Jetzt einen Tag mehr

Wie müde ich bin, merkte ich erst unterwegs. Ich merkte es vor allem daran, wie wenig ich sah. Die Landschaft war durchaus hübsch, aber sie ordnete sich nicht wie sonst, sie drang nicht durch durch diesen zähen Schleier aus Pandemie, aus kleinen Blasen und immer tieferen Gräben, aus Sintflut und apokalyptischem Feuer. Schon so lang… Und nun auch noch Afghanistan… ach, es ist eine Schande! – Normalerweise reicht mir ein Tag in der Natur, um den unruhigen erschöpften Geist zu erden und wiederzubeleben, um die Verbindung zu spüren, die ja immer da ist, auch wenn man sie gerade nicht wahrnimmt. Inzwischen sind es wohl besser zwei.

Am zweiten Tag dräute der Himmel immer noch, aber er fiel mir nicht mehr auf den Kopf.

Stattdessen erzählten die Bäume von Zuneigung und das Rind auf der Weide von Ruhe und Kraft.

Manche Wege führten gut geschützt und licht geradeaus, andere scheinbar im Kreis und wieder andere ins Dickicht, ganz wie im wahren Leben.

Ich erfuhr, dass es mitten im Brachland Kultur gibt, sogar mit Beleuchtung, und schmunzelte über das Bedürfnis mancher Menschen, eine Idylle noch ein bisschen idyllischer zu machen.

Und während die Füße Kilometer um Kilometer dem Lauf der Schwentine und dem sanften Rollen der Hügel durch die Holsteinische Schweiz folgten, wurde ganz allmählich auch der Blick wieder weicher und weiter.

Die Fotos entstanden auf dem Fernwanderwegs E 1 zwischen Kiel und Plön.

20 Kommentare zu “Jetzt einen Tag mehr

  1. Es ist einfach grossartig, was eine ausgiebige Wanderung durch intakte Natur in einem bewirken kann.
    Deine grandiosen Bilder und der schöne Erlebnisbericht begeistern mich.
    Herzlichen Dank für die Text- und Fotostrecke und liebe Grüsse ins Wochenende,
    Brigitte

  2. Dem E1 bin ich in den Harburger Bergen auch schon begegnet … Neues Projekt? E1 Norddeutschland? 😉
    („Zäher Schleier“ trifft es übrigens überaus gut, so geht es mir auch … 😏)
    Abendgrüße 😁🍷🥨🧀🌼👍

    • Neues Projekt wäre übertrieben, Christiane. Den Heidschnuckenweg, der zwischen Hamburg und Celle ja weitgehend dem E1 folgt, bin ich vor ein paar Jahren schon mal gelaufen. Und jetzt fülle ich hier und da eine Lücke zwischen Flensburg und Hamburg oder auch südlich der Heide, bis es hoffentlich irgendwann mal wieder in exotischere Regionen geht. 😉 Einen herzlichen Gruß über den Fluß!

  3. Wunderbarer Text mit fein passenden Bildern, liebe Maren. Deine Post gefällt uns sehr gut.
    Hab herzlichen Dank fürs Teilen.
    Auch wir lieben solche Fernwanderwege und einer, the Coastpath, führt direkt an unserem Haus vorbei. Hier werden die alten Wanderwege sehr gepflegt und auch freudig genutzt. Wir wanderten auch einst eine Woche lang den Coastpath and the Pedder’s Way entlang.
    Alles Gute und eine tolle kommende Woche
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

    • Soll ich dir was sagen, Klausbernd: An Tag 2 meiner Wanderung wähnte ich mich beinah in merry old England, so viele private Viehweiden hatte ich zu queren. Und sollte ich irgendwann mal auf dem Coastpath unterwegs sein, werde ich nicht versäumen, bei euch zu klingeln. 😉
      Herzliche Grüße von Naturfreundin an Naturfreunde!

  4. Mir fällt aus auch immer schwerer, den Kopf und den Geist von den ganzen Ereignissen und Meldungen dieser Tage zu befreien. Gut, dass du dir zwei Tage Zeit genommen hast und wunderbare Bilder in Text und Fotos mitgebracht hast. Danke für deine Gedanken und liebe Grüße, Andrea

  5. Wie schön! Mit Plön habe ich damals gehadert, Kiel ist mir ans Herz gewachsen. Und die Landschaft mit ihren Hügeln – wie blöd fand ich damals dieses ganze Auf und Ab, und wie sehr vermisse ich das heute, dann und wann!

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