Auf schlüpfrigem Grund

Böige Winde fegen ums Haus. Im Flur tuscheln die Schirme der Nachbarn. Eine Autostunde später begehen blassblaue Wolken reihenweise Selbstmord zwischen schmutzigbraunen Ackerfurchen.

Schon blicke ich in die Schwarze Kuhle. Moorgewässer tragen die verheißungsvollsten Namen. Grundloser See zum Beispiel. Oder eben: Schwarze Kuhle. „Fest hält die Fibel das zitternde Kind / Und rennt, als ob man es jage; / Hohl über die Fläche sauset der Wind – / Was raschelt drüben am Hage? …“

Die Schwarze Kuhle gehört zum Naturschutzgebiet Salemer Moor im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. Der See ist fast vollständig von Wald umgeben. Direkt an das Ufer schließt ein mehrere Meter breiter Schwimmteppich aus Moosen und Gräsern an. Hu! Bloß nicht drauf treten. Es könnte der letzte Schritt sein.

Dann kommt der Wald. Buchen zumeist. Eine scheint sich selbst umarmen zu wollen. Eng presst sie die knotigen Äste an den elefantenhäutigen Stamm. Klamm ist die Luft und die Waldbade-Saison, die auch dem ein oder anderen Baum eine Umarmung eingetragen haben mag, wohl schon vorbei. Kurz raste ich auf einer Bank. Auch ihre Oberfläche ein Teppich aus Moos.

Schwarze Kuhle. Plötscher See. Garrensee. Im Garrensee darf man an drei Stellen baden. Im Sommer ließ ich mir das nicht zweimal sagen. Im Sommer… So lang scheint das her zu sein. Die Sonne brannte vom Himmel und der dunkle See mutete südländisch-licht an. Für ein paar Schritte jedenfalls, bevor sich der Sand unter den Füßen unvermittelt ins Grundlose stürzte und mich mit einem Juchzen in die überraschend kalte Waagerechte.

Um die Ecke ankern riesige neongrüne Baumwurzeln im schlüpfrigen Boden. In liegenden Achten mäandere ich um Seen und Sümpfe, hügelauf und hügelab.

*

Nur Bilder im Kopf dieses Mal. Kommt gut in die neue Woche und bleibt gesund!

This special light II

P1050977Entweder Husum, Storms „graue Stadt am grauen Meer“. Oder ein Spaziergang durchs Moor. Kein anderer Ort. Nicht heute in diesem sonnedurchwirkten Wattenebel, in dem sich der November von seiner schönsten Seite zeigte.

P1060019Alle Laute verwehn.

P1060039Nur ein paar „alte Weiber“ weben emsig Kollier um Kollier.

P1060063Kein Knistern im Röhricht.

P1060076Auch auf der Heide kein Schauer.

P1060095Oh lustvoll ists, übers Moor zu gehn!