Stille. Und. Weite.

Beim Aufräumen stieß sie auf längst vergessene Kinogutscheine. Ein Geschenk des allerbesten guten Freundes, der nun schon so lange fehlte. Die junge Frau an der Kasse lächelte: „Kein Problem. Bei uns verfallen die Gutscheine nicht.“ Als sie den großen Saal betrat, war sie allein. Um sie herum ein Meer aus rotem Samt. Es kamen dann noch vier andere. Schauten sich um. Wählten ruhig und bestimmt ihren Platz. Kein Husten. Kein Rascheln. Kein Popcorn. „Zeit für Stille“. Eineinhalb Stunden lang.

Anderntags tauschte sie einen weiteren vergessenen Gutschein ein. Für Weite dieses Mal: „Die Geschichte von einem Weg um die Welt“. Seltsamerweise fühlte sich das kleine Kino kein bisschen eng an. Dreieinhalb Jahre war das sympathische Paar aus dem Schwarzwald unter-weg-s. Dreieinhalb Jahre Begegnungen mit anderen Menschen und Kulturen. Dreieinhalb Jahre Begegnungen mit sich selbst und der eigenen Herkunft.

Während sie durch die gar nicht stille regennasse Stadt nach Hause stapfte, dachte sie an eigene Wege, an eigene Begegnungen in der Welt. Dachte an den allerbesten guten Freund. Und an den alten Kämpfer und die alte Königin in ihrem Exil, die immer da gewesen waren, wenn auch zuletzt immer weniger. In letzter Zeit hatte sie nicht oft das Gefühl, dass alles gut war, wie es war. Für einen Moment war so ein Moment.

14 Kommentare zu “Stille. Und. Weite.

  1. Weite steht auch noch auf meinem „Will-ich-sehen-Zettel!
    Liebe Maren, das ist einer der so persönlichen Geschichten in denen ich meine dich zu spüren (und ich mich). Danke.
    Herzensgrüße für und an dich, Ulli

    • Da kennt man, weiß man gar nicht wirklich – und meint doch zu spüren. Schön ist das. Und „Weit“ wird dir gefallen, liebe Ulli. Da bin ich (gespürt) ziemlich sicher. 😉 Auch in die Mongolei geht die Reise.

      • Liebe Maren, gestern Abend habe ich nun „Weit“ angeschaut und habe auch an dich gedacht, was für ein wunderbarer Film, allein der Satz: Sommer ist dann, wenn der Schnee ncht liegen bleibt…
        und dann diese wunderbaren Bilder, ja, gerade aus der Mongolei und aus Sibirien, mein Fernweh ist hellwach und nun überlege ich, ob ich nicht vielleicht doch noch russisch lerne, wenigstens rudimentär, ich glaube, dass dies eine solche Reise einfacher macht!
        herzliche Grüße, Ulli

      • Du, das habe ich auch gedacht, als ich die junge Frau in dem Film so munter Russisch plaudern sah und hörte… 😉 Schön, dass der Film dein Fernweh befeuert hat, liebe Ulli!

  2. „In letzter Zeit hatte sie nicht oft das Gefühl, dass alles gut war, wie es war. “
    Solch eine Wertung, solch ein Empfinden hatte ich schon lange nicht mehr. Das Zurücktretenkönnen hinter der eigenen Existenz, das ist mir fremd geworden.

    • Nun habe ich deinen Kommentar ein paar Mal gelesen – und versteh ihn immer noch nicht. Aber das darf ja auch sein. – Meine Erfahrung deckt sich stark mit Kierkegaards Erkenntnis: „Verstehen kann man das Leben rückwärts; leben muss man es aber vorwärts.“

  3. Das Zurücktreten, das Beobachten der eigenen Existenz und deren Wirkung von einer Warte aus, das erlebe ich eher selten. Ich würde gerne mehr über mein Leben nachsinnen und ein Gesamtgefühl daraus entwickeln. Sozusagen die großen Linien und Themen spüren und mich einordnen ins Ganze.

    Aber vielleicht hilft das auch nicht weiter. Das wäre zwar schade, aber so ist es nun mal mit dem Schreiben.

    • Wenn dein Wunsch, an roten Fäden zu ziehen und über Lebensthemen „nachzusinnen“, groß genug geworden ist, wird es schon zu all dem kommen. Vermute ich. Und wenn nicht, ist es vermutlich auch in Ordnung so. 🙂
      P.S. Schreiben halte ich tatsächlich für eine gute Möglichkeit, Klarheit zu gewinnen.

  4. Momente kommen und gehen, liebe Maren, aber sie sagen auch viel darüber aus, wo im Leben man sich gerade befindet. Wann immer ich Momente erlebt habe, wie Du sie hier so eindringlich beschreibst, erkannte ich, dass es Zeit für eine Veränderung war – nach vorne leben, auch wenn es nicht immer einfach ist. Herzliche Grüße, Peggy

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