Einer, der fehlt

Er war eigen. Nicht artig. Bis in den Tod. Keine Reden sollten auf seiner Beerdigung gehalten werden. Gestorben zur rechten Zeit ist in seinen Grabstein gemeißelt. Den hatte er selbst in Auftrag gegeben, da war er noch nicht einmal fünfzig. Seine Frau war schockiert. Dachte er denn gar nicht an sie und die kleine Tochter? Mich lehrte er die Liebe zur kleinen Kunst. Einst hab ich drei Weiden besungen. / Eine ist nur geblieben. / Ich habe drei Weiden besungen. / So sind auch drei Weiden geblieben. Auch diese Zeilen seiner Freundin Eva Strittmatter stehen auf dem Grabstein.

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20 Kommentare zu “Einer, der fehlt

      • Da mache ich mit. Auch „Der Laden“ von ihm steht noch ungelesen vor mir. Ihre Gedichte sind auch noch weitgehend unbekanntes Terrain – aber das wenige, das ich las, hat mich gefangen. Dein kleiner Text hat Strittmatter-Format, Maren. Schön, diese kurzen Vignetten, die du derzeit bringst. Denkstolpersteintexte.

      • oh, das tut mir leid, maren, dass ich das so missverstanden habe – es ist wahrlich eine sehr besondere grabinschrift und ich fühlte mich sofort angesprochen davon und angezogen! möge dieser dein freund in frieden ruhen und mögest du im erinnern an ihn auch guten trost haben! – liebe grüße!

      • Da braucht dir überhaupt nichts leid zu tun. Ich mag die Grabinschriften auch – beide. Ich lese daraus, dass einer um das weiß, was von ihm bleibt, und sich dennoch nicht für unersetzlich hält. Auch dir einen herzlichen Gruß!

  1. „Gestorben zur rechten Zeit“ ist schon eine harte Grabinschrift für die Hinterbliebenen, wenn sie gar nicht den Eindruck haben , dass es so ist …..

  2. Gerade dachte ich, komisch, hat denn Maren gar nichts mehr veröffentlicht und siehe da- ja, ich komme spät, aber nicht zu spät, nie 😉
    ich mag diese kurze Notiz, die so viele unterschiedliche Gesichter hat und ich denke an Strittmatter, der ungelesen in meinem Regal steht, Eva Strittmatter habe ich noch kaum gelesen, ach herrjeh, so viele!!!
    nun denke ich noch darüber nach, ob nicht jede und jeder zur rechten Zeit stirbt, auch wenn wir es als Hinterbliebene ganz anders sehen… nachdenklich sage ich für heute tschüss und lass einen Herzengruss an dich auf die Reise gehen
    Ulli

    • Liebe Ulli, das sind so Fragen, über die kann man ewig nachdenken und wird wohl keine allgemeingültige Antwort finden. Ich denke, jeder Sterbende und jeder Hinterbliebene hat seine eigene Sicht zur „rechten Zeit“. Mir scheint es auch darauf anzukommen, ob es einem Menschen gelingt, im Frieden zu sein oder vielleicht auch erst Frieden zu finden mit dem, was sich nicht ändern lässt.
      Deine Gedanken kommen jedenfalls immer zur rechten Zeit. Danke und einen herzlichen Gruß zurück!

  3. Ich finde diese Zeilen großartig, Maren. Die sind sehr anregendes Denkfutter und ich kann mit der Aussage zur „rechten Zeit“ sehr viel anfangen.

    • Liebe Dina, ich freu mich sehr über deine Zeilen. Schön, dass sie dich zum Denken anregen. Dieses „zur rechten Zeit“ beschäftigt mich selbst immer mal wieder. Ich habe den Tod schon ein paar Mal als „zu früh“ empfunden. Und auch schon als „spät“. „Zu spät“? Ein sehr weites Feld. Dank dir fürs Mitschwingen und sei herzlich gegrüßt!

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