Spaziergang am Meer

Der Himmel leuchtet aus dem Meer;
ich geh und leuchte still wie er.

Und viele Menschen gehn wie ich,
sie leuchten alle still für sich.

Zuweilen scheint nur Licht zu gehn
und durch die Stille hinzuwehn.

Ein Lüftchen haucht den Strand entlang:
o wundervoller Müßiggang.

Richard Dehmel: Klarer Tag

Wir gehen am Meer im tiefen Sand,
Die Schritte schwer und Hand in Hand.
Das Meer geht ungeheuer mit,
Wir werden kleiner mit jedem Schritt.
Wir werden endlich winzig klein
Und treten in eine Muschel ein.
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn,
Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.

Max Dauthendey: Wir gehen am Meer im tiefen Sand

So groß ist die Sehnsucht nach Weite, mag einem der unendliche Himmel getrost auf den Kopf fallen.

… und nichts mehr wollen wollen
nur Meer

nur Meer

Erich Fried: Meer (Auszug)

Die Fotos habe ich von einem Ausflug an die Nordsee mitgebracht. Über zwölf Kilometer lang und bei Ebbe bis zu zwei Kilometer breit ist der Strand von St. Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt. Wer lange genug geht, hat die herrliche Landschaft eine Weile ganz für sich.

17 Kommentare zu “Spaziergang am Meer

    • Danke, liebe Anna. Ich freue mich sehr, wenn die Bilder und Texte dieses spezielle SPO-Gefühl transportieren, das sich zuverlässig einstellt, wenn man den Ort und die Strandzugänge erst einmal hinter sich gelassen hat. Ganz besonders, wenn man Richtung Süden geht, bis es nicht mehr weiter geht. Nie tat die Weite so gut wie jetzt.

    • Das Dehmel-Gedicht scheint mir mit dem „still für sich“ gut in die Zeit zu passen. Wenn du St. Peter-Ording noch nicht kennst: Der weite Strand ist wirklich eine Reise wert, auch im nächsten Jahr. 😉 Aber jetzt komm erst mal gut in die neue Woche!

  1. Mir geht es gerade wie Anna. Gut tut das! Danke, liebe Maren für einen Moment der Unaufgeregtheit, Stille und Tiefe in Worten und Bildern.
    Herzlichst, Ulli

  2. Traumhafte Bilder und Texte zeigst du uns. Das weckt die Sehnsucht nach Meer, die im Moment von hier aus nicht zu stillen ist. Schade. Aber ich freue mich umso mehr an deinen Impressionen.
    Lieben Sonntagsgruss,
    Brigitte

  3. Meine Lieblingsecke. Ich bekomme sofort „Seeweh“, wenn ich deine Bilder sehe 😁👍
    Schöne Kombination mit den Gedichten, danke dir sehr! ❤️
    Morgenkaffeegruß 😁🌧️☕🥐👍

    • Danke schön! Ich war schon eine ganze Weile nicht mehr in deiner Lieblingsecke gewesen, Christiane – und kann mir gar nicht erklären, warum. So weit ist es ja nicht, schon gar nicht in Relation zu dem, was eine(n) dort erwartet. Aber davon brauche ich dir ja nichts weiter vorzuschwärmen. 😉

  4. Liebe Maren,
    fast rieche ich das Meer, fast spüre ich den Wind im Gesicht, wenn ich deine Fotos sehe – und die Gedichte dazu lese. Ein paar Mal sind wir auch im Herbts nach SPO gefahren, bis die Berge dann noch mehr lockten. Aber die Weite dort am Strand ist einfach einmalig. Dem Blick kann auch der tief hängende Himmel nichts anhaben.
    Viele Grüße, Claudia

    • Die Berge sind natürlich eine harte Konkurrenz, liebe Claudia. Wie ich in einem Kommentar weiter oben schon schrieb, fehlen mir die allmählich sehr. Aber vielleicht machen wir es einfach vorübergehend so: Die eine läuft ein bisschen für die andere mit… Liebe Grüße!

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