Erste Zärtlichkeiten

Ich liebe jene ersten bangen Zärtlichkeiten,
die halb noch Frage sind und halb schon Anvertraun,
weil hinter ihnen schon die wilden Stunden schreiten,
die sich wie Pfeiler wuchtend in das Leben baun.

Ein Duft sind sie; des Blutes flüchtigste Berührung,
ein rascher Blick, ein Lächeln, eine leise Hand –
sie knistern schon wie rote Funken der Verführung
und stürzen Feuergarben in der Nächte Brand.

Und sind doch seltsam süß, weil sie im Spiel gegeben
noch sanft und absichtslos und leise nur verwirrt,
wie Bäume, die dem Frühlingswind entgegenbeben,
der sie in seiner harten Faust zerbrechen wird.

Stefan Zweig: Die Zärtlichkeiten

Advertisements

9 Kommentare zu “Erste Zärtlichkeiten

  1. liebe maren, ein wunderschönes gedicht mit deinen tollen fotografien. der schlag am ende des gedichtes, trifft hart, nachdem er sich so behutsam den ersten unvertrauten zärtlichkeiten näherte. lässt mich ratlos fragend zurück, diese letzte zeile.
    danke fürs posten und eine gute woche dir. liebe grüße von nebenan.

    • Die letzte Zeile trifft hart, das habe ich auch so empfunden, liebe Wolkenbeobachterin. Aber ist es nicht tatsächlich so, dass dieses Zarte, Unschuldige, Fragende niemals von Dauer ist, mögen auch die bebenden Bäume nicht brechen? Herzliche Grüße von einer romantischen Seele zur anderen!

  2. maren, ich bin begeistert von diesen bildern. wunder-wunderbar, die frühlingsbirken! und ganz oben: der wald als dom. und als geheimnisraum, (seelen)spiegel … und auch das gedicht dazu finde ich sehr sensibel gewählt, auch wenn bzw. gerade weil es, wie wolkenbeobachterin anmerkt, etwas aufwühlendes hat. also: großes danke! – liebste pegagrüße

    • Herzlichen Dank für deine tollen Bilder-Bilder, liebe Pega! Auf meiner langen Wanderung habe ich tatsächlich einige sakrale Räume durchschritten, mit grünen Portalen, braunen und beigen Säulen und lichtdurchfluteten Fenstern. Die leuchtend grünen Bäumchen unten sind übrigens keine Birken. Ich meine, es sind Pappeln. Herzliche Frühlingsgrüße!

    • Oh ja, das Frühlingslicht ist wunderschön, gerade auch in den Wäldern, die förmlich explodieren. Aber das weißt du ja selbst. 🙂 Liebe Grüße an die Waldläuferin!

  3. Auch von mir ein herzliches Dankeschön für die sehr schönen Bilder und das überraschende Zweig-Gedicht, das mir zuerst recht rilkisch daherzukommen schien.

    • Jaja, der Rilke… „Ich liebe diese Stunde, die anders ist, kommt und geht. Nein, nicht die Stunde, diesen Augenblick liebe ich, der so still ist. Diesen Anfangs-Augenblick, diese Initiale der Stille, diesen ersten Stern, diesen Anfang. Dieses Etwas in mir, das aufsteht, wie junge Mädchen aufstehn in ihrer weißen Mansarde…“ Meinst du das, liebe Gerda? Herzliche Grüße!

  4. Pingback: Blogbummel April/Mai 2017 – buchpost

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s