Waren zwei Königskinder…

Es waren ein Mann und `ne Frau,
die saßen tagein und tagaus
ohne sich je nahe zu kommen
ein jeder vor seinem Haus.

Ach Nachbar, liebtest du Bücher,
gleich käm ich herüber zu dir!
So aber schwören nur Dichter
die ewige Liebe mir.

Die zwei „Königskinder“, die nur darauf zu warten scheinen, dass der bzw. die andere den ersten Schritt tut, und das wohl schon eine ganze Weile, begegneten mir in der Altstadt von Templin in der Uckermark.

Dableibsel

Auf dem kleinen Rastplatz im Wald steht eine überdachte Rundbank. Auf der Bank ein silberfarbenes Tablett mit einer rubinroten Glaskaraffe und zwei dazu passenden Gläsern. Ein Stück entfernt ein drittes Glas, orangerot und kleingemusterter als das Trio auf dem Tablett. Die Karaffe und die Gläser sind leer und vollkommen trocken. Auf dem aufgespannten blauen Müllbeutel neben der Bank ruht ein schwarzer Filzhut. Der Hut ist von einer dünnen Staubschicht bedeckt. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Unwillkürlich beginne ich mir auszumalen, wer all die Dinge zurückließ, als er oder sie diesen Ort verließ. Ein Paar vielleicht, das auf etwas Besonderes anstoßen wollte? Er hatte den Hut abgenommen, weil ihm irgendwie feierlich zumute war. Vielleicht war ihm auch einfach nur heiß. Am spannendsten finde ich das dritte Glas ein wenig abseits. Ich stelle mir vor, dass es für eine Person aufgestellt wurde, die gar nicht anwesend war, aber doch irgendwie dazu gehörte. Aber warum blieben die Dinge zurück, wenn sie doch einen so wichtigen Moment bezeugen?

It takes two to tango

Es war einmal ein Hemd – ohne WASDRIN. Und es war ein WASDRIN ohne Hemd. Wie soll das weitergehen? Eigentlich müssten sich die beiden finden. Das Hemd wartete geduldig, und das WASDRIN war auf der Suche. Mal kamen sie sich näher, mal entfernten sie sich voneinander. Eines Tages kamen sie sich sehr nahe. Das WASDRIN stand vor einem Hemdenregal. Genau dort war das Hemd. Es war aufgeregt. Nimm mich, nimm mich. Das WASDRIN muss das verstanden haben. Sie taten sich für alle Zeiten zusammen.

Jürgen Spohn: Mit und ohne

Die Begegnung des WASDRIN und des Hemdes habe ich der Sammlung von Ganzkurzgeschichten und Wünschelbildern des Grafikers und Kinderbuchautors Jürgen Spohn entnommen, die 1982 unter dem programmatischen Titel „Ach so“ veröffentlicht wurde. Mein Kiez im Norden Hamburgs scheint ja eher ein Eldorado für Schuh-WASDRINNE zu sein. Erst vor wenigen Monaten erblickte ich vor meinem Fitnessstudio ein verwaistes Trio, schon ruft es gleich um die Ecke: Komm, tanz mit mir. Dance me to the end of love…

Gute Vorsätze

Und wenn das nicht reicht, bleibt wohl nichts, als sich in das Getümmel zu stürzen, das früher einmal Winterschlussverkauf hieß, und neue passende Hosen und Jacken zu erstehen… Die launige Schaufensterwerbung zum Thema Vornehmen und Umsetzen begegnete mir in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs. Ich selbst halte es schon einige Jahre mit dem Schriftsteller Fritz Reuter (1810 – 1874):  „Nimm Di nicks vör, denn sleiht Di nicks fehl!“ Muss ich nicht übersetzen, oder? Ein schönes Wochenende – ob mit oder ohne Kekse!

Wär doch gelacht!

Zum Bloggen respektive Bloglesen finde ich gerade nicht so richtig Zeit. Ein paar Sätze, die mich in den vergangenen Tagen zum Lachen brachten, möchte ich immerhin mit dir teilen:

Den kleinen Comic über das Fremdgehen brachte Freundin K. von einem Ausflug in die Bundeshauptstadt mit – leider ohne den Namen der KünstlerIn. Falls jemandem die Zeichnung oder dieser ganz eigene Sound bekannt vorkommt: Ich freue mich über Hinweise.

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Freundin G. ist auf der Suche nach Mr. Right – und gerade ein bisschen müde ob der Selbstüberschätzung manches in Augenschein genommenen Kandidaten. „Hach“, stoßseufzte sie, die liebend gern durch die Natur streift, jüngst, „was wär das schön, wenn er beim Anblick einer Schlange nicht gleich tot umfällt!“

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Nach langem Kramen und noch längerem Posieren vor dem Spiegel in der Taschenabteilung des Kaufhauses entscheide ich mich für einen wunderschönen schwarzen Lederrucksack. „Den haben wir auch in vegan“, sagt die freundliche Verkäuferin.

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Auf der langen Geraden im Stadtpark rollt mir (und einer Handvoll weiterer Reformationsnachmittagsspaziergänger) ein neongrüner Gummiball entgegen. Nicht kullerig-unentschieden sondern mit ordentlich Schmackes. Ich kann gerade noch zur Seite springen. „Yeah!“ rufen die Frauen vielleicht zwanzig Meter weiter und klatschen in die Hände. „Entschuldigung!“ schickt eine noch hinterher. Wenn der Ball kein Ball sondern eine kleine harte Kugel wäre, würde ich sagen, die Damen boßeln gerade. „Genau“, nickt die, die sich soeben entschuldigt hat. „Wenn Passanten getroffen werden“, ruft sie, schon im Weitergehen, „gibt es Strafpunkte!“ (Falls dir der norddeutsche Volkssport des Boßelns unbekannt ist, kannst du hier nachlesen.)

Einen guten Start in den November und bis bald!

Ich sehe Katzen…

Nicht so, wie andere Leute weiße Mäuse, nein, nein. Aber in letzter Zeit doch ziemlich oft und manchmal auch eine ganze Menge.

Neulich in Flensburg zum Beispiel. Kein Lichtstrahl schaffte es durch die einheitsgraue Wolkendecke, aus der pausenlos nur leicht angefrorener Schnee graupelte. Keinen Hund würde man bei so einem Wetter vor die Tür jagen. Aber Katzen brauchen es offenbar nicht so „hyggelig“, um mit den Experten in Sachen Gemütlichkeit von der anderen Seite der Grenze zu sprechen.

Mindestens zehn Samtpfoten (genauer: deren Träger) zählte ich allein in der Norderstraße. Die ist eigentlich nicht für ihre Katzen sondern für ihren Reichtum an ausgelatschten Schuhen bekannt, die an Drähten über den Häuptern der Passanten baumeln.

Olle Sneakers über die Straße zu schleudern, bis sie hängen bleiben, ist in der Flensburger Innenstadt Kult. Angefangen hat der Spaß einst nach feuchtfröhlichen Disco-Nächten. Die Disco gibt es längst nicht mehr, das Event ist geblieben.

Und jetzt ziehen (respektive streifen) auch noch Katzen um die Häuser. In Durchgängen, an Hausecken, auf Treppen drücken sie sich herum und lassen nicht nur Kinderherzen höher schlagen. Immer mal wieder setzt „N.M.“ ein neues Kätzchen aus, vermeldet der Flensburger Straßenfunk – mit Vorliebe nachts, wenn alles schläft…

Gedankenverloren

Gesunken ist Selenna, / sind die Plejaden. Mitter- / nacht, vorüber die Stunde. / Und ich schlafe allein.

Aus: Sappho „Und ich schlafe allein“, neu übersetzt von Albert von Schirnding, München 2013

Mit diesen wunderbar rhythmischen Zeilen der vielleicht bekanntesten Dichterin des Altertums ziehe ich mich in eine kleine Blogpause zurück. Bis bald, lasst es euch gut gehen!