Mir zur Feier

P1140492Das sind die Stunden, da ich mich finde.
Dunkel wellen die Wiesen im Winde,
allen Birken schimmert die Rinde,
und der Abend kommt über sie.

Und ich wachse in seinem Schweigen,
möchte blühen mit vielen Zweigen,
nur um mit allen mich einzureigen
in die einige Harmonie…

Aus: Rainer Maria Rilke „Mir zur Feier. Gebete der Mädchen zur Maria“

Was macht ein Bild zu einem Lieblingsbild? Von allen Gemälden in der Hamburger Kunsthalle hatte es C. dieses eine angetan. So fasziniert war ich von der Harmonie, die sich zwischen Betrachter und Objekt einstellte, dass ich nicht einmal nachgesehen habe, wer die prachtvolle Blüte gemalt hat.

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19 Kommentare zu “Mir zur Feier

  1. Ein großartig empathisches Foto ! Das Gesicht des Betrachters ist genau auf der Höhe der Blume und die Vase ist wohl auf Herzenshöhe …

    • Feine Gedanken stellst du an, Myriade. Und tatsächlich: Etwas von der Verbindung, die du siehst, war zu spüren. Freut mich, dass das Foto das transportiert.

  2. Da hast Du wirklich einen schönen Moment festgehalten: Selten, dass Menschen im Museum tatsächlich so in das Betrachten versunken sind … und das ist dann oft ja auch ein kleiner festlicher, feierlicher Moment: Einfach die Schönheit des Bildes genießen.

    • Jetzt bringst du mich zum Lachen, Christiane. Ja, für dich, für mich und wahrscheinlich noch zwei, drei andere geht Rilke wirklich immer. Ich hoffe, das ändert sich nicht durch die Lektüre von Klaus Modicks „Konzert ohne Dichter“, die ich mir nach langem Zaudern nun doch vorgenommen habe.

      • „Konzert ohne Dichter“ zeichnet Rilke ziemlich unsympathisch. Er lebt, freundlich ausgedrückt, in seiner Traumwelt, unfreundlich gesehen, ist er ein eitler, eingebildeter Sack (du entschuldigst) ohne sehr viel emotionale Intelligenz. Okay, das Buch spielt 1905, Rilke war da 30. Da ist man vielleicht noch nicht „so weit“.
        Also, ich kann dir sagen, Rilke als Person wurde mir durch das Buch nicht sympathischer, aber meinem Eindruck von seinen Gedichten hat es nicht geschadet.
        Liebe Grüße
        Christiane

      • Aus exakt den von dir genannten Gründen schleiche ich nun schon so lange um das „Konzert ohne Dichter“ herum, Christiane. Und dass es 1905 spielt, hilft mir nicht wirklich. Wie viel, was mir lieb und wert ist, hatte Rilke da schon geschrieben! Ich bin mir (aufgrund einschlägiger Erfahrung) einfach nicht sicher, ob ich so gut wie du zwischen Dichter und Werk trennen kann. Aber es ist entschieden: Ich werde den Modick lesen, und zwar bald. Dir einen schönen Abend!

  3. Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen herauszufinden, um welches Bild es sich hier handelt. Es ist die „Amaryllis formosissima“ von Philipp Otto Runge (1808). Deine Aufnahme ist es allerdings auch: Formosissima!

  4. ein schöner Farbklang! Die Faszination der Betrachterin mit dem leicht geneigten Kopf, als lausche sie dem Klang der Blume nach.
    Es ist übrigens keine Vase, sondern die Knolle, aus der die Amaryllis hervorwächst. Man findet eine schöne Gravour dazu bei wikipedia „Amaryllisgewächse“.

  5. das ist ein sehr schönes foto, das eine heilige ruhe ausstrahlt. vielleicht weil der betrachter so selbstlos zugewandt dem „objekt“ sich widmet. „demut“ fällt mir dazu ein. demut als grundhaltung (im dialog, im kontakt) hat (für mich) nichts unterwürfiges, sondern ist eine voraussetzung für respektvolle annäherung (an die schöpfung …) und ehrlichen umgang (mit allen wesen) und hängt mit staunenkönnen zusammen und mit empathiebereitschaft und -fähigkeit, auch gelassenheit und wohlwollen (so scheint es mir). aber – wie auch immer: du hast ein meisterliches bild gemacht.

    • Schön hast du das gesagt, liebe Pega. Der Betrachter ist tatsächlich ein sehr feiner junger Mann, auf eine natürliche Weise respektvoll. Die Fotografin dankt von Herzen und sendet ebensolche Grüße.

    • Du meinst die Mai-Mädchen von der Waterkant? Ich fürchte, da muss ich dich enttäuschen: Die sahen so aus, als hätten sie nur Augen für den Sommer. 😉

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