So blau

Blau ist die Farbe von Himmel und Wasser. Die Farbe der Freiheit, der Sehnsucht, der Ruhe und der Klarheit, der Kälte, der Harmonie und der Treue. Blau lässt Raum für vieles.

In den vergangenen Tagen habe ich bereits ein paar Fundstücke gezeigt, die ich von meinem jüngsten Ausflug an die Ostsee mitgebracht habe. Das war praktisch der Beifang. Eigentlich ging es mir darum, endlich einmal unten am Brodtener Ufer entlang zu laufen, einer bis zu zwanzig Meter hohen Steilküste zwischen Niendorf und Travemünde. Bisher hatte ich die herrlich weiten Blicke von oben genossen. Wenn du mal schauen willst – hier und hier findest du ein paar Eindrücke.

Entstanden ist das Steilufer am Ende der letzten großen Eiszeit. Mit der einsetzenden Eisschmelze formte eine gewaltige Gletscherzunge die heutige Lübecker Bucht. Sand, Mergel und Findlinge lagerten sich in Form einer Moräne ab, die den Verlauf der Ostseeküste prägt.

Wie sie wohl in hundert Jahren aussehen wird? Jahr für Jahr frißt sich das Meer am Brodtener Ufer um durchschnittlich einen Meter ins Land hinein. Man kann förmlich dabei zusehen, wie der Fuß- und Radweg oben immer dichter an die Abbruchkante rückt. Ein Haus, um dessen Traumlage ich die Besitzer noch vor wenigen Jahren beneidete, wurde abgerissen. Viel zu gefährlich, es zu betreten.

Unten am Wasser zeugen entwurzelte Baumstämme und herabgestürzte Geschiebeblöcke von der Kraft der Herbst- und Winterstürme, von peitschendem Wellenschlag und Starkregen. Die aus dem Kliff herausgewaschenen Sandmassen werden durch Strömungen parallel zur Küste sowohl nach Travemünde als auch in die innere Lübecker Bucht gespült, wo sie Strandurlauber-Herzen höher schlagen lassen.

Blau ist die Farbe von Himmel und Wasser. Blau weitet den Blick und schafft Raum.

Für den kreativen Umgang mit Steinen zum Beispiel. Und mit allem, was sonst so zur Hand ist.

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31 Kommentare zu “So blau

  1. Ich liebe blau auch sehr. Leider ist es aber auch die Farbe der FPÖ, der österreichischen Heftigrechten (um nicht „extrem“ zu sagen ) Nachdem Politik gerade sehr im Vordergrund steht, vergällt mir das die Farbe Blau ein bisschen.

    • Ich könnte mir vorstellen, dass einem als Österreicherin gerade einige Farben etwas vergällt sind, liebe Myriade. Aber das Spiel der Farben ist es, das Bestand hat, nicht der Wettstreit darum, wer (in welchem Gewand) die niedrigsten Instinkte bedient.

  2. Ich liebe die Farbe Blau und die Ostsee sehr und möchte damit auch Freiheit, Sehnsucht, Harmonie und Treue verbinden. Bei unserem letzten Ostsee-Urlaub in der Kieler Bucht konnten wir beim Anblick des Wassers und der vielen Schiffe etwas davon erahnen.

  3. Man sollte öfter blau machen können, v.a. angesichts Deiner Bilder ins Blaue Richtung Norden fahren …aber ich muss erst für den bayerischen Buchpreis „Blau“ von Jürgen Goldstein lesen. Wunderelegante Betrachtungen über die Farbe Blau … das könnte Dir gefallen.

    • Der Titel war mir in deinem kurzen Blick auf die Shortlist zum Bayerischen Buchpreis auch schon aufgefallen, liebe Birgit, und ich freue mich auf deine Besprechung. Die beiden empfohlenen Belletristik-Titel habe ich bereits auf die Leseliste gesetzt. Lieber Gott, schenk mir mehr Lesezeit…!

