Begegnungen am Fluss

p1160325Munter schritt die Prinzessin aus. „Ist der Berg auch noch so steil, a bisserl was geht allerweil“, sagte sie sich. Inzwischen rief sie „Grüß Gott!“, wenn sie unterwegs auf andere Menschen traf und hatte auch sonst ein paar Brocken in der fremden Mundart gelernt.

p1160128Apropos Gott. An wie vielen Kirchen und Kapellen mochte sie wohl schon vorbei gekommen sein auf ihrer Wanderung? In die meisten hatte sie hineingeschaut, in manch einer eine Kerze entzündet, eine Fürbitte gesprochen, für den alten König, für die alte Königin in ihrem Exil. In einer, der Seesumpf-Kapelle, hatte sie sogar Brotzeit gehalten, so nass war es draußen.

p1160318„Im Herbst sitzt hinter jeder Staude ein anderes Wetter“, sagten die Alten im Tal. Wie recht sie doch hatten. Ein paar Tage lang war die Prinzessin bei strahlendem Sonnenschein die Berge hinauf und hinunter gestapft, jetzt hingen die Wolken so tief, dass man schon im Tal mit dem Kopf dagegen stieß.

p1160319Einige Bauern brachten sogar das Vieh mit dem Regenschirm auf die Weide.

p1160327Die Prinzessin, die sich von so ein paar Tropfen natürlich nicht bremsen ließ, sah bisweilen die Hand vor Augen nicht.

p1160243Dafür aber den Bluatschink. Ganz plötzlich tauchte er neben ihr im Gras auf. Da gehörte er eigentlich gar nicht hin. Die Prinzessin erschrak ordentlich. Vor diesem Flusswesen, das unvorsichtige Besucher seiner Wasserwelt mit langen Fangarmen umschlang, hatte man sie gewarnt. Besonders Kindern, die sich zu nah ans Ufer wagten, biss der Bluatschink zu gern in den „Schinken“. Bloß schnell weiter!

p1160280Viel später erfuhr die Prinzessin, dass der Bluatschink längst nicht mehr nur unvorsichtige Kinder (und Erwachsene) im Visier hatte sondern vor allem auch Menschen, die den Fluss mit Müll und Abwasser verschmutzen oder seiner natürlichen Freiheit berauben wollen, indem sie ihn in Betontrassen lenken. Als sie das hörte, hatte sie fast gar keine Angst mehr vor dem Bluatschink sondern mochte ihn richtig gut leiden.

p1160266So wie die Geierwally, die die Prinzessin gar nicht so weit entfernt traf. Das heißt, getroffen hat sie eigentlich nur ein Bild von ihr vor der Kirche. Die Geierwally selbst war nämlich schon eine Weile tot, muss aber eine ziemlich interessante Frau gewesen sein.

p1160252Schon als junges Mädchen nahm sie furchtlos einen Adlerhorst aus, was eigentlich Männersache war. Keine Ahnung, was die inzwischen so machten. Im Grunde hätte die Geierwally natürlich Adlerwally heißen müssen, aber die Leute bezeichneten damals alle großen Greifvögel als Geier. Naja. Und noch eigentlicher hätte man Adleranna sagen müssen, denn die Wally war ja nur eine Romanfigur und hieß in Wirklichkeit Anna – und wenn sie nicht gerade Adlerhorste ausnahm, malte sie Porträts und Blumen.

p1160267Das alles und noch viel mehr erfuhr die Prinzessin von Guido, der zu und zu gern von der Geierwally erzählte und dabei in seiner Geierwally-Küche die herrlichsten herzhaft-vegetarischen Knödel briet, die die Prinzessin je gekostet hatte. Für die süßen hatte sie leider weder Platz in ihrem Bauch noch Zeit. Denn es zog sie zurück ans Wasser…

Es war einmal

p1160020Es war einmal eine Prinzessin, die streifte für ihr Leben gern durch die Natur. So gelangte sie eines Tages an einen tiefblauen See, in dem sich eine hohe rötliche Wand spiegelte. Begeistert kraxelte die Prinzessin den Felsensteig hinauf, bis sie vor einer Hütte stand. Dort reichte man ihr ein erfrischendes Getränk aus Ribisel und Thymian und erzählte von dem Bach, der aus dem See entspringt, sich seinen Weg durch die Steine bahnt, schon bald auf einen anderen Bach trifft, der von einer anderen Höhe herabfließt, und zu einem großen wilden Strom wird. Die Prinzessin lauschte gebannt und beschloss: Diesem Wasser wollte sie folgen…

p1160022Und so geschah es.

p1160067Manchmal wanderte die Prinzessin ganz dicht am Ufer.

p1160073Manchmal wand sich der Fluss wie ein Band zu ihren Füßen.

p1160076Von allen Seiten strömte es, strömte dem Fluss zu, der rasch größer und breiter wurde.

p1160178Manchmal verlor die Prinzessin den Fluss aus den Augen, so hoch hinauf führte ihr Weg.

p1160182Manchmal ruhte sie sich ein Weilchen aus.

p1160191Manchmal fürchtete sie sich sogar ein bisschen. Hu, so eine kleine Brücke so hoch über dem Fluss! Und in dem Häuschen auf der anderen Seite, ob darin womöglich ein verwunschener Drache hauste?

p1160167Endlich kam die Prinzessin zu einem Dorf, das ihr sogleich gefiel. In dem Dorf gab es ein kleines Schloss, aber eines ohne Könige. In diesem Schloss übernachteten lauter Prinzessinnen und Prinzen, die wie unsere Prinzessin für ihr Leben gern irgendwo durch die Natur streiften.

p1160142Das Sonderbarste war, dass es in dem Dorf noch viele andere Gebäude gab, die irgendwie alle wie Schlösser aussahen, nur dass die Säulen, Portale und Erker gar nicht echt sondern aufgemalt waren. Besonders gut gefiel der Prinzessin ein rosafarbenes Haus, vor dem gerade ein paar Männer ins Gespräch vertieft waren. Die Männer waren echt, wie sie feststellte.

p1160162Wie sie so durch die Straßen ging, erfuhr die Prinzessin, dass in den alten Zeiten, als der Boden karg war, viele Bauernsöhne gezwungen gewesen waren, das Dorf zu verlassen und in der Fremde ihr Glück zu suchen. Einige fanden es dort wohl auch und kehrten später mit großen Reichtümern in die Heimat zurück. Sie ließen prachtvolle Häuser errichten und mit Fresken und fremden Stilelementen bemalen, um ihren Wohlstand zu zeigen.

p1160215Manchen der Gebäude war der Wohlstand immer noch anzusehen, anderen eher nicht. Und gelegentlich war die eine Seite gut erhalten – und die andere nicht so.

p1160165Die Prinzessin kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

p1160160In einem besonders schön bemalten Haus wohnte überhaupt niemand, obwohl davor Stühle und kleine Tische standen. Das war das Pfarrhaus, erzählte man der Prinzessin. Leider gab es in dem Dorf gerade keinen Pfarrer.

p1160171Und es gab auch keine Finanzer mehr. Die waren früher in den Bergen um das Dorf herum patrouilliert, um Schmuggler abzufangen. Mit leuchtenden Augen stand die Prinzessin vor dem verwaisten Finanzerhäuschen: Auf alten Schmugglerpfaden über die Berge ins Nachbarland wandern, das könnte ihr auch gefallen! Aber zuerst einmal wollte sie weiter dem Strom folgen…

Stadt, Land, Fluss

p1160053Die Stadt habe ich verlassen, die Grenze überschritten, um dem Fluss zurück ins eigene Land zu folgen. Von seinem Ursprung im österreichischen Vorarlberg bis zum Fall nach Füssen. Ich weiß nicht, was größer war, die Sehnsucht nach den Bergen oder der Wunsch, tagelang geradeaus zu gehen. Für beides jedenfalls schien mir der Lechweg perfekt geeignet zu sein: runde 125 Kilometer Fernwandern durch eine der letzten Wildflusslandschaften Europas, zur Linken die Allgäuer und zur Rechten die Lechtaler Alpen.

p1160006Vor der ersten Tagesetappe lasse ich die Herrlichkeit erstmal von oben auf mich wirken, vom 2350 Meter hohen Rüfikopf, den man vom Dorf Lech aus bequem mit der Seilbahn erreicht. Das ist, da nicht ganz schwindelfrei, eigentlich nicht so meins, aber den Blick fest auf den Berg gerichtet, nehme ich diese erste kleine Hürde – und werde mit einem spektakulären 360-Grad-Panorama belohnt.

p1160005Steine scheinen in den Himmel zu wachsen. So viele Berge, die nur darauf warten, bei anderer nächster Gelegenheit bestiegen zu werden! Die Kraft, die von dieser Landschaft ausgeht, überträgt sich ganz unmittelbar.

p1160087Eine Pizza und zwei Weinschorlen lang lausche ich später unten im Tal der Geschichte von Geja, die so heißt wie die Erdgöttin aus der griechischen Mythologie. Geboren in Rotterdam als Tochter eines Flussschiffers, verheiratet mit einem Flussschiffer – und seit Jahren sesshaft im bayerischen Alpenland. Aber vielleicht nicht mehr lange. Zuerst, erzählt Geja, habe sie sich von den Bergen im Rücken beschützt gefühlt, inzwischen seien sie ihr ein bisschen eng geworden.

p1160044Das ginge mir vermutlich nicht anders. Und ich denke daran, wie der geschätzte Bloggerkollege Holger („Zeilentiger“), den es, wie ich auf seinem neuen Blog Zwischen zwei Flügelschlägen lese, gerade wieder zurück in die Berge zog, umgekehrt von seinem Empfinden sprach, dass einem der weite norddeutsche Himmel in seiner Grenzenlosigkeit auf den Kopf fallen könne.

Vom Wandern

IMG_7122Die meisten werden an mehr oder weniger unberührte Natur denken, aber wandern kann man im Prinzip überall. Ich bin zum Beispiel kürzlich 100 Kilometer durch Hamburg gegangen, in einem großen grünen Kreis einmal um das Rathaus herum, vom Fähranleger Teufelsbrück bis nach Finkenwerder auf der anderen Elbseite. Durch Parks und Kleingartensiedlungen, durch Wald und Wiesen, an Bächen, Flüssen und Seen entlang, über Friedhöfe und manchmal auch Straßen. Vordergründig ging es darum, die neuen Wanderschuhe einzulaufen und ein bisschen Kondition für die Berge aufzubauen. Aber vor allem hoffte ich, den Kopf frei zu bekommen, auch wenn die Zeit nur für den ein’ und anderen Tagesmarsch reichte. Was soll ich sagen: Es hat funktioniert, selbst mitten in der großen Stadt.

„Wir denken weniger, wenn wir weit gehen, wir gleiten in den Rhythmus des Gehens, und die Gedanken enden, werden zu einer konzentrierten Aufmerksamkeit, die darauf gerichtet ist, was wir sehen und hören, was wir riechen; diese Blume, der Wind, die Bäume, als würden die Gedanken umgeformt und zu einem Teil dessen werden, was ihnen begegnet; ein Fluss, ein Berg, ein Weg.“ So schreibt der Norweger Tomas Espedal in seinem 2011 ins Deutsche übersetzten philosopischen Roman über das „Gehen oder die Kunst, ein wildes und poetisches Leben zu führen“, den ich gerade noch einmal zur Hand genommen habe.

IMG_7193Hängen geblieben bin ich bei dieser Passage:

„Einsamkeit. Ein, zwei Namen. Wenn man weit und lange genug auf dem Weg gegangen ist, seinem Weg, bleiben einem noch ein oder zwei Freunde, ein, zwei Namen, das ist alles. Mehr wären ein sicