Auf den Hund gekommen

„Die Hunde haben mehr Spaß an den Menschen als diese an den Hunden, weil der Mensch offenkundig der Komischere der beiden Kreaturen ist.“ (James Thurber)

Der Sommer war sehr groß. Südlichere Tage gab es auch hier im Norden in Hülle und Fülle. Einmal noch balgten sich Herr und Hund im Gras, dann legten sich herbstliche Schatten auf die Sonnenuhren.

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Zugewandt – abgewandt

Tief in Gedanken oder vielleicht auch ganz ohne sitzt die grauhaarige Frau vor der Bäckerei. Wenn du mit ihr ins Gespräch kommen willst, wendest du dich am besten an ihren Hund. Freundlich, aber bestimmt, einer Vorzimmerdame nicht unähnlich, wacht er an ihrer Seite. Der Mann mit dem Hut ein paar Bänke weiter schaut bald nach links, bald nach rechts. Schwungvoll dreht er sich dem Neuankömmling am Nachbartisch zu, als wollte er sagen: endlich! Kurz hebt der andere den Blick, senkt ihn in den eigenen Schoß sodann. Einer von beiden bräuchte vielleicht einen Hund.

Hamburg – was tust Du?

So blau wie das (Mittel-)Meer, so weiß wie der Tod: Mit einer berührenden Aktion auf dem Hamburger Rathausmarkt forderte die Gruppe „Hamburg – was tust Du?“ gestern Nachmittag den Ersten Bürgermeister auf, Hamburg zu einem „Sicheren Hafen“ zu machen und die Bereitschaft der Stadt zu erklären, zusätzliche Geflüchtete aufzunehmen. So, wie dies zuvor schon Bonn, Düsseldorf, Köln, Berlin, Potsdam, Freiburg, Kiel, Osnabrück und Bremen getan haben.

Schweigend legten sich rund 30 Frauen und Männer in Reihen auf den Boden, auf dem sie zuvor jeweils einen Eimer hellblau gefärbtes Wasser ausgeschüttet hatten. Bewegungslos verharrten sie auf dem Pflaster, während weitere Aktivistinnen einen nach dem anderen mit einem weißen Laken abdeckten und das meerblaue Blut zwischen die Steine sickerte. Dazu verlasen der Schauspieler Peter Franke und die Islamwissenschaftlerin Schirin Fathi Namen, Geschlecht, Alter und Herkunft von Menschen, die auf der Flucht über das Mittelmeer ihr Leben ließen.

Der Protest der Aktionsgruppe richtet sich gegen die Behinderung der Seenotrettung im Mittelmeer. Mit der Bereitschaft, zusätzliche Geflüchtete aufzunehmen, soll ein Signal für Humanität gesetzt werden. Ein offener Brief an den Ersten Bürgermeister der Stadt Hamburg kann zurzeit noch online auf der Seite https://hamburgwastustdu.de unterschrieben werden. In der kommenden Woche soll der Brief übergeben werden.

Challenges

Viele paddelten für den guten Zweck unermüdlich bäuchlings über den schon herbstkühlen See.

Andere hielten ihre Bäuche nicht minder ausdauernd in die noch einmal sommerwarme Luft.

Manch eine(r) mühte sich, irgendwie Ordnung in die Bezugsgruppe zu bringen.

Große Teile der großen Festwiese erholten sich noch immer vom Besuch der Stones.

Und der Preis für die schönste Lady ging an einen Mann. Samstagnachmittag im Hamburger Stadtpark.

Hamburg gibt alles

Verteilt Wasser, bis die eigene Zunge heraushängt.

Massiert unermüdlich müde Waden, auf Wunsch auch vertikal.

Und während die Letzten noch laufen, räumen die Ersten schon wieder auf.

Aber das Beste von allem: Hamburg lässt sich auch von vier Regenschauern pro Stunde nicht davon abhalten, jeden einzelnen Marathoni zu feiern und anzufeuern.

Vagabundenleben

„Und ich war alleingelassen, am lauen Nachmittag, unbekümmert um meine Kleidung und zufrieden in meiner Haut, unvollkommen und ohne Aussicht auf Vervollkommnung. Da schien mir, Lucille würde sich ewig weiter berufen fühlen, mich zu schubsen, schieben, überreden, als könnte sie mir den mangelnden Willen ersetzen, mich in eine geziemende Form zu pressen und durch die weiten Grenzgebiete in jene andere Welt zu gelangen, von der ich den Eindruck hatte, sie könnte niemals mein Ziel sein. Denn mir schien, dass dort nichts von dem zu finden war, was ich verloren hatte oder verlieren könnte…“

Aus: Marilynne Robinson, Haus ohne Halt

Wie Spitzwegs „Armer Poet“ hockte der Mann unter seinem Schirm am Elbufer. Die bloßen Füße im frühlingskalten Sand, brachte er mit ruhigen Bewegungen Wasser in einer Thermoskanne zum Kochen. In meinem Rucksack trug ich Marilynne Robinsons frühen Roman, im Herzen die verstörend-schöne Stimme der jugendlichen Erzählerin Ruthie. Es gibt so Zufälle…

Momente des Innehaltens

„Schönheit ist ja nicht das, worauf sich alle einigen können. Sondern der Moment, in dem jemand nicht anders kann, als innezuhalten.“

Auf diese wunderbaren Sätze der Korrespondentin Andrea Böhm stieß ich in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. Böhm und ihre Kollegin Alice Bota, die normalerweise über die Kriege dieser Welt schreiben, tauschen sich in einem Briefwechsel über die Schönheit aus. Sie sind sich einig, dass Menschen auch in größter Not nicht auf Schönheit verzichten können, ja, dass sie Schönheit brauchen, um zu überleben. Ein sehr berührender Gedankenaustausch, wie ich finde. Die zitierten Sätze habe ich mir angestrichen – und mich an einige meiner Momente des Innehaltens erinnert.

Hanseaten, frühlingskess

Frühling in Hamburg ist, wenn es Mensch und Menschin zum Sonnenbaden und Kuscheln ans Wasser zieht, mag auch die eine noch Pelzstiefel tragen, während der andere schon die Zehen ins Gras streckt.

… wenn Kostüme und Mäntel in Hanseatisch-Blau leuchtenden Farben und Mustern weichen – immer noch fein abgestimmt natürlich.

… wenn lässig neue maritime Sportarten kreiert werden. Paddeln im Stehen war in der vorigen Saison, jetzt sitzt Mann wieder.