  4. Oh, da war ich auch schon mal – eine schöne Gegend ! Und so gut von Hamburg aus zu erreichen.
    Blau ist, glaube ich, die insgesamt beliebteste Lieblingsfarbe. Kann ich gut verstehen, meine ist es auch. Eine blaue Stimmung ist für mich nicht melancholisch wie im Blues, sondern heiter und hell.
    Es gibt ein nettes Insel-Taschenbüchlein über die „himmlische Farbe Blau“ mit sehr schönen Abbildungen aus der Kunstgeschichte. Aber nun bin ich neugierig geworden auf das Buch von Jürgen Goldstein; hatte ohnehin vor, mir eine „blaue Bibliothek“ zuzulegen, daher danke für den Tipp!
    Und dir, liebe Maren, vielen Dank für die schönen Bilder. Die machen mir Freude, da ich in diesem Jahr nicht sehr oft am Meer war (aber einmal kommt noch …).
    Beste Grüße
    Elisabeth

    • Auf die Idee, dass du (Himmel-)Blau magst, hätte man in der Tat kommen können, Elisabeth. 😉 Und jetzt willst du eine blaue Bibliothek einrichten? Da du das Insel-Büchlein und den Goldstein ansprichst, vermute ich mal, dass es dir eher um „blaue Inhalte“ als um Cover geht. Wobei eine blaue Regalwand bestimmt auch ihren Charme hätte. Wie mich überhaupt die Vorstellung reizt, Bücher nach Farbe zu sotieren, nur fände man so wohl nichts wieder… Vielleicht schreibst du ja mal über d e i n e blaue Bibliothek?!

      • Eine schöne Idee, liebe Maren ! Bei mir müssen die Bücher bislang aus Platzgründen da unterkommen, wo sie eben noch hineinpassen. Und das führt auch dazu, dass ich so leicht nichts finde. Oder doch – ich finde schon etwas, aber nicht unbedingt das, was ich gesucht habe (wie im „wirklichen“ Leben).
        In meiner blauen Bibliothek sollte es schon inhaltlich um die Farbe gehen, z. B. käme Else Lasker-Schüler darin vor.
        Ein schönes Wochenende wünscht
        Elisablau – ups ??

      • Die „blaue Else“… unbedingt! Gerade denke ich, dass so ein Projekt „blaue Bibliothek“ einen gut und gern ein ganzes Leben begleiten kann. Hast mich ordentlich angefixt, liebe Elisablau. Auch dir ein schönes Wochenende!

  5. An den Steilküsten kann man ganz besonders gut beobachten, welche Kraft die Elemente haben und wie sich die Erde langsam aber stetig verändert. Vor einem solchen Panorama fühle ich mich immer ganz klein und gleichzeitig fasziniert von diesen Vorgängen, die es lange vor uns Menschen gab und wahrscheinlich auch noch lange nach uns geben wird. Ich schicke Dir himmelblaue Grüße, Peggy

    • Das geht mir ganz ähnlich, Peggy – an Steilküsten und auch auf manchen Inseln. An der Südspitze von Sylt zum Beispiel ist der Veränderungsprozess sehr augenfällig. Vielleicht sollte man einfach viel mehr (Biologie- oder Erdkunde-)Unterricht im Freien abhalten? Die himmelblauen Grüße nehme ich gern, kann aber heute leider nur ziemlich graue zurücksenden. 😉

      • Naturwissenschaften mehr im Freien zu unterrichten halte ich für eine hervorragende Idee! Aber da im deutschen Bildungssystem so viel über Strukturen diskutiert wird, ob nun ein 12-Klassen-Abitur besser ist oder eins nach 13 Klassen oder wann der beste Zeitpunkt ist, mit Zensuren zu beginnen – alles Fragen, auf die es meiner Meinung nach keine richtige oder falsche Antwort gibt – bleiben wahrscheinlich keine Kapazitäten mehr übrig, um über Inhalte oder Lernmethoden nachzudenken.

      • Hach, uns sollten sie mal machen lassen! 😉 Ich würde den naturwissenschaftlichen Unterricht im Freien dann übrigens gern ergänzen wollen um Museumsbesuche in der Art, wie du sie mit dem Kleinen Entdecker machst. Stell dir nur mal vor: Marie Curie zusammen mit dem Physik-, dem Chemie- und dem Philosphielehrer…

    • Dann nichts wie los! Ich vermute, die Lust am Türme-Bauen ist irgendwo tief in unseren Genen verankert. Erst hantieren wir mit Klötzchen, später vielleicht mit Steinen. Ich kann vor allem kaum an Kieselsteinen vorbei gehen, ohne Augenmaß und Fingerfertigkeit wenigstens auf eine kleine Probe zu stellen. Ob das Türmchen am Brodtener Ufer wohl die Winterstürme übersteht?

      • Ich hoffe, dass es die Winterstürme übersteht, weil es bestimmt auch anderen Menschen so etwas ganz Besonderes ins Herzchen zaubert. Ein Steintürmchen bauen steht jetzt auf meiner Löffelliste 😉

  6. Pingback: Helden (23. Oktober 2017) – Elisabeth Lindau

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