Von Wegen und Wörtern

„Die früheste Form des Weges ist der Trampelpfad. Ein Pfad ist seinem Wesen nach nicht planvoll angelegt, sondern das Resultat regelmäßiger Verwendung: Wege zeichnen also einerseits mögliche Routen vor – und andererseits verdanken sie ihre Existenz der Tatsache, dass sie beschritten und instand gehalten werden. Darin ähneln sie der Sprache, die ebenfalls gangbare Äußerungs- und Denkmöglichkeiten vorzeichnet, dabei aber auf kontinuierlichen Gebrauch angewiesen ist. Wege wie Wörter sind ständigem Wandel unterworfen: Ihre Zielrichtung kann sich ändern, sie können sich verengen oder verbreitern – und wenn sie nicht mehr verwendet werden, verschwinden sie allmählich und geraten schließlich in Vergessenheit.“

Aus: Florian Werner „Auf Wanderschaft. Ein Streifzug durch Natur und Sprache“, Berlin 2019

2 Kommentare zu “Von Wegen und Wörtern

  1. ein zitat, das mich sehr anspricht!
    danke, liebe maren! ❤

    (die "intuitiv" durch gebrauch entstandenen pfade sind optimal dem bedarf derer, die sie benutzen, wie auch den landschaftlichen bedingungen angepasste wege …)

    • Wie schön, dass dich das Zitat auch so anspricht, liebe Pega. Mir hat deine Klammerbemerkung viele Pfade vor das geistige Auge gezaubert. Solche, deren Verlauf sich dem (heutigen) Benutzer unmittelbar erschließt, und andere, die geheimen Plänen zu folgen scheinen… Ich stelle mir immer gern vor, wessen Füße dort schon gegangen sind.

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