Fokus des Tages

Man sollte, sagte er, alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.

Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre

Okay, hier ist sie, meine Auswahl für diesen schon fortgeschrittenen Tag:

Das Lied, das in Wahrheit kein bisschen klein ist, singt und spielt die korsische Band I Muvrini. Es heißt Oghje sì tù“ (Aujourd‘hui c‘est toi“) und erzählt davon, wie alle Wege des Lebens an diesen Ort zurückführen, für einen Abend…

Die Musik hat mich zu Hilde Domin geführt und zu ihrem Gedicht „Nur eine Rose als Stütze“. Du kannst dir diese Perle der Lyrik von Dagmar Manzel vorlesen lassen und dazu zarten Klavierklängen lauschen und ebenso zarten Bildern folgen. Es schadet sicher nicht, mehr als ein Lied am Tag zu hören.

Das treffliche Gemälde eingangs dieses Beitrags heißt „Paar, die Köpfe voller Wolken“ und ist von Salvador Dalí (Öl auf Holz). Ich habe es vor ein paar Jahren in einer Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle fotografiert.

Last but not least: Die vernünftigen Worte des Tages spricht – für mich und vielleicht ja auch für dich – Robert Musil in „Der Mann ohne Eigenschaften“:

Es ist die Wirklichkeit, welche die Möglichkeiten weckt.

10 Kommentare zu “Fokus des Tages

  1. Liebe Maren, ich lausche gerade den korsischen Klängen und denke, dass jeder Abend, jede Nacht immer auch ein kleines Sterben ist und der Morgen eine kleine Wiedergeburt, das würdigen „wir“ manchmal vielleicht viel zu wenig.
    Seit Wochen stolpere ich über Musils Mann ohne Eigenschaften, herrjeh und ich habe ihn immer noch nicht gelesen, bald, bald, verspreche ich mir gerade. Wie Ule heute so schön bei mir kommentierte, alle diese Bücher und so viele, die nachwachsen … aber ich werde ja jetzt Mitglied in der Stadtbücherei 😉
    Und gleich lausche ich dann noch Hilde Domin, die neben Rose Ausländer zu meinen Lieblinslyrikerinnen dieser Generation gehört, plus Eva Strittmatter, die ich in diesem Jahr mal intensiver studierte.
    Herzensgrüße an dich und Herzensdank, Ulli

    • Liebe Ulli, was du über den Abend und die Nacht schreibst, stimmt natürlich, und es ist schön, dass du daran erinnerst. Das Sterben und, wenn es gut läuft, auch das Wiedergeborenwerden kann man ja gar nicht oft genug üben. In dem korsischen Lied geht es, wenn ich die französische Übersetzung richtig verstanden habe, allerdings um ein etwas anderes Abend-Gefühl: Da kehrt einer nach langer Reise zurück, kommt für einen Abend zur Ruhe, alle Wünsche und Hoffnungen schweigen für eine Nacht: C’est toi aujourd’hui – du bist es heute. In der Liebe zur Poesie von Rose Ausländer und Hilde Domin und, ja, mit etwas Abstand zu den beiden anderen, auch Eva Strittmatter sind wir uns unbedingt einig. Herzliche Grüße in diesen Abend, in diese Nacht!

  2. Pingback: Weihnachtsfokus | Von Orten und Menschen

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