habe ich hier und hier schon geschrieben. In Tigray wird nicht nur eine eigene Sprache gesprochen, auch äußerlich unterscheiden sich die Menschen von den Amharen weiter südlich. Frauen und Mädchen tragen fein geflochtene, eng am Kopf anliegende Zöpfe, die zu einem buschigen Pferdeschwanz gebunden werden und oft herrlich glänzen. In meinem Reiseführer las ich, dass unverheiratete Frauen die Haare von einem Mittelscheitel aus in mehreren Reihen seitwärts und die Haare vom Oberkopf nach hinten geflochten trügen, während verheiratete Frauen alle Haare von der Stirn aus in Dutzenden von Zöpfen streng nach hinten flechten würden. Alex, unser Guide, mochte das auf Nachfrage nicht bestätigen. Auch mir selbst schienen aus der Haartracht abzuleitende Informationen zum Familienstand nicht über jeden Zweifel erhaben zu sein.

P1110583Dem Mädchen auf dem Foto ganz oben wird gerade ein Baby auf den Rücken gebunden, die Kleine auf dem zweiten Bild trägt die Verantwortung für gleich zwei jüngere Geschwister. Das sieht man viel, nicht nur in Tigray. Auch Sachen schleppen ist in Äthiopien weitgehend Aufgabe von Frauen und Mädchen: Lebensmittel und Brennholz, Baumaterialien und – most important of all – Wasser, das in gelben Plastikkanistern vom oft weit entfernten Brunnen geholt wird. In vielen Haushalten fehlt es an fließendem Wasser, längst nicht alle Hütten und Häuser sind an die Kanalisation angeschlossen. Ich staunte immer wieder, wie frisch die aus weißem Baumwollstoff gefertigte traditionelle Kleidung der Hochlandäthiopier trotzdem aussah.

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15 Kommentare zu “Faces of Tigray

  1. Diese großartigen Zöpfchen !! Ich frage mich immer wieder, was in diesen traditionellen afrikanischen Kulturen eigentlich die Aufgaben der Männer sind: die Frauen sind für die Landwirtschaft, den Haushalt, den Transport und die Kinder zuständig. Auch Kinder v.a Mädchen müssen viel arbeiten bei der Zubereitung des Essens, sonstiger Hausarbeit und der Betreuung jüngerer Geschwister. Was machen die Männer ?

    • Liebe Myriade, ich war in Äthiopien nie bei jemandem zu Hause, weiß also nicht, was wer dort im einzelnen tut. In der Landwirtschaft scheinen mir Männer und Frauen gleichermaßen tätig zu sein. Beide sah ich z.B. Seite an Seite Getreide sicheln. Pflügen (mit Ochse und traditionellem Holzpflug) scheint Männersache, das Wegräumen von dabei zutage geförderten Strünken etc. eher Frauensache zu sein. Das Vieh wurde vor allem von Jungen geweidet, die sich in den Städten auch oft als Schuhputzer verdingen. Auf dem Bau sah ich sowohl Männer als auch Frauen im Einsatz, im Transport eher Männer.

  2. So schöne Gesichter!
    Es ist ja noch nicht lange her, dass auch hier die Verantwortung für die Kleineren von den Grösseren übernommen wurde- heute gibt es Kitas und Schülerläden und …
    liebe Maren, ich grüsse dich herzlich
    Ulli

    • Ja, nicht wahr, die sind richtig schön! Und mit der Verantwortung für jüngere Geschwister auch bei uns hast du natürlich Recht. Hier wie dort scheint (schien) das durchaus zwiespältige Gefühle auszulösen. Da behaupte noch mal einer, die Menschen unterschieden sich dramatisch voneinander. 😉 Liebe Grüße!

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