1001 Raum

Ich würde sagen, dass Marokko einer Zimmerflucht gleicht, deren Türen sich öffnen, wenn man durch sie hindurchgeht… Jede Tür eröffnet einen anderen Ausblick: auf einen Raum, ein Gesicht, eine Stimme, ein Geheimnis.

Tahar Ben Jelloun

Doch seht und urteilt selbst…

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Der Weg zu Alis Tor

Heute möchte ich euch von einer Gegend erzählen, die hierzulande kaum bekannt ist – und dabei von atemberaubender Schönheit: Mit durchschnittlich nur 200 mm Niederschlag im Jahr ist das Saghro-Gebirge eine der unwirtlichsten Regionen Marokkos. Die Steinwüste erstreckt sich südlich der „Straße der 1000 Kasbahs“ zwischen dem Oasental des Draa im Westen und dem Oasengebiet von Tafilalet im Osten und geht nach Süden in die Kies- und Schotterwüsten der Sahara über.

Das 200 bis 500 Millionen Jahre alte Djebel-Saghro-Massiv fasziniert durch die Klarheit von Formen und Farben: bizarr erodierte Felsen, Steine und Kiesel in Schwarzbraunrot, die auf das Schönste mit dem kristallblauen Himmel kontrastieren. Knorrige Wacholderbäume neigen sich in Windrichtung.

Wir wollen das Massiv zu Fuß durchqueren: über mehrere Zweitausender, vorbei an markanten Felstürmen, durch wilde Schluchten. Ausgangspunkt der viertägigen Trekkingtour ist die Oase Tagdilt am Nordrand des Djebel Saghro. Als wir dort eintreffen, ist unser Begleitteam bereits da: Berber vom Volk der Atta. Die Mulis, die Gepäck und Ausrüstung, Wasser- und Lebensmittelvorräte tragen werden, grasen friedlich im weicher werdenden Licht des späten Nachmittags.

In den tief eingeschnittenen Tälern des Saghro-Gebirges betreiben die Ait Atta bescheidene Landwirtschaft. Auf ihren Feldern gedeihen Weizen, Gerste, Henna, Mandel- und Walnussbäume. Die traditionelle Lebensgrundlage des Nomadenvolks aber ist die Wechselweidewirtschaft. Im Winter weiden sie ihre Ziegen und Schafe in der Sahara südlich der Berge. Im Frühjahr treiben sie die Tiere auf die Hänge des Djebel Saghro. Sind auch die abgeweidet, ziehen sie weiter in den Hohen Atlas, der nach der Schneeschmelze neue Weidegründe bietet.

Die Ait Atta, die sich auf einen gemeinsamen Ahnen Dadda Atta berufen, haben eine lange Geschichte in den Bergregionen des südlichen Marokko. Als die Araber mit der Ausbreitung des Islam ins Land kamen, waren sie und andere Berberstämme längst da. Im 16. Jahrhundert wurden sie zu einer starken politischen Kraft in der Djebel-Saghro-Region. Sie stritten für ihre Unabhängigkeit und widerstanden auch den Franzosen, unter deren Protektorat fast ganz Marokko damals schon seit Jahren stand, bis 1933.

Die Mulis sind beladen, unsere Wanderung kann beginnen. Von der Oase Tagdilt in 1.600 m Höhe folgen wir nach zuerst mäßigem Anstieg einem Serpentinen-Weg hinauf zum Tizi-n-Tazoughat (2.200 m, Tizi = Pass). Die Mittagspause verbringen wir mit Blick auf die Gipfel des Hohen Atlas, die sich wie ein Band entlang dem Dades-Fluss ziehen. Unser Koch, der aus dem Hohen Atlas stammt, zaubert eine herrliche Salatplatte, die wir auf den blauen Schaumgummimatten verspeisen, die uns in den nächsten Tagen als Sitzgelegenheit, als Schlafunterlage und später in der Wüste auch als Reitsattel dienen werden.

Bergan wandern wir nach der Pause zum nächsten Pass, dem Tizi-n-Iferd (2.500 m). Bald wird die Sicht frei auf den höchsten Berg im Saghro-Massiv, den Amalou n’Mansour (2.712 m). Aber für uns geht es jetzt bergab zu unserem ersten Lagerplatz in 2.200 m Höhe nahe einer kleinen Quelle. Das freundliche Begleitteam ist bereits dabei, die Zelte aufzubauen, in denen wir uns in der folgenden Nacht der mit der Hanglage verbundenen Schwerkraft entgegenstemmen werden.

Unser erstes Ziel am nächsten Tag ist der Aussichtsberg Kouaouch (2.592 m), den wir über ein Plateau erreichen. Der Gipfel bietet eine grandiose Rundumsicht ins Saghro-Gebirge und auf den Hohen Atlas.

Zwischen gewaltigen Tafelbergen wandern wir später, als führe der Weg zwischen lauter Festungen und Burgen hindurch.

Senkrechte Felswände wirken wie unbezwingbare Mauern, Felspfeiler wie die Zinnen einer Burganlage.

Das Gestein leuchtet mal in Gelb, Orange und Rot, dann in allen Schattierungen von Ocker bis Braun.

Am Ende eines langen Tages treffen wir in der Oase Igli (1.700 m) ein und finden die Zelte abermals bereits aufgebaut vor. Welch ein Luxus nach dem strammen Abstieg, der meine Knie ordentlich gefordert hat!

Die Oase Igli ist von Nomaden besiedelt, die in dem kargen Weideland von der Schaf- und Viehzucht leben. Alle paar Wochen werden die Zelte verlegt, damit die Tiere genügend Nahrung haben. Apropos Nahrung: Unser Koch zaubert wieder einmal ein köstliches Mal, das wir auf den Matten im Gemeinschaftszelt einnehmen: Gemüsesuppe, Tajine, Obst zum Nachtisch und dazu ein starker süßer Tee. Schon bald ist die nötige Schlafsack-Schwere erreicht.

Von Igli wandern wir anderntags hinunter in ein Tal, das sich zur wilden Afourar-Schlucht verengt. Unterwegs kommen wir durch kleine Berber-Siedlungen, in denen ähnlich wie in der Igli-Oase bescheidener Ackerbau betrieben wird. Der Afourar führt Wasser; ein paar Mal sehen wir Frauen, die im Fluss ihre Wäsche waschen.

In der engen Schlucht müssen wir immer mal wieder das Flussbett queren.

Die Formationen des Gesteins lassen uns Mal um Mal staunen. Ebenso wie die Farben um uns herum: Grün wie Kupfer, Rot wie Eisen, Gelb wie Schwefel.

Schließlich weitet sich die Landschaft, der Blick schweift über von Orgelpfeifen aus Sandstein gesäumte Höhenzüge. Wir nähern uns unserem Lagerplatz beim Bab’n’Ali, dem „Tor von Ali“ (1.380 m) – zwei markanten, nebeneinander stehenden Felstürmen inmitten der imposanten Bergkulisse nördlich von Nekob. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Peter will zurück zum „Pool“ in der Afourar-Schlucht, Dieter, Gunnar und ich nehmen den Gipfel in unserem Rücken in Angriff – noch einmal 500 Höhenmeter sind es bis dort –, der Rest der Gruppe beschließt, im und um das Lager herum zu faulenzen.

Ich lasse es nach 300 gerölligen Metern hinauf gut sein und genieße von dort die spektakuläre Aussicht auf das klein gewordene „Tor von Ali“ im sanften Nachmittagslicht.

Von meinem Ausguck kann ich fast den kompletten Weg der vergangenen drei Tage überblicken. So weit sind wir gelaufen! Und so schön und abwechslungsreich ist die Landschaft!

Noch lange ist einer der mächtigen Türme von Alis Tor zu sehen, als wir am nächsten Tag zu unserer letzten Etappe im Saghro-Gebirge aufbrechen.

Durch weite Landschaften wandern wir in ständigem Auf und Ab bis zur Oase Ighazoune (1.300 m). Am Ende wird der Weg öde und heiß und wir freuen uns, dass wir die letzten Kilometer mit Jeeps zu unserem Nachtquartier, einem netten Berberhaus in Tifrite, gefahren werden.

Am Abend heißt es Abschied nehmen von unseren Begleitern von den Ait Atta. Saha! Viel mehr haben wir in der Berber-Sprache Tamazight nicht sprechen gelernt: Danke!

Wasserspiele

Ein Kommentar von Ulli vom Café Weltenall zu meinem Beitrag über eine Wanderung durch einen sonnenbeschienenen Zauberwald blieb haften: „Schön, dass alles mitgespielt hat“, schrieb sie. Das stimmt. Selten genug ist es, irgendwas ist ja meist. Vor ein paar Wochen zum Beispiel Regen.

Mit großer Vorfreude hatte ich mich auf den Weg ins Allgäu gemacht, wo ich vor Jahren einen herrlichen Sommer verbracht hatte – so lang, so sonnig, so heiß, dass ich heuer nicht einen Gedanken ans Wetter verschwendete, sondern mit größter Selbstverständlichkeit Bergtour um Bergtour plante. Sogar eine Alpenquerung hatte ich im Kopf, auf alten Schmugglerpfaden von Oberstdorf nach Holzgau in Tirol. Im vergangenen Jahr hatte ich mich in diese „Perle des Lechtals“ verliebt.

Was soll ich sagen: Aus keiner der geplanten Gipfeltouren wurde etwas, von der Wanderung übers Mädelejoch ganz zu schweigen. Am Nachmittag meiner Anreise strahlte die Sonne, am Morgen der Abreise strahlte sie ein weiteres Mal. Dazwischen regnete es. Mal sanft und stetig, mal schüttete es aus Eimern, nachts blitzte und donnerte es, dass es eine perverse Lust war. Eine Woche lang. Die Wolken, die anfänglich luftig über den Hängen schwebten, sanken immer schwerer ins Tal. Bis sie den Boden berührten. Ein Wunder, dass sie niemanden erschlugen.

Das entsprach so gar nicht dem, wofür ich gekommen war. Und ich brauche so viel Nass von allen Seiten auch bestimmt nicht so bald wieder. Aber ganz allmählich – ich war selbst erstaunt – begann ich, dem Reiz der Wasserspiele zu erliegen. Im Tal, in der Klamm, im Tobel. Am steinernen Hang, der zum Wasserfall wurde. Wenn schon der Sommer streikte – ich habe mitgespielt.

Ein Wald wie ein Gedicht

Der weiße Habit reichte ihr bis auf die Schnürschuhe. In der Rechten hielt sie Teleskop-Wanderstöcke, gehfertig ausgezogen. Der Blick ging prüfend zum Himmel. Ihrer und meiner. „Es könnte klarer sein“, stellte sie sachlich fest. Ich nickte und fragte, ob sie vielleicht ihre Kontakte nach oben bemühen könne. Sie kicherte wie ein junges Mädchen. „Versprechen kann ich nichts“, sagte sie. „Er hört ja nicht immer.“ ER groß geschrieben.

Auf der Infotafel zum Naturwaldreservat las ich später von wundersamen Wesen, die man dort treffen kann: Hirschzungenfarn und Tannenfeuerschwamm, Moorheiden-Kätzcheneule und Rollflügel-Holzeule, um nur einige zu nennen.

Weder Schwalbenwurz noch Erdeule begegneten mir auf dem steilen Pfad hinauf zum See im deutsch-österreichischen Grenzgebiet. Aber dass sie und all die anderen sich in diesem zauberischen Ambiente aus Wachsen und Vergehen und abermals Wachsen wohl fühlen, das leuchtete mir unmittelbar ein.

Und ER hatte auch gehört. Es gibt so Tage.

Himmel und Erde

I am the daughter of earth and water,

And the nursling of the sky;

I pass through the pores of the ocean and shores;

I change, but I cannot die.

For after the rain when with never a stain

The pavilion of heaven is bare,

And the winds and sunbeams with their convex gleams

Build up the blue dome of air,

I silently laugh at my own cenotaph,

And out of the caverns of rain,

Like a child from the womb, like a ghost from the tomb,

I arise and unbuild it again.

Aus: Percy Bysshe Shelley „The Cloud“

Die wollen nur spielen

Nächtlich auf der dunklen Weide
Grasen viele große Kühe,
Kauen,
Schauen,
Tun mir nichts zuleide,
Während ich mich durch sie durch bemühe.

Wenn sie wollten, könnten sie mich überrennen,
Doch sie werden nicht dran denken,
Da sie
Quasi
Gar kein Denken kennen.
Außerdem sind sie nicht abzulenken.

Und so geh’ ich lautlos durch die Herde
Auf dem Gras, daran sie kauen,
Eilig,
Weil ich
Plötzlich bange werde,
Dass sie meine schwache Position durchschauen.

Werner Finck: Gang durch die Kuhherde

Ob es am erhöhten Adrenalinspiegel in Folge der Almquerung lag oder daran, dass der Norddeutschen alles Maritime quasi im Blut liegt: Jedenfalls packte die Fotografin nach dem Anstieg das Gipfelkreuz, als gälte es, Segel für einen Törn durch die bewegten Himmelsfluten zu setzen.

Verträumte Kuh

Auf der saftig günen Wiese
weidet ausgerechnet diese
eine Kuh,
eine Kuh.

Ach, ihr Herz ist voller Sehnen
und im Auge schimmern Tränen
ab und zu,
ab und zu.

Was ihr schmeckt, das wiederkautse
mit der Schnauze, dann verdautse
und macht muh,
und macht muh.

Träumend und das Maul bewegend,
schautse dämlich in die Gegend
grad wie du,
grad wie du.

Heinz Erhardt: Die Kuh

Talking about Art

Wer diesem Blog schon eine Weile folgt, weiß, dass ich Kunstausstellungen – natürlich – um ihrer selbst willen besuche, aber immer wieder auch einfach hingerissen bin von den Menschen, die sich zwischen und in einem natürlichen Dialog mit den Exponaten bewegen, als seien sie von den Kuratoren eigens zu diesem Zweck engagiert worden.

Ganz zu schweigen von den Räumlichkeiten, die Bilder, Plastiken und Betrachter in den Rang eines Gesamtkunstwerks heben können. Selten habe ich dieses raum-zeitliche Zusammentreffen stärker empfunden, nie stärker genossen als kürzlich während der Eröffnung der Henry-Moore-Ausstellung „Vision.Creation.Obsession“ im Hans-Arp-Museum in Remagen-Rolandseck.

Eine tolle Location ist dieses Ensemble aus historischem Bahnhof und modernem Neubau mit weitem Blick über den Rhein bis hinüber zum Siebengebirge. 40 Meter liegt der Neubau des amerikanischen Architekten Richard Meier über dem Bahnhof. Ein Tunnel führt tief in den Berg hinein. Die schlichte Betonröhre wird durch ein Lichtobjekt der Künstlerin Barbara Trautmann erhellt. Am Ende öffnet sich der Raum mit Aufzug und Treppe zu einem lichtdurchfluteten Turm.

Auf drei großzügigen Ausstellungsebenen werden einige von Henry Moores Monumentalskulpturen erstmals im Innenraum präsentiert – und kongenial ergänzt von biomorphen Arbeiten des Gastgebers Hans Arp. Ich will gar nicht viel schreiben über dieses „Rendez-vous des amis“, das noch bis zum 7. Januar 2018 zu sehen ist, nicht viel mehr als: Geht hin, es lohnt sich. Mögen Bilder von der Vernissage sprechen. Und Sätze der beiden Künstler, die ich von den Wänden abschrieb.

Alles, was ich mache, ist dafür bestimmt, groß zu sein.

Henry Moore

Die Wolkenpumpe pumpt unter Freuden die Wolken aus den Röcken. Die Wolkenpumpe pumpt gegen den Kunstrock der Nymphe.

Hans Arp

Ich wanderte durch viele Dinge, Geschöpfe, Welten, und die Welt der Erscheinung begann zu gleiten, zu ziehen und sich zu verwandeln wie in den Märchen.

Hans Arp

Beim Erwachen fand ich auf meinem Modellierblock eine kleine schalkhafte, aufgeweckte Leibhaftigkeit mit dem Bauch einer Laute.

Hans Arp

Wie gesagt: Inspirierende Arbeiten an einem inspirierenden Ort. Befreundet wäre ich vielleicht lieber mit Hans Arp gewesen. Und wie hübsch sich die BesucherInnen gemacht hatten!

Schnee von gestern

Schneegestöber bei 30 Grad im Schatten? Ich mochte meinen Augen kaum trauen, als wir kurz vor Beginn des meteorologischen Sommers durch immer dichteres Flockentreiben den Rhein entlang radelten. Hartnäckig setzte sich die weiße Pracht auf Haut und Kleidung – und wollte trotz der tropischen Temperaturen partout nicht schmelzen. Was da durch die Luft flog und Wege und Sträucher bedeckte, war natürlich kein Schnee. Weil es ganz plötzlich heiß geworden war, hatten vielmehr alle Pappeln der Gegend gleichzeitig ihre Samen auf die Reise geschickt. Das sah aus, als hätte Frau Holle ihre Betten ausgeschüttelt. Und das hatte sie vielleicht ja auch, denn der superleichte Flaum der Pappeln findet tatsächlich als Füllung für Bettdecken Verwendung.

Darüber nur der Himmel

Einen besonderen Ort hatte die Freundin angekündigt. Sie hatte nicht zu viel versprochen. Zugegeben, an einem Tag, an dem Eduard Mörike persönlich den Himmel mit blauen Bändern ausgekleidet zu haben schien, ließ es sich gut von Kirchen phantasieren, die von nichts als dem Firmament begrenzt werden.

Die Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Arnsburg, dem wir auf einer Fahrradtour von Lich nach Bad Nauheim einen Besuch abstatteten, wurde natürlich nicht als Cabrio gebaut, sie verfiel einfach besonders schön, wenn ich das so sagen darf, ohne allzu despektierlich zu erscheinen. Die Abtei, die sich malerisch in die Wetterau im Norden Frankfurts schmiegt, wurde 1174 gegründet und 1803 im Zuge der Säkularisierung aufgehoben. Nach dem Abzug der Mönche 1810 fiel das Klostergut an die Grafen zu Solms-Laubach, die Teile der barocken Gebäude der Anlage bis heute als Schloss nutzen.

Die spätromanischen und frühgotischen Teile der Kirche sind als Freiluftensemble erhalten. An diesem Frühlingstag, der schon den Sommer in sich trägt, lässt der Himmel die zwischenzeitlich restaurierten alten Mauern erstrahlen, dass es eine Pracht ist, wirft das kräftige Licht Säulen und Rundbögen als Schattenrisse ins Gras, während sich dort, wo einst der Altar gestanden haben mag, ein Baumstamm ans Gemäuer schmiegt.

Der ehemalige Kreuzgang ist seit 1960 eine Kriegsgräberstätte. Dort ruhen, wie auf einer Tafel am Eingang nachzulesen ist, „450 Opfer des Krieges und nationalsozialistischer Gewalt: 210 deutsche Soldaten und Zivilpersonen, 1 Belgier, 1 Lette, 1 Luxemburgerin, 3 Niederländer, 49 Polen, 1 Rumäne, 49 Sowjetrussen, 1 Tscheche, 6 Ungarn sowie 128 unbekannte Tote – darunter 81 Frauen und 6 Männer, die im Arbeitslager Hirzenhain von Gestapo und SS erschossen worden sind“. Ein stiller Ort, von Klostermauern sicher umschlossen. Zwischen den Gräbern stehen niedrige steinerne Kreuze, manche allein, andere zu zweit oder zu dritt. Im Hintergrund plätschert ein Brunnen.