Überwiegend kopflos

Man nehme den Deckel nur vom Topfe
Und sieh, wie froh der Dampf entweicht!
Wie lebt nach abgeschnittnem Kopfe
Das schwere Leben sich so leicht
Kein Schnupfen mehr, kein Nasentropfen,
Kein Zahnweh und kein Augenbrand
Noch Stirnkatarrh noch Schläfenklopfen,
Es ist wie im Schlaraffenland.
Zwar gibt es ohne Kopf kein Denken,
Doch ist es darum nicht so schad,
Man kann mit Wein die Kehle tränken,
Das ist das beste Gurgelbad.
Und ach, wie lebt es sich so stille:
Kein Wort, kein Lärm, kein grelles Licht!
Und nie mehr sucht man seine Brille
Und nie mehr macht man ein Gedicht.

Hermann Hesse: Kopflos

Ich schick dann mal den Kopf (und alles andere) in die Blogpause. Wir lesen uns im Spätsommer wieder. Lass es dir gut gehen!

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39 Kommentare zu “Überwiegend kopflos

  1. So kannte ich Hermann Hesse noch gar nicht, liebe Maren. Danke für das witzige Foto mit dem humorigen Text.
    Dein Beitrag erinnert mich daran, dass ich kürzlich auch eine kleine Spielerei zum Thema „Kopflos“ notiert habe. Die werde ich in den nächsten Tagen einstellen.
    Nun wünsche ich erst einmal einen schönen Urlaub mit vielen beglückenden Erlebnissen für Kopf und Herz und – last, but not least – auch den Bauch.
    Beste Grüße
    Elisabeth

    • Hesses Gedicht lässt sich wohl vor allem als Spitze gegen den Literaturbetrieb lesen. In der Art gibt es noch ein paar andere, u.a. die „Antwort an Freunde, die mir ein sehr schwieriges Gedicht im neuen Stil geschickt und gefragt hatten, ob ich es etwa verstehe“.
      Auf deine Spielerei bin ich jedenfalls gespannt, Elisabeth. Danke für deine guten Wünsche und auch dir eine gute Zeit!

  2. Liebe Maren,
    eine schöne und vor allem ganz erholsame Zeit für Dich (mit Kopf und Körper)! Und nach diesem tollen Post, bei dem wiederum Bild und Gedicht so ganz hervorragend zusammenpassen, und beides uns zum Schmunzeln bringt, freue ich mich besonders aufs Wiederlesen im Spätsommer!
    Viele Grüße, Claudia

    • Liebe Claudia, ich halte es jetzt mal eine Weile mit Teresa von Avila: „Tu deinem Leib des öfteren etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Dann klappt es sicher auch mit dem Kopf. 😉 Dir ebenfalls nur das Allerbeste!

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