Zartes Vertrauen

Daß da abends plötzlich / ein Gewitterregen runterkommt / daß ich / nach draußen lauschend / am Küchenfenster steh / und den letzten Schluck / aus der Flasche trinke / daß du hereinkommst / weil du dich fürchtest / vor Donner und Blitz / daß du mir die Hand / auf die Schulter legst / und sagst: / „Du säufst dich nochmal tot!“

– das alles: / der Platzregen / vor dem wir geschützt sind / der Korkengeschmack im Mund / der Wein im Blut / deine Hand / und deine Stimme

das alles / könnte mich / dazu verlocken / einen Augenblick lang / meine Angst / mit dir zu teilen

Paul Kersten: Gewitter

(Aus: Die Verwechslung der Jahreszeiten. 1983)

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27 Kommentare zu “Zartes Vertrauen

  1. Hervorragend, Maren! Das Foto ist ein Hingucker, habe lange kein so ein toll komponiertes Foto gesehen und das Gedicht ist die Krönung. Spitze! 🙂

    • Wie ich mich über deine Worte freue, Dina!!! Ich möchte keines von ihnen relativieren, aber die Komposition war ziemlich spontan – die kleine Kompakte, die zum Glück auch lichtstark und schnell ist, habe ich praktisch immer griffbereit. Hier war es übrigens so, dass mir zuerst das Gedicht (wieder) in die Hände gefallen war und ich dann das Bild dazu gesucht habe. Es ist von März 2016.

  2. liebe maren, dies ist ein wundersames foto. so filigran und zart die bäume. der weite himmel. so schön! DANKE. lieben gruß zum sonntagabend, pega –

    • Der Autor läuft mir seit der Lektüre seines Erstlings „Der alltägliche Tod meines Vaters“ immer mal wieder „über den Weg“. Er schreibt viel über den Tod, über Abschiede und Vergänglichkeit, sehr genau, oft atmosphärisch dicht wie in dem hier zitierten Gedicht, gelegentlich fast unangenehm sezierend. Auch dir eine gute Woche!

  3. Stimmungsvoll. Ich würde es als Poetische Fotografie umschreiben. Eine feine Melange aus Wort und Bild die angenehm nachklingt. Und natürlich das zarte, blässliche Licht…

    • Danke dir, Stefan – besonders für die „Poetische Fotografie“, für die du ja auch ein Faible hast. Hier im Blog hatte ich mich wegen des angestrebten Gleichgewichts zwischen Bild und Text für die Rubrik „Fotografie und Poesie“ entschieden. Schöner ist natürlich dein Titel.

  4. Liebe Maren,
    „Poetische Fotografie“ – da schließe ich mich an. Du hast wirklich den besonderen Blick, um immer wieder ganz besondere Perspektiven einzufangen.
    Viele Grüße, Claudia

    • Ach ja, die Wehmut, Schwester der Sehnsucht. Erinnert uns an das, was wir kannten und liebten. Ein Glück! Die Erinnerung selbst und was wir aus ihr machen. Aber jetzt erstmal ganz unphilosophisch viel Freude und gutes Gelingen beim Handwerkern, liebe Ulli! Bei mir ist auch seit Wochen Baustelle und ich genieße die Arbeit (meistens) und die wachsende Schönheit (immer).

      • Liebe Maren, die wachsende Schönheit geniesse ich auch und die ist es, die mich trägt, wenn ich wieder einmal mit der Schrubbbürste unterwegs bin. Auch ich wünsche dir gutes Gelingen und uns beiden danach ein Wohlfühlheim. Herzlichst
        Ulli

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