Halt dich warm

P1010674Alles an ihm war alt, nur die Augen nicht, und die hatten dieselbe Farbe wie das Meer und waren heiter und unbesiegt.

„Halt dich warm, alter Mann“, sagte der Junge. „Vergiss nicht, wir haben September.“ „Der Monat, wenn die großen Fische kommen“, sagte der alte Mann. „Im Mai kann jeder ein Fischer sein.“

Frühe Sätze in Ernest Hemingways Erzählung „Der alte Mann und das Meer“. Die späten klingen so:

Er spürte, er war jetzt in der Strömung, und er konnte die Lichter der Siedlungen an der Küste sehen. Er wusste jetzt, wo er war, und würde bald zu Hause sein. Der Wind ist jedenfalls unser Freund, dachte er. Und meinte dann: manchmal. Und die große See mit unseren Freunden und unseren Feinden. Und das Bett, dachte er. Das Bett ist mein Freund. Nur das Bett, dachte er. Das Bett wird herrlich sein. Es macht nichts, wenn man besiegt ist, dachte er. Ich habe nie gewusst, wie wenig das macht.

Dazwischen das tagelange Ringen mit dem Riesenfisch, der Verlust der Beute. Der Trophäe? Ich weiß noch, wie mich Hemingways buchgewordene Ideale der Männlichkeit als sehr junge Frau manchmal genervt haben. Gerade lese ich einige seiner Erzählungen wieder – und freue mich an der klaren schnörkellosen Sprache.

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29 Kommentare zu “Halt dich warm

    • Danke für deine Nachfrage. Soll ich dir was sagen? In dem rororo-Taschenbuch (5. Auflage von Februar 2016 – meine sämtlichen Hemingways hatte ich vor Jahren in einem Anfall von „brauch ich nicht mehr“ weggegeben) ist überhaupt kein Übersetzer angegeben, nur: „Redaktion Thomas Überhoff“.

      • Ja, dann war es die alte. 🙂 Hemingway hatte eine deutsche Übersetzerin für seine gesammelten Werke autorisiert, was sich als sehr problematisch erwies. Ihre Erben wollten Neuübersetzungen nicht zustimmen, auch nicht vom Cheflektor T. Ü. Jetzt ist der Spuk also vorbei. Die Autorisierte hatte viel Haue bekommen, denn mit der Schnörkellosigkeit ist es gar nicht so einfach: http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/das-problem-mit-der-einfachheit-1.17486387
        Mein Fall war Hemingway nie, den Hype habe ich nie verstanden. Nur die Verfilmung von „Der alte Mann und das Meer“ hat mir damals gut gefallen.

      • Hochinteressant, vielen Dank für den Übersetzer-Background und den Link! Danach dürfte es sich hier um die neue Übersetzung von Werner Schmitz handeln, die mir sehr gut gefallen hat. Ich hätte nicht übel Lust, gleich noch einen Blick in die alte Übersetzung von Annemarie Horschitz-Horst zu werfen. Ganz nebenbei frage ich mich, warum ich nicht gleich zum englischsprachigen Original gegriffen habe. 😉

      • Die alte ist in unseren Kreisen berühmt-berüchtigt. Ich kenne H. nur im Original, wie es sich für eine Anglistin gehört, aber die alte Ü. soll ziemlich fehlerhaft sein. Die gute Frau muss sich daran dumm und dämlich verdient haben 😉

      • Asche auf mein blindes Haupt – gerade sehe ich, dass Werner Schmitz in meiner Ausgabe doch als Übersetzer genannt ist, so groß, dass ich es einfach übersehen habe. 😉

      • der nzz Artikel hat mir gefallen, besonders der letzte Abschnitt über den kleinen Jungen, der immer der Größte und Stärkste sein will und am Ende daran zerbricht. Das ist eine feine Charakterisierung vopn Hemingway.

  1. Ich kann mit Hemingway auch nichts anfangen.Kürzlich habe ich „Schnee auf dem Kilimandscharo“ wieder einmal gelesen und konnte damit genauso wenig anfangen wie vor 40 Jahren. Wobei die Sprache als solche nicht mein Problem ist.Die würde mir eigentlich gut gefallen, wenn die Aussagen andere wären.
    Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es eine Freude ist, einen bekannten Autor neu zu entdecken.

    • „Schnee auf dem Kilimandscharo“ habe ich auch noch liegen. Bin gespannt, auf den Inhalt und auf die Sprache – hier ist es die der Übersetzerin Horschitz-Horst. Dein Kommentar erinnert mich daran, dass ich viel zu selten mal ein Buch zum zweiten, dritten… Mal lese.

  2. Schön ist es, wenn ich gleich zu Anfang denke, das ist doch … und jaaaa, es ist! Ich hab ihn die Geschichte vor gar nicht sooo langer Zeit noch einmal gelesen und war ganz fasziniert. Und ja, die Männer … lach … gerade spinnt sich in mir ein Bild zusammen: hier der alte Mann und das Meer und dort die Wartende (Skulptur, die ich in Spanien entdeckte, ich glaub du hast sie gesehen!) –
    herzliche Frühabendgrüsse
    Ulli

    • Hahaha. Nach d e m Kampf hätte der alte Santiago zwar sicher keinen Blick mehr gehabt für eine, die im Hafen auf ihn wartet, aber in jüngeren Jahren… und der Hemingway ja ohnehin. Ja, die Männer… 😉 Deine Skulptur passt tatsächlich ganz wunderbar! Auch dir einen schönen Abend!

      • -m- auch …
        ich denke, wenn ich an Susanne denke, mehr an Blumen und an Gehörnte … vielleicht ist es mir aber auch einfach noch nicht aufgefallen!

  3. Ich hab zu Hemingway auch ein eher gespaltenes Verhältnis. Als ich 2003 zum ersten Mal längere Zeit in London war (sozusagen in Vorbereitung meines Umzugs) habe ich erstmals begonnen, Bücher im Original zu lesen. Und mein erstes Buch war ausgerechnet „For whom the bell tolls „. Wie Du weißt, bin ich ja keine Anglistin, sondern habe englisch „on the Job“ gelernt. Gott, was hab ich mich durch diesen altertümlich geschriebenen Wälzer gequält…. Einige Jahre später habe ich dann „A movable feast“ gelesen und fand’s ganz wunderbar. Und dann kamen noch die „Green hills of Africa“, die ich Dir gar nicht empfehlen kann, weil es da nur ums Erlegen von Tieren geht. Das Buch musste ich weglegen. Deshalb steht „The old man and the sea“ noch ungelesen im Regal. Aber nachdem ich nun, wenn auch einen übersetzten, Text von Dir gelesen habe, rückt es gleich ein paar Stufen höher auf meiner Prioritätenliste.
    @anglogermantranslations: Schön, wenn Du so aus dem Nähkästchen plauderst und ein sehr informatives Interview mit dem neuen Übersetzer.

    • Okay, Peggy, du liest vielleicht noch „The old man and the sea“ und ich auf jeden Fall noch „A moveable feast“, in der neuen Übersetzung von Werner Schmitz. Und dann brauch ich wahrscheinlich auch erstmal wieder eine Macho-Pause. 😉 „Green hills of Africa“ werde ich nach deinen deutlichen Worten ebenso auslassen wie die Geschichten vom Stierkampf. Den habe ich mir vor Jahren ein paar Mal in fachkundiger Begleitung in den Arenen von Ronda und Sevilla angesehen, um mich auch mit diesem Teil der spanischen Mentalität zu konfrontieren. Das reicht für den Rest dieses Lebens.

  4. Mir geht es ebenso wie den – nicht zufällig alles weiblichen Kommentatorinnen hier – die Sprache reißt mit, manche der Geschichten auch, aber der Macho-Dünkel nervt. Insbesondere Green hills of Africa und das Stierkampfbuch … Ja, und dann kommt noch hinzu, wie er sich z.B. in Paris an die berühmten Kollegen ranschmiss, wie er doch auch wohl recht opportunistisch agierte usw. – alles in allem kein sympathischer Mensch in meinen Augen. Und dennoch: manche Erzählungen sind erstklassig. Ebenso wie dein tolles Unterwasserbild … was ist denn das?

    • Ja, so ein rein weibliches Kommentarfeld ist lustig, nicht? Als Macho kann man heutzutage einfach keinen Blumenpott mehr gewinnen. Und Hemingway als Partner oder Freund? Wohl eher nicht. 😉 Seine Paris-Erinnerungen werde ich trotzdem noch lesen.
      Das Unterwasserfoto habe ich am, respektive: im Golf von Aqaba gemacht, wo man tauchend oder vom Glasboden-Boot aus Korallenriffs und Wracks besichtigen kann. Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich denke, der Ballon kennzeichnet den Standort eines Wracks, und das Dunkle ist die Unterseite eines vorbeifahrenden Boots.

  5. Ach ja, Hemingway… Den alten Mann und das Meer habe ich mit 15, 16 Jahren verschlungen, egal ob die Übersetzung fehlerhaft war oder nicht, die Geschichte hat mich nicht nur mitgerissen, sondern auch sehr beeindruckt, es ist ein Buch für mich, das mich im Innern reifen ließ… Einerseits kriege ich durch Deinen Beitrag, Maren, Lust, mal wieder was von ihm zu lesen, andererseits habe ich auch wirklich zur Zeit kein Interesse an einer männlich-machohaften Sicht auf die Welt. Mal sehen. Aber ‚Den alten Mann und das Meer‘ thematisiert das weiter nicht, denke ich (oder so erinnere ich es), und das ist eine gute Idee, sich das Buch nochmal vorzunehmen… danke für das In-Erinnerung-Rufen 🙂

    • Sehr gern. Ich denke, das Buch kannst du dir gefahrlos noch einmal vornehmen: Natürlich ist diese archaische Welt der Fischer eine Männerwelt und der Kampf, den der alte Santiago ficht, einer, den typischerweise eher Männer kämpfen. Aber jedenfalls ein demonstrativer Vertreter des Machismo ist der alte Mann nicht und der Junge, der früher mit ihm hinausfuhr, schon gar nicht.

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