Sail on silver girl

Die Kraft und die Ruhe der Dinge, die endlos zu währen scheinen, weil sie ihren Weg zum Nichts sanft, ohne Lärm, ohne Empörung, ohne Unruhe vollenden, weil sie dem unvermeidlichen Tod ohne einen Schauer entgegengehen.

Aus: Isabelle Eberhardt „Sandmeere“

Als du gingst, wurde der Mond noch ein wenig dünner. Wie eine Wiege stand die Sichel am Firmament. Keine Bewegung, kein Geräusch störte die Nacht.

Die Stille über der Wüste ist vollkommen. Myriaden funkelnder Sterne wölben sich zu einem Zelt aus Brillanten. Schlaflos liege ich unter der Milchstraße. Allein. Eins mit allem. Sterne fallen. Für einen Moment bist auch du ganz nah. Du, die immer da war, wenn auch zuletzt immer weniger.

Wie die Sterne, die allmählich fahler werden. Bis sie für das Auge kaum noch zu erkennen sind und schließlich ganz verblassen. Ein neuer Tag ist angebrochen. Kraftvoll blauorange kündigte er sich an, noch kalt von der Nacht, verschwamm in allerlei Rosatönen sodann, bis gleißendes Licht sich über das Meer aus Dünen ergoß. So strahlend, so schön, dass ich mich erinnerte:

 Und Wiesen gibt es noch / und Bäume und / Sonnenuntergänge / und / Meer / und Sterne / und das Wort / das Lied / und Menschen / und

Rose Ausländer

… und Sonnenaufgänge über der Wüste. Vieles kann einer dem anderen abnehmen. Sterben gehört nicht dazu. Adieu, liebste M., hab Dank für alles, was du mir warst und bleiben wirst, solange ich lebe!

18 Kommentare zu “Sail on silver girl

  1. Liebe Maren, sehr schön und eindringlich sind deine Worte und deine Bilder über das Leben, den Tod und deine Trauer.
    Sei herzlich gegrüßt aus dem verschneiten Allgäu. (Eigentlich hatte W. vor, heute wieder in die Pizzahütte zu laden.)
    Holger

  2. Liebe Maren, aus Gründen (ich weiss es erst seit ca. 3 Stunden) tun mir deine Worte, deine Bilder, deine Haltung, deine Art zu trauern gerade eben unendlich gut. Ich danke dir. Du bist in meinen Augen eine ganz Feine!
    Ich sende dir mein Mitgefühl,
    liebe Grüsse,
    Ulli

    • Über deine Gründe weiß ich nichts, liebe Ulli, aber ich freue mich sehr, dass mein Beitrag dich im richtigen Moment erreicht hat. Das gilt umso mehr, als es ja immer eine Gratwanderung ist, in die Blogöffentlichkeit persönlichere Töne einfließen zu lassen. Danke von Herzen und dir selbst alles Gute!

  3. Wohl eigentlich kein Beitrag, dem ein „Like“ gerecht werden kann, trotzdem ein Beitrag, der zu Herzen geht und eine ganz starke Facette des Trauerns zeigt.
    Ganz liebe Grüße, Claudia

  4. liebe maren, ein zarter abschied … das lese ich hier heraus. ein sanftes loslassen, in trauer noch und schmerz. hab dank für deine schönen worte und bilder. es tut weh, nicht immer hat man worte in dem moment, ich kenne das. fühl dich feste umarmt, alles liebe und ganz viel kraft.

  5. Es ist doch schön und tröstlich und auch für den gegangenen Menschen sehr ehrend, wenn er in einem verbleibt.
    Ich finde, das gehört zum Schönsten!
    Danke auch für dise anregenden und nachdenklich machenden Worte.

    • Ich empfinde das auch als sehr tröstlich, Gerhard. So erlebt man im Laufe eines Lebens zwar manchen Verlust, aber ein geliebter Mensch ist doch nie ganz fort, solange einer lebt, der ihn gekannt und gespürt hat, der sich an ihn erinnert und von ihm erzählt.

      • Nicht nur an ihn erinnert oder denkt.
        Ich kenne einen durchaus vitalen Menschen, der von einer verlorengegangenen Freundschaft meinte: „Diese Freundschaft ist nicht zu ersetzen“.
        Schön, wenn jemand das so äussern kann.

  6. Liebe Maren, Du schreibst etwas, wofür mir bislang noch die Worte fehlen. Ich danke Dir für diesen berührenden und auch Kraft spendenden Text und nehme Dich gedanklich fest in die Arme. Ganz herzliche Grüße, Peggy

    • So viele Worte hast du in diesem Jahr schon finden müssen, liebe Peggy. Die, die noch fehlen, werden sich schon einstellen. Hab Dank für deine lieben Worte und für deine Umarmung, die ich herzlich erwidere. Meine Gedanken und guten Wünsche begleiten dich.

  7. Liebe Maren, manchmal frage ich mich, wieviele Abschiede wir doch brauchen, um zu erkennen, daß Eins in Allem und Alles Eins ist …
    Ein wundervoller Text … zu Grunde gehen in die tiefe Unendlichkeit eines Herzens …hab Dank für diese Berührung.
    Sei herzlich gegrüßt
    Margarete

    • Das hast du schön gesagt, liebe Margarete: „zu Grunde gehen in die tiefe Unendlichkeit eines Herzens“. Und dort ruhen für alle Zeiten. Mit der Erkenntnis der Verbindung von allem, mit allem, wie immer man das bezeichnen mag… ja, das ist so eine Sache. Ich selbst spüre dieses All-eins immer mal wieder, aber nicht immerzu. Die Wüste ist für mich ein guter Ort dafür. Und mit jedem Abschied von einem geliebten Menschen sind immer auch die anderen geliebten Verstorbenen nah.
      Auch dir einen herzlichen Gruß!

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