Bei Licht betrachtet

p1170850… ist es phantastisch, zu Hause zu sein bei der Freundin, während die Freundin auf Reisen ist und das eigene Zuhause eine Baustelle.

p1170856… ist es todtraurig, wenn die, die sich sorgten und kümmerten, als du selbst noch kein Wort sprachst, nicht einmal mehr ihren eigenen Namen wissen.

p1170846… ist es Zeit für die Liebe, besonders im Frühjahr. Und für Rose Ausländer, immer wieder.

Noch bist du da

Wirf deine Angst
in die Luft

Bald
ist deine Zeit um
bald
wächst der Himmel
unter dem Gras
fallen deine Träume
ins Nirgends

Noch
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken
noch bist du da

Sei was du bist
Gib was du hast

Auf lyrikline kannst du dir das Gedicht auch von der Autorin vorlesen lassen.

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23 Kommentare zu “Bei Licht betrachtet

  1. Liebe Maren, alles wahr was du schreibst, bei Licht betrachtet, ob so oder so- und Zeit für Rose Ausländer ist glaube ich immer…
    ich sitze hier gerade berührt nachdenklich, mit einem kleinen Lächeln zu dir hin
    herzlichst
    Ulli

  2. „Sie verstehen nicht“, sagt Heraklit, „wie gegeneinanderstrebend sich Bogen und Leier verbinden“,
    und wir verstehen auch nicht, wie der liebende Gedanke, auch wenn Wort und Verständnis versagen, dennoch sein Ziel findet. Aber wir können es als Geschenk annehmen, dass es so ist.
    Herzliche Grüße an dich,
    Michael

    • Lieber Michael, ich kann das heute nicht so gut in Worte fassen, aber ich fühle mich verstanden und mir scheint, ich habe auch deinen Beitrag „Hinter Glas“, der mich ja bereits ordentlich beschäftigt hat, gerade noch einmal tiefer verstanden. Auch ein Geschenk. Danke und herzliche Grüße zurück!

  3. Die, die ihren Namen nicht mehr wissen, können doch in sich ruhen und Frieden fühlen, den wir von außen gar nicht wahrnehmen. Am Ende reicht es Ihnen sicher, wenn sie spüren, dass jemand neben ihnen sitzt der auch ohne Worte nah ist. Namen sind Schall und Rauch…

    • Ja, das erlebe ich auch so, liebe C. Und dann fällt es mir auch viel leichter, die eigene Traurigkeit über das, was nicht mehr ist, beiseite zu lassen und entdecke gleichzeitig immer wieder neue Möglichkeiten, auch ohne Worte nah zu sein, wie du so schön schreibst. Herzen werden ja nicht dement. Aber manchmal ist da eben auch nur Unruhe, Angst oder Aggression und Nähe kaum herstellbar. Das ist schwer auszuhalten, finde ich. Einen lieben Gruß von Tür zu Tür!

  4. Ein so schönes Gedicht.
    So liebe und gleichzeitig traurige Gedanken, die so wunderbar in das Herz anrührende Worte gefasst wurden.
    „Noch bist du da…“
    Genau das ist es, was man spürt, wenn ein geliebter Mensch schon auf dem Weg ist.
    Irgendwohin woanders.
    Und man ihn am liebsten bei sich behalten und jede Minute mit ihm auskosten möchte….

    • Danke für deine Zeilen, liebe Rosie. U.a. das schätze ich so an Rose Ausländers Gedichten: Sie lassen viel Raum für Eigenes, für eigene Erfahrungen, Erinnerungen, Gefühle… „Noch bist du da“ hat sie m.W. geschrieben, als sie selbst gesundheitlich schon sehr angeschlagen war und der eigene Tod nicht mehr fern. Dennoch lese ich es weniger als ein Abschiedsgedicht als einen Appell, die verbleibende Zeit, wie lange auch immer sie sei, nicht zu vertun: „Sei was du bist / Gib was du hast“. Was ja wiederum gut zu dem von dir beschriebenen Gefühl passt, „wenn ein geliebter Mensch schon auf dem Weg ist“. Herzliche Grüße!

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