Am Rande der Unendlichkeit

p1170405Die Welt tötet uns durch Betriebsamkeit, die Wüste belebt uns durch Stille.

Ibrahim al-Koni: Meine Wüste

p1170509Unser Blick beruhigt sich an den einfachen Formen von Sand, Felsen und Himmel. Wir durchwandern einen Raum, dessen karge Einfachheit mit keinem der uns vertrauten Lebensräume vergleichbar ist. Nichts, was den Blick ablenkt, keine flackernden Bilder, keine hektisch wechselnden Szenarien, niemand, der etwas von uns fordert, außer wir von uns selbst. Nur das grell strahlende Blau des Himmels über uns, nur Sand oder Stein unter unseren Füßen. Nur die gleichförmige Weite, deren überwältigende Schönheit in ihrer Einfachheit begründet ist. Eine Einfachheit, deren Erhabenheit uns in staunendes Schweigen versetzt. Und unser Schweigen entspricht dem Atem der Wüste. Die Stille umfängt uns – anfangs vielleicht bedrohlich, dann aber sickert sie ein in unsere Seele und lässt sie schließlich im Gleichklang schwingen mit der Weite und Ruhe der Landschaft.

Jürgen Werner: Wüstenwandern

p1170512Vollkommenheit entsteht so offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.

Antoine de Saint-Exupéry: Wind, Sand und Sterne

p1170573Kein Mensch kann in der Wüste leben und davon unberührt bleiben. Er wird fortan, wenn vielleicht auch kaum merklich, das Zeichen der Wüste, das Zeichen des Nomaden tragen; und er wird immer, je nach Veranlagung, leises oder brennendes Heimweh nach jenem Leben verspüren. Denn dieses unerbittliche Land übt einen Zauber aus, dem ein gemäßigtes Klima nichts entgegenzusetzen hat.

Wilfred Thesinger: Die Brunnen der Wüste

p1170570Für die Grübler in den Städten ist der Drang in die Öde stets unwiderstehlich gewesen, wohl nicht, weil sie dort Gott fanden, sondern weil sie in der Einsamkeit mit größerer Klarheit die lebendige Stimme hörten, die sie in sich trugen.

T.E. Lawrence: Die sieben Säulen der Weisheit

p1170547Von Zeit zu Zeit braucht jeder Mensch ein Stück Wüste.

Sven Hedin: Durch Asiens Wüsten

p1170621und weil einem in der wüste nichts gehört, gehört einem alles.

otl aicher: gehen in der wüste

p1170627

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37 Kommentare zu “Am Rande der Unendlichkeit

  1. Was für eine schöne Sammlung von Bildern und Zitaten, liebe Maren. Jetzt bereue ich es gleich noch mehr, dass wir es auf unserer ersten Stippvisite in Dubai noch nicht in die Wüste geschafft haben. Aber zum Glück gibt’s ja auf lange Sicht mehr Gelegenheiten 🙂 Herzliche Grüße und ein schönes neues Jahr, Peggy

    • Liebe Peggy, das ist tatsächlich etwas, worum ich dich beneide: dass ihr die Wüste demnächst quasi vor der Haustür habt. Ich hoffe, ihr habt schon den ein oder anderen Ort entdeckt, an dem ihr eure „Zelte“ aufschlagen wollt. Was für eine Veränderung! Möge 2017 glücklich werden!

    • Danke, Dina, als Wüstenverführerin betätige ich mich besonders gern. Aber entscheide klug, ob du folgen willst. Von dieser Droge kommst du womöglich nie mehr los. 🙂

  2. Diese Orange-Schattierungen, diese Orange-Blau Kontraste und diese Kamele samt Schatten ….. Zwar mag ich Wasserlandschaften lieber als Sandlandschaften, aber dieser besonderen kargen, orangen Schönheit kann ich mich auch nicht entziehen. Warst du wieder einmal auf Reisen ?

    • Und wie gelungen, Christiane! Ich könnte mich sofort auf das nächste Dromedar setzen und wieder losziehen in die unendliche Weite. Na, davon erzähle ich im nächsten Post…

    • Dank dir schön für die Sterne, liebe Pega. Da leuchtet gleich der nächtliche Himmel über der Wüste auf und ich schaue und schaue, bis der sichelförmige Mond ganz langsam hinter den Dünen verschwunden ist.

  3. „Vollkommenheit entsteht so offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.

    Antoine de Saint-Exupéry: Wind, Sand und Sterne“
    Die anderen Bilder und Texte sind auch klasse. Dieses hier hat mir am besten gefallen.

  4. Ich habe mich schon die ganze Zeit auf Deine Bilder von der Reise gefreut … und bin jetzt sehr überwältigt. Wie wunderschön! Schön, dass du es mit uns teilst – den von Zeit zu Zeit braucht auch jeder von uns ein Stückchen Wüste.
    Ich hoffe, Du hattest eine meditative Reise und kannst die Sandkörner noch ein Weilchen mit durch Hamburg tragen…
    Liebe Grüße Birgit

    • Danke für deine guten Wünsche und die Freude am gedanklichen Mitreisen, liebe Birgit. Bilder und Eindrücke zu teilen, trägt gewiss dazu bei, dass die Sandkörner nicht gleich wieder vom Hamburger Schmuddelwetter davongeschwemmt werden. Die segensreiche Wirkung der Wüste hat sich übrigens sogar bis nach Irland herumgesprochen, woher dieses schöne Gebet stammt:
      „Die ewige Liebe segne dich.
      Sie erfülle deine Füße mit Tanz
      und deine Arme mit Kraft.
      Sie erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit
      und deine Augen mit Lachen.
      Sie erfülle deine Ohren mit Musik
      und deine Nase mit Wohlgerüchen.
      Sie erfülle deinen Mund mit Jubel
      und dein Herz mit Freude.
      Sie schenke dir immer neu die Gnade der Wüste.
      Stille, frisches Wasser und neue Hoffnung.
      Sie gebe uns allen neu die Kraft,
      der Hoffnung ein Gesicht zu geben.
      Es segne dich die ewige Liebe.“

  5. Liebe Maren, Dein BlogPost kommt genau zur rechten Zeit. Deine Wüsten-Stücke geben mir Wärme unter meinem Fell, das in diesen eisigen Zeiten nicht so recht gegen die Kälte ankommen mag. Mal wieder ganz grandiose Bilder. Und so schön gewählte Worte mit dabei. DANKE! LG, Monni

    • Da kannst du dich aber freuen, dass ich Sonnenbilder gepostet habe und nicht welche vom wunderschönen aber klirrkalten nächtlichen Sternenhimmel, liebe Monni. 🙂

  6. damit hast du mich gerade voll erwischt!!!! Ich liebe Wüsten! Mein Entschluss, dieses Jahr endlich wieder in die Wüste zu fahren, wurde eben verfestigt 😉

    Aus welchen Wüsten stammen die Bilder?

      • ah, da war ich sogar schon mal 😉
        Letztes Jahr war eigentlich Tunesien geplant, kam aber nicht zustande 😦 Dieses Jahr geh ich das Thema Wüste dann wohl noch mal an

  7. Liebe Maren, in der Wüste als warst du und ich muss jetzt aufpassen nicht allzu neidisch zu werden 😉
    wunderbare Texte zu wunderbaren Bildern, so ganz Maren, herrlich!
    herzliche Grüsse
    Ulli

    • Das glaube ich gern, Gerda. Was einen sehr erreicht hat, bleibt, manchmal für immer. Der nächtliche Himmel in der Wüste, schwer von funkelnden Sternen, gehört auch für mich unbedingt dazu.

  8. Ein Genuss und eine Einladung zum Innehalten. Sehr, sehr schön, aber auch herausfordernd im Sinne von in Frage stellend. Danke fürs Teilen. Und das vorletzte Bild – unglaublich. Das wünsche ich dir, dass etwas bleibt davon. LG, Anna

    • Da hast du Recht, Anna. Es ist beides – und die Wüste vielleicht am geeignetsten für Menschen, die einen unverstellten Blick zu schätzen wissen. Und es bleibt ganz viel, danke dir für deinen schönen Wunsch. Gerade habe ich noch einmal den Stunden nachgehangen, die mit dem vorletzten Bild verbunden sind.

  9. Wunderschön, liebe Maren, sind alleine schon die Wüstenbilder – auch, weil sie so ein starker Kontrast sind zu unserem Schmuddelwinterwetter. Sie sind wirklich zum Träumen – und sind durch die jeweils so unterschiedlichen Formen so beeindruckend und vielfältig Und die Texte passen auch wieder einmal so gut dazu. – Einen guten Start ins neue Jahr, Claudia

    • Der Kontrast ist wirklich enorm, liebe Claudia. Hin wie her. Und wieder einmal denke ich, wie privilegiert wir doch sind, andere Länder und Kulturen erreisen zu können, in einer anderen Welt über Sand, Kies und Geröll zu spazieren und dabei unsere Seelen umzutauschen. Auch dir ein gutes neues Jahr!

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