Tagnachtlampe

P1140475Korf erfindet eine Tagnachtlampe,
die, sobald sie angedreht,
selbst den hellsten Tag
in Nacht verwandelt.

Als er sie vor des Kongresses Rampe
demonstriert, vermag
niemand, der sein Fach versteht,
zu verkennen, dass es sich hier handelt –

(Finster wirds am hellerlichten Tag,
und ein Beifallssturm das Haus durchweht.)
(Und man ruft dem Diener Mampe:
„Licht anzünden!“) – dass es sich hier handelt

um das Faktum: dass gedachte Lampe,
in der Tat, wenn angedreht,
selbst den hellsten Tag
in Nacht verwandelt.

Christian Morgenstern: Die Tagnachtlampe

P1140475Genau so kam es mir vor, als ich vor ein paar Tagen durch eine Autobahnunterführung in Hamburg-Wilhelmsburg radelte. Wir befanden uns kalendarisch zwar schon mitten in den Eisheiligen – man schrieb den Heiligen Servatius, um genau zu sein -, aber hier im Norden war nicht nur hellerlichter Tag, tatsächlich war es auch immer noch sommerlich warm. Nun ist auch die Kalte Sophie gegangen. Ihre Kälte hat sie uns zurückgelassen – und irgendjemand knipst gefühlt alle paar Minuten die Tagnachtlampe an und aus. Aprilwetter.

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19 Kommentare zu “Tagnachtlampe

  1. Mich fasziniert dein Bild der Unterführung. Korf ist genial dazu, und über das Wetter schweige ich … ach. Obwohl es mir so vorkommt, als ob es auf meiner Seite trockener ist … aber leider nicht wärmer!
    Liebe Grüße
    Christiane

    • Kennst du die Unterführung? Ich glaube, das Himmelsbild ist zur IBA / igs in Wilhelmsburg entstanden. Ich bin ein paar Mal hin- und hergeradelt, so faszinierend fand ich den Wechsel zwischen Tag und Nacht. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich mal an einer Wetterscheide: Gerade noch stand ich im Regen, zwei Meter weiter war es knalltrocken. Da bin ich viele Male hin- und hergesprungen. Mehr werde ich zum Thema Wetter auch nicht sagen…

      • Neee, ich kenn die nicht, die hätte ich nicht vergessen. Aber ich hatte an den Häusern im Hintergrund schon gesehen, dass es irgendwo da (IBA/igs) sein muss.
        Was für eine tolle Idee!
        Liebe Grüße
        Christiane

  2. Liebe Maren,
    beim Blick auf die nächtlich anmutende Unterführung, die in meinem Reader auftauchte, bin ich schon sehr neugierig geworden: Das sieht aber interessant aus. Und dann der Morgenstern dazu, der erklärt, was es mit der Tunnelnacht mitten am Tag auf sich hat: sehr passend. Und während es draußen hagelt, schweige auch ich vom Wetter.
    Viele Grüße, Claudia

    • Es ist wirklich eindrucksvoll, in diesem Tunnel zu stehen, Claudia. Mir wurde schon beim Blick in das psychedelische Sternenmeer ganz schwindelig. Wie mag es da erst dem Künstler ergangen sein? Dir eine schöne Woche!

  3. Sehr schön kommentiert und fotografiert!
    Danke Maren! Da ich den Norden so garnicht kenne, also die schöne Stadt Hamburg leider auch nicht, bin ich immer happy über Deine Beiträge.
    Ich lebe nur 10 km vom Bodensee entfernt, meine Familie direkt am See, dann kannst Du Dir vorstellen wie weit weg Hamburg entfernt ist.

    Vor Jahren habe ich mal 2 Wochen Urlaub am Timmendorfer Strand gemacht. Ich hatte den ganzen Urlaub lang Bomben gutes Wetter und das Klima war traumhaft.
    Ich vertrage die Hitze im Süden leider nicht mehr und so hat mich der Norden als großen Fan gewonnen.

    So, Dir noch einen schönen Resttag!

    LG Babsi

    • Das freut mich wirklich sehr, Babsi, dass ich dir ein bisschen Hamburg- und Nord-Flair in den Süden schicken darf. Die große Entfernung ist mir nur zu bewusst. Wäre es anders… ach, wie oft wäre ich „mal eben“ am Bodensee oder irgendwo in den Bergen. Während du dich vermutlich gerade an Ost- oder Nordsee entspannen würdest. „Schön ist es auch anderswo…“ 😉

  4. übrigens, Maren, wo ist dieser Tunnel, bittesehr? ich bin demnext in Hamburg und würd mir diesen Augenschmauß auch gern gönnen. Vielleicht treffen wir uns ja da drinnen zufällig wie Tag und Nacht….

    • Zu dem Tunnel kommst du, wenn du dich von dem buntgestreiften Gebäudekomplex (auf dem Foto im Hintergrund zu sehen) am S-Bahnhof Hamburg-Wilhelmsburg parallel zur Neuenfelder Straße Richtung Bürgerhaus bewegst, Gerda. Es ist nicht weit: ein paar hundert Meter vielleicht. Aus der persönlichen Tag- und Nachtgleiche wird leider nichts werden. Ich bin dann, so wie es aussieht, bereits wieder anderswo.

    • Das freut mich, liebe Tanja. Und noch mehr freut es mich, dass es euch gelungen ist, den Leuchtturm zu retten. Bin gespannt auf Neues im Herbst und wünsche eine wunderbare Sommerpause!

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