Korrespondenzen

„Lost in Time like Tears in Rain“ – was für ein Titel! Auf die Suche nach der verlorenen Zeit begab sich jüngst die Baseler Fondation Beyeler mit einem Streifzug durch die moderne Kunst. Die Sammelausstellung aus Leihgaben und eigenen Neuerwerbungen läuft leider schon nicht mehr. Man sehe mir bitte nach, dass ich erst jetzt davon erzähle, ich bin ein wenig trödelig mit dem Bloggen in diesem Sommer. Allerdings geht es mir heute auch weniger um eine Auseinandersetzung mit konkreten Kunstwerken als um Korrespondenzen.

Immer wieder freue ich mich darüber, wie sehr Ausstellungsräume und Ausgestelltes bisweilen miteinander sprechen. So wie das Blumentriptychon von Rudolf Stingel mit dem ebenfalls unterteilten Ausblick auf den Park der Fondation Beyeler. Klar, das haben sich die Ausstellungsmacher genau so gedacht. Aber schön ist es doch.

Wie aber kann es sein, dass auch Ausstellungsbesucher geradezu dafür geschaffen zu sein scheinen, vor bestimmten Exponaten zu verweilen? Die Frau mit der orangefarbenen Hose und dem blauen Handy vor Andy Warhols (beinahe) gleichfarbigen Blumen zum Beispiel?

Die Frau mit den raspelkurzen Haaren vor der gleichmäßig schraffierten grauen Fläche (Stingel)?

Oder die Frau im Trench vor dem Gespenst (Stingel)?

Die Ausstellung von Rudolf Stingel (im Hintergrund im Bett liegend abgebildet), ist übrigens noch bis zum 6. Oktober zu sehen. Auch in seinen Werken geht es um Spuren der Zeit. An einigen Stellen sind die Besucher dazu aufgerufen, eigene zu hinterlassen.

11 Kommentare zu “Korrespondenzen

  1. interessant, welche klamotten die leute tragen. 🙂
    die ausstellung aber auch. 🙂 sag, ist das erlaubt, fotos von ausstellungen zu posten? ich bin da stets unsicher. vielleicht weißt du ja mehr.
    liebe grüße und danke fürs posten. du hast schön fotografiert. besonders gefällt mir das orange-orange bild. hose und blüte korrespondieren miteinander.

    • Liebe Wolkenbeobachterin, ich habe in den Kommentaren zu einem Ausstellungsbesuch in Berlin, über den ich vor ein paar Monaten berichtet hatte (https://orteundmenschen.wordpress.com/2019/04/23/lichtraeume/#comments), schon einmal ausführlich auf eine sehr ähnliche Frage von Stephanie Jaeckel geantwortet, die ich der Einfachheit halber hier hineinkopiere:
      „Ich entscheide relativ intuitiv, was ich aus einem Museum zeige. Die Räumlichkeiten finde ich grundsätzlich unproblematisch. Wenig Bauchschmerzen habe ich auch bei aktuellen Ausstellungen, die ja Teil des Zeitgeschehens sind. Ohnehin fotografiere ich selten das ‚blanke‘ Exponat sondern setze es in Bezug zu seiner Umgebung, schaffe also – wenn man so will – ein neues eigenes Werk. Schwieriger finde ich den Umgang mit den Bildrechten anderer Ausstellungsbesucher, soweit sie erkennbar sind. In aller Offenheit: Nein, ich frage nicht bei jedem solchen Foto, aber ich lasse mich immer davon leiten, Menschen nicht ‚vorzuführen‘. Das mag rechtlich ‚dünn‘ sein, aber praktisch finde ich das sehr hilfreich.“
      Das Gespräch ging dann noch ein bisschen weiter…
      Freut mich, dass dir die hier gezeigten Bilder gefallen haben!

    • Danke, liebe Gerda, ich teile deine Begeisterung für die Räume der Fondation Beyeler – ebenso wie für den großartigen Giacometti. Während meines Besuchs in Riehen fesselte sein „Schreitender Mann im Regen“ meine Aufmerksamkeit.

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