Stadt, Land, Fluss

p1160053Die Stadt habe ich verlassen, die Grenze überschritten, um dem Fluss zurück ins eigene Land zu folgen. Von seinem Ursprung im österreichischen Vorarlberg bis zum Fall nach Füssen. Ich weiß nicht, was größer war, die Sehnsucht nach den Bergen oder der Wunsch, tagelang geradeaus zu gehen. Für beides jedenfalls schien mir der Lechweg perfekt geeignet zu sein: runde 125 Kilometer Fernwandern durch eine der letzten Wildflusslandschaften Europas, zur Linken die Allgäuer und zur Rechten die Lechtaler Alpen.

p1160006Vor der ersten Tagesetappe lasse ich die Herrlichkeit erstmal von oben auf mich wirken, vom 2350 Meter hohen Rüfikopf, den man vom Dorf Lech aus bequem mit der Seilbahn erreicht. Das ist, da nicht ganz schwindelfrei, eigentlich nicht so meins, aber den Blick fest auf den Berg gerichtet, nehme ich diese erste kleine Hürde – und werde mit einem spektakulären 360-Grad-Panorama belohnt.

p1160005Steine scheinen in den Himmel zu wachsen. So viele Berge, die nur darauf warten, bei anderer nächster Gelegenheit bestiegen zu werden! Die Kraft, die von dieser Landschaft ausgeht, überträgt sich ganz unmittelbar.

p1160087Eine Pizza und zwei Weinschorlen lang lausche ich später unten im Tal der Geschichte von Geja, die so heißt wie die Erdgöttin aus der griechischen Mythologie. Geboren in Rotterdam als Tochter eines Flussschiffers, verheiratet mit einem Flussschiffer – und seit Jahren sesshaft im bayerischen Alpenland. Aber vielleicht nicht mehr lange. Zuerst, erzählt Geja, habe sie sich von den Bergen im Rücken beschützt gefühlt, inzwischen seien sie ihr ein bisschen eng geworden.

p1160044Das ginge mir vermutlich nicht anders. Und ich denke daran, wie der geschätzte Bloggerkollege Holger („Zeilentiger“), den es, wie ich auf seinem neuen Blog Zwischen zwei Flügelschlägen lese, gerade wieder zurück in die Berge zog, umgekehrt von seinem Empfinden sprach, dass einem der weite norddeutsche Himmel in seiner Grenzenlosigkeit auf den Kopf fallen könne.

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31 Kommentare zu “Stadt, Land, Fluss

  1. Wow, das erste Foto erinnert mich ein bisschen an den Kepler Treck in Neuseeland. Wir müssen wohl auch mal in den Alpen wandern gehen…
    Ganz herzliche Grüße und einen schönen Start ins Wochenende, Peggy

    • Du bringst mich zum Lachen, liebe Peggy. Weißt du, dass ich die neuseeländischen Alpen ebenfalls lange vor den hiesigen kennen gelernt habe? So many things to see, so many mountains to climb… Herzliche Wandergrüße!

    • Neun Tage. Den zehnten hatte ich zum Auspendeln vorgesehen, war aber so im Vorwärtsdrang, dass ich gleich weiter bin zu ein paar türkisfarbenen Bergseen. Insgesamt sind es mit ein paar Schleifen gut und gern 150 Kilometer geworden. Sollte mich sehr freuen, wenn ich dich dafür begeistern kann, einmal vom blauen Meer in die blauen Berge zu ziehen.

  2. Liebste Maren, ich bin immer wieder beeindruckt – egal was du fotografierst oder worüber du schreibst, du drückst Empfindungen und Eindrücke aus, die kaum jemand sonst in Worte fassen kann. Danke dir, daß du dies alles mit uns, deiner lesenden Fangemeinde teilst. Herzlichst Deine Anja

  3. Du musst mir unbedingt sagen, wo du die Bilder gemacht hast (bitte 🙂 ). Es juckt mich jetzt schon in den Wanderschuhen. 😉

    P.S.: So kommt’s, wenn man vor lauter Begeisterung erst schreibt und dann die Worte liest. Jetzt weiß ich natürlich, in welchem Teil der Berge du warst. Und es war bestimmt einfach herrlich dort.

    Ganz liebe Grüße von der Rabin

    • Liebe Rabin, die Fotografin lächelt ob deiner Begeisterung und verrät gern: Das erste und das letzte Foto sind in der Nähe des Formarinsees entstanden, wo der Lechweg beginnt, Nr. 2 und 3 vom Rüfikopf und Nr. 4 von der gegenüberliegenden Talseite aus. Dir viel Spaß beim Schnüren der Wanderschuhe!

  4. Bravo! Da hätte ich dich glatt begleiten können. (Den Lechweg bin ich übrigens noch nicht gewandert und habe mir das fürs nächste Jahr vorgenommen.) Liebe Maren, ich bin sehr auf deine weiteren Fotos und Eindrücke gespannt.

  5. Herrliche Bilder bringst du uns wieder einmal mit, liebe Maren, gäll der Steinbock ist echt … ich frage nur, weil sich hier so eine Seltsamsitte ausbreitet: künstliche Hirschen auf exponierte Felsen zu stellen …
    ich freue mich auf die Fortsetzung
    liebe Grüße
    Ulli

    • Nee, liebe Ulli, ich muss dich enttäuschen: Der Steinbock ist nur einer von den künstlichen Hirschen. Ich mochte ihn trotzdem. Er markierte den Anfang meiner Wanderung und erinnerte mich außerdem an einen besonders schönen Tag im äthiopischen Hochland, an dem ich einem echten Steinbock begegnet bin. Auf dieser Tour traf ich leider nur Murmeltiere.

      • Murmeltiere sind feine Gesellen 🙂 ist schon eine Weile her, dass ich sie traf, ich muss mal wieder höher hinauf, das dachte ich eh bei deinen Bildern und auch immer, wenn ich in Bloghausen Erika Lauffer besuche …

  6. Liebe Maren,
    was für wunderschöne Bilder: die Blicke auf die vielen Berge rundherum, auf die Täler, die Wiesenflanken und die schroffen Steinwände, die Steinmännchen, die scheinbar schwerelos in den Himmel wachsen und beim nächsten Windstoß umzufallen drohen, die Holzfiguren und die alpinen Tiere. Ich wünsche Dir noch viele weitere solche schöner Eindrücke.
    Viele Grüße, Claudia

    • Vielen Dank, liebe Claudia, ich weiß ja, wie sehr du selbst es genießt, durch solche Landschaften zu streifen. So viele schöne Ecken gibt es zu entdecken, so viele andere ein weiteres Mal zu erleben…

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