Orientierungshilfe

Hamburg hat über 2500 Brücken. Mehr als Venedig und Amsterdam zusammen, sagt das städtische Marketing. Sechs von ihnen will ich euch kurz vorstellen. Besonders schön sind sie nicht, aber… nun ja: besonders. Als erstes fiel mir die Braune Brücke auf. Da hatte ich die Grüne schon ungezählte Male passiert, auf dem Weg in die Vier- und Marschlande, Hamburgs Gemüsegarten. Und auch die Schwarze unmittelbar vor den Elbbrücken. Nur eben nicht mit Bewusstsein.

Die Braune Brücke nahm ich wahr. Sie verbindet die alten Arbeiterviertel Hamm im Norden und Rothenburgsort im Süden. Und sie führt mitten hinein in ein kleines Paradies, über das ich hier schon geschwärmt habe. Mein liebstes Hausboot, lila und wunderbar nostalgisch, liegt nur einen Steinwurf entfernt. Und auch sonst war neulich, als die Sonne überraschend kräftig vom blauen Himmel lachte, einiges los an der Bille. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier geht es um die sechs farbigen Brücken, die den Nebenfluss der Elbe in seinem schiffbaren Unterlauf überspannen: rot, gelb und blau, braun, grün und schwarz. Die erste und zugleich älteste ist die Rote Brücke, die tatsächlich eher rosa ist, unterhalb von Kirchsteinbek. Über die Gelbe und die Blaue Brücke erreicht man Billbrook mit seinen vielen kaum noch befahrenen Kanälen – eine der größten Industrieflächen Hamburgs, auf der aber auch so wunderbare Zeitzeugen wie das Kaiserliche Postamt nahe der Roten und das Alte Metallwalzwerk nahe der Gelben Brücke überlebt haben.

Was es mit der Farbenlehre auf sich hat? Nun, man wollte den vielen ausländischen Arbeitern, die schon im 19. Jahrhundert in Hamburg lebten, die Orientierung erleichtern und strich die Geländer und  – bei dem Verkehr, der früher auf der Bille und den Kanälen herrschte, vielleicht noch wichtiger – auch die Unterseiten der Brücken in verschiedenen Farben an.

Eine schöne Vorstellung, dass „Brücke“ zu den ersten Worten gehört haben mag, die ein Fremder einst in Hamburg lernte!

P.S. Die ganz oben abgebildete blaue Brücke ist übrigens nur eine blaue Brücke über die Bille, verwirrenderweise angesiedelt zwischen der Roten und der Gelben, aber sie ist mit ihrem Bogen einfach schöner als die Blaue, die man stromabwärts im Anschluss an die Gelbe passiert. Noch Fragen?

28 Kommentare zu “Orientierungshilfe

  1. Ach mein Hamburg, wie vermisse ich dich und deine Schöneeckenfinderinundbeschreiberin  in der hässlichen Wirklichkeit von Medan…. 

    • Ach, menno… gibt es denn gar nichts, womit ich dich aufmuntern kann? Doch! Gerade las ich in der unerschöpflichen Web-Enzyklopädie, dass auch Medan ein altes Postamt hat, im niederländischen Stil. Und gar nicht so weit entfernt soll es ein „Orang Utan Rehabilitation Center“ geben. Ist das nicht einen Besuch wert? Oder musst du etwa arbeiten…? 😉 Liebe Grüße ins ferne Sumatra!

    • Ich danke d i r für das feine Kompliment. Tatsächlich denke ich unterwegs oft daran, was von dem Erlebten und Gesehenen sich für eine kleine virtuelle Führung eignet. Aber das geht dir ja nicht anders.

  2. Mit dir möchte ich wirklich einmal durch die Stadt wandeln und gerne auch über sieben Brücken gehen 😉
    Habs schön heute, liebe Maren,
    herzlichst
    Ulli

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