Ein Pott voll Worte

p1170212„Da bisse vonne Socken!“ tönt es in diesem typischen Singsang, kaum habe ich in der S-Bahn Richtung Köln-Nippes Platz genommen. „Hömma!“ ergänze ich im Geist (unvollkommen die Landesmutter imitierend) und muss grinsen. „Schantall, tumma die Omma winken!“ Das hat die Frau natürlich gar nicht gesagt, die in der Sitzgruppe schräg hinter mir mit der einen Hand das Smartphone ans Ohr und mit der anderen den Hackenporsche an die Fußknöchel presst, während sie ohne Punkt und Komma melodisch auf ihr unsichtbares Gegenüber einredet. Tatsächlich findet sie, dass es gut wäre, wenn der (oder die?) erstmal mit dem Matthias reden würde. Aber das, finde wiederum ich, ergibt einfach keine Geschichte. Ob auswärtige Besucher meiner Heimatstadt Hamburg sich wohl manchmal wie im Ohnsorg-Theater fühlen?

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19 Kommentare zu “Ein Pott voll Worte

    • Mich begeistern all diese Dialekte so, dass ich Gefahr laufe, mich zu „infizieren“, wo immer ich länger als ein paar Tage weile. 😉 Schöne Grüße ins Bayernstadl!

  1. Hömma, ist abba nich von de Waterkant oder täusch ich mich da (das ganze jetzt bitte im Käptn Blaubeerton, du weisst schon, so wie Hein oder Fietje, ach was red ich)
    nee, wie im Ohnesorgtheater kam ich mir noch nie vor, aber im Weltentheater bewege ich mich oft und diese Handyleute, nun, lass doch bei nächster Gelegenheit schöne Grüsse ausrichten 😉 das stoppt den redefluss ungemein, ich hab Erfahrung …
    ich schick dir Herzliches
    Ulli

  2. Liebe Maren,
    da warst Du ja ganz in der Nähe! Aber hier, von manchen höheren Stellen können wir bis nach Essen schauen, wird schon wieder ganz anders gesprochen als in Essen. Und selbst In Wuppertal ist eine Sprachgrenze erkennbar: Die östlichen Stadtteile sprechen schon deutlich hörbar westfälisch, denn dahin gehörten sie auch bis 1929 und das hört man heute noch (nix Mobilität und Globalisierung :-)). Da wird aus einer Kirche schnell mal eine Kiiiee(r)che. Und wir rheinisch-westfälisch Gebeutelten lachen uns in Hamburg völlig kaputt über die merkwürdigen Zungen, die es dort zu hören gibt.
    Viele schmunzelnde Grüße, Claudia

    • Um ein Haar wäre ich sogar noch nach Wuppertal gekommen, liebe Claudia. Allerdings der Kunst (Degas und Rodin), nicht der Sprache wegen. Wobei sich im Ruhrgebiet sicher die interessantesten Dialektstudien treiben lassen. Auch hier im Norden gibt es Riesenunterschiede z.B. zwischen dem Platt, das auf der Geest und dem Platt, das in der Marsch gesprochen wird. Hach, in einem der nächsten Leben will ich als Sprachforscherin wiedergeboren werden!

  3. Herne 3 – Immer wieder aufstehn (Live im Rockpalast 1983) (www.youtube.com/watch?v=ecTEQu0Bm9w)
    Köln: BAP – Du kanns zaubere 1982
    (www.youtube.com/watch?v=9M8hCC1_XnQ)

      • Köln ist nicht im Ruhrgebiet. Es liegt am Rhein.

        Das Ruhrgebiet fängt ungefähr bei Duisburg an – was noch zum Niederrhein gehört; es geht über Essen bis ins westfälische Hamm. Die Sprachgrenze zwischen Westfalen und dem Niederrhein liegt etwa zwischen Oberhausen und Essen. Es grenzt im Süden an das Bergische Land und an das Sauerland, im Norden kommt das Münsterland.

        Die Hauptflüsse sind die Ruhr – daher der Name – und die Emscher – zur Hoch-Zeit der industriellen Revolution war es glaube ich der schmutzigste Fluss Europas, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Das war bis in 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts so. Dann wurde der Himmel über der Ruhr blau..

        Allen Unterschieden und allen Schwierigkeiten zum Trotz ist das Ruhrgebiet ein gemeinsamer Bereich. Im Kern um die A 40 (was im Grunde die alte B 1 ist). Dort wohnen ca. fünf Millionen Menschen mit unzähligen Theatern, Opern, Universitäten und anderen Kulturbetrieben und so. Nur die von Gestern bezeichnen diesen Landstrich noch als Pott.

        Die Zechen und metallverarbeitenden Betriebe haben sich längst aufgelöst – wenn es gut ging – zu Gunsten von noch mehr Kultureinrichtungen oder so. Abreißen kostet. Und wunden heilen nur langsam.

        Dieses ‚Immer wieder aufstehen‘ ist nach wie vor bitter nötig und es wird auch gemacht. Nicht im ‚Pott‘ – das ist Mythos – aber im Ruhrgebiet, denn das ist real.

        Köln ist zauberhaft und Versteht sich als eigener Kosmos. (‚Kölle Allaaf‘ heißt übersetzt soviel wie ‚Köln über alles‘.) Es liegt am Rhein und nicht im Ruhrgebiet. In Düsseldorf sagen sie ‚Helau‘. Diese Stadt gehört zum Niederrhein, liegt am Rhein, ist unter anderem die Landeshaupt von NRW und auch nicht Bestandteil des Ruhrgebiets.

        Liebe Grüße, mick.

      • Hallo Mick, ich weiß nicht, welcher lokalpatriotische Nerv bei dir ins Schwingen gekommen ist, möchte aber doch klarstellen, dass ich – natürlich – nicht behauptet habe, dass Köln zum Ruhrgebiet gehört. Meine kleine Geschichte spielt in Essen – den Link zu BAP hast du gesetzt. 😉

      • In diesem Fall ist alles gut. Mea culpa.
        Ps.: Als junger Mensch musste ich meine Heimat verlassen, das war das Ruhrgebiet, und da reicht schon ein Nummernschild um etwas in mir zu bewegen.
        Als Kinder war es uns verboten unseren Dialekt zu sprechen. Zu ärmlich war die Begründung, und arm das bedeutete immer auch dumm. „Den, wenn ich treffe, den mach ich nieder.“ So etwas sagt man in Bayern. Dahin fuhr man nämlich in den Urlaub. Dummheit, Gefühl und Intelligenz, alles drei ist international. Das gibt es überall.
        Wie geschrieben: Mea culpa, mea maxima culpa.
        LG, mick.

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