Herbstbild

dsc_2253Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

dsc_2280O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel: Herbstbild

dsc_2174Ach, wie ich dieses Gedicht liebe!

Advertisements

24 Kommentare zu “Herbstbild

  1. Liebe Maren, ja, ein wunderschönes Gedicht ist das, ich habe es gleich zweimal gelesen und das mittlere Bild ist in meinen Augen ein ganz besonders schönes …
    liebe Grüsse
    Ulli

    • Ich mag an dem Gedicht besonders, dass es nicht so endzeitlich schwer ist wie viele andere Herbstgedichte deutscher Sprache. Weitere schwebendleichte Herbstbilder soll es von hier allerdings offenbar nicht geben: Mattes Einheitsgrau hat einmal mehr den Himmel über Hamburg erobert. Zum Glück schenken wenigstens die gelben und roten Blätter etwas Licht. Liebe Grüße auf den hoffentlich strahlenden Berg!

      • du hast Glück, liebe Maren, gerade strahlt er wieder, ich schicke dir flugs einen Strahl davon-
        ach und das mit den Gedichten und den Sprachen, das treibt mich gerade etwas um, so viel Geschnörkel und Angestrengtes lese ich in der modernen Lyrik, schade!

  2. ja, wunderschön. Und wie ein Echo tönt ein anderes Gedicht in mir, das ich immer in mir trage:

    GOTTFRIED BENN

    Astern

    Astern – schwälende Tage,
    alte Beschwörung, Bann,
    die Götter halten die Waage
    eine zögernde Stunde an.

    Noch einmal die goldenen Herden
    der Himmel, das Licht, der Flor,
    was brütet das alte Werden
    unter den sterbenden Flügeln vor?

    Noch einmal das Ersehnte,
    den Rausch, der Rosen Du −
    der Sommer stand und lehnte
    und sah den Schwalben zu,

    noch einmal ein Vermuten,
    wo längst Gewißheit wacht:
    die Schwalben streifen die Fluten
    und trinken Fahrt und Nacht.

    • Oh, das Gedicht ist großartig, danke, Gerda! Ich kannte es noch gar nicht – ebenso wenig wie den Ausdruck „schwälend“, dessen Bedeutung sich aber beim Laut-Aussprechen leicht erschließt. „Die Götter halten die Waage eine zögernde Stunde an“ – ja, genau, genau so fühlt es sich an!

  3. Pingback: Blogbummel Oktober 2016 – Teil 2 – buchpost

  4. Pingback: Gern gelesen im Oktober | wandernd

  5. Wunderschön – das zweite Bild würde ich mir am liebsten genau so an die Wand hängen. Es erinnert ein bisschen an japanische oder chinesische Tusche-Zeichnungen.

    Und das Gedicht fängt die Stimmung (die wir hier in den letzten Tagen hatten) perfekt ein! Danke 💛

    • Wenn das kein feines Kompliment ist! Ganz herzlichen Dank dafür – und für den Besuch natürlich, den ich gleich mal erwidern werde. „Fernwehheilen“: Ich glaub ja nicht, dass das geht (nach meiner Erfahrung wird die Sehnsucht eher mit jedem Stück angeschauter Welt größer), aber ich bin s e h r neugierig, was genau sich hinter dem Titel verbirgt. 🙂

  6. Liebe Maren, jetzt bist Du mir beim Kommentieren schon so oft begegnet, dass ich heute mal nachgeschaut habe, was und worüber Du eigentlich so schreibst. Dein Blog – und vor allem dieser Beitrag, denn ich liebe den Herbst und seine schönen Farben! – gefällt mir so gut, dass Du mich ab sofort mit zu Deinen Follower zählen darfst.

    Herzliche Grüße, Martina ☀️

    • Wunderbar, liebe Martina. Ich freue mich sehr, dass du gern hier im Herbstlaub herumgeraschelt bist. Ich komme in den nächsten Tagen mal zum Gegenbesuch an Bord. Schöne Abendgrüße!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s