Der lachende Alte

Kennst du Ernst Barlachs „Lachende Alte“? Ich sehe sie vor mir, wie sie auf den Unterschenkeln hockt, wie ihre Hände die Knie umfassen. Den Kopf hat sie weit in den Nacken gelegt. Sie lacht und lacht. Hemmungslos. Man meint zu sehen, wie sie schaukelt, wie die Tränen aus ihren Augen spritzen. Ich liebe diese Plastik des Künstlers Ernst Barlach, seit ich sie vor vielen Jahren zum ersten Mal sah. Als er sie schuf, gab es weiß Gott nichts zu lachen. Du findest einen Bronzeguss von 1938 im Ernst-Barlach-Haus im Hamburger Jenischpark. Erst jetzt habe ich entdeckt, dass in dem Landschaftsgarten an der Elbe auch ein lachender Alter wohnt.

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Abend will es werden

Nun geht der Tag zu Ende,
Schon schweigen die vier Wände,
Zum Schatten wird der Baum.
Lass in die Nacht uns münden
Und Herz zum Herzen finden.
Auf blassen Segeln schwimmt ein Traum.

Aus: Mascha Kaléko „Lied zur Nacht“

Picknick mit Queen

Seit Tagen liegt unverkennbar Herbst in der Luft. Aber gestern warf der Sommer noch einmal den Turbo an. Ein Tag zum Helden-Zeugen, wie meine Großmutter zu sagen pflegte. Kurz entschlossen bestiegen die Freundin und ich (und noch zwei, drei andere) nach Feierabend die Fähre Richtung Elbstrand.

Andere müssen für vergleichbare Ausblicke deutlich längere Wege zurücklegen. Dafür haben sie vermutlich mehr Platz an Bord – wie die Passagiere der Queen Mary 2, die an allerlei Picknickdecken vorbei in den Sonnenuntergang schipperte.

Jaha, ein bisschen schneller als ein Hamburger Jung ist so ein Kreuzfahrer auch… Aber wer ist schon in Eile an einem Abend wie diesem?

Hanseaten, frühlingskess

Frühling in Hamburg ist, wenn es Mensch und Menschin zum Sonnenbaden und Kuscheln ans Wasser zieht, mag auch die eine noch Pelzstiefel tragen, während der andere schon die Zehen ins Gras streckt.

… wenn Kostüme und Mäntel in Hanseatisch-Blau leuchtenden Farben und Mustern weichen – immer noch fein abgestimmt natürlich.

… wenn lässig neue maritime Sportarten kreiert werden. Paddeln im Stehen war in der vorigen Saison, jetzt sitzt Mann wieder.

Aufruf zum Müßiggang

Der verständige Müßiggänger lehnt es ab, sich mit Betriebsamkeit zu betäuben, da er es durchaus bei sich selbst aushält. Pascals Bemerkung, daß „alle Leiden des Menschen daher kommen, daß er nicht ruhig in seinem Zimmer sitzen kann“, trifft auf ihn nicht zu. Er kann lange ruhig sitzen, und er kann staunen. Und vielleicht ist dies das überzeugende Geschenk des Müßiggangs: die Gelegenheit zum Staunen, die uns gewährt wird. Wer aber staunt, wer sich selbst aus bescheidenem Anlaß wundert, der beginnt unweigerlich zu fragen, und wer Fragen stellt, wird zu Schlußfolgerungen gelangen: Der Müßiggang wird zu einem aufregenden Zustand. … Der zerstreuungssüchtige Konsument, der Abnehmer von Kurzweil, wird bei allem verbissenen Fleiß nie in der Lage sein, Kultur hervorzubringen, da ihm das sublime Nichtstun unbekannt ist. Kultur entsteht immer nur im produktiven Müßiggang, in großen Augenblicken schöpferischer Faulheit. 

Aus: Siegfried Lenz „Müßiggang oder das aktive Nichtstun“

Siegfried Lenz‘ Ode an den Müßiggang, die zuerst in der ZEIT vom 30. März 1962 veröffentlicht wurde, flatterte mir in diesen Tagen zufällig auf den Bildschirm. Not really new stuff but too good to withhold. Der vollständige Artikel ist auf ZEIT ONLINE nachzulesen.

Und wie die Sonne lachte…

Ich möchte still am Wege stehn
und möcht‘ es Frühling werden sehn,
ich könnt‘ noch immer wie ein Kind
bei jeder kleinen Knospe säumen!
Und klänge in den kahlen Bäumen
ein Vogeltriller… ach, ich könnt‘,
mir einen langen Sommer träumen
voll Klang und Glanz und Sonnenschein
und glücklich sein!

Cäsar Otto Hugo Flaischlen: Ich möchte still am Wege stehn

Der schwäbische Schriftsteller und Journalist Flaischlen (1864 – 1920) war Anfang des 20. Jahrhunderts ein bekannter Lyriker und Mundartdichter. Die Auflagen einiger seiner Werke erreichten weit über hunderttausend Exemplare. Heute ist er in Vergessenheit geraten. Sein Gedicht „Hab Sonne im Herzen“ nach der Melodie „Der Mai ist gekommen“ dürfte vielen allerdings noch bekannt sein.

Harmonie mit Ente

P1140540Die schönste Harmonie entsteht durch Zusammenbringen der Gegensätze.

Sie verstehen nicht, wie das eine auseinanderstrebend ineinanderstrebt, wie gegeneinanderstrebend sich Bogen und Leier verbinden.

Heraklit: Fragmente

Und dass gestern die Welt unterging und sich heute aus den Fluten erhob, als könne sie kein Wässerchen trüben, lässt nicht nur Entenherzen höher schlagen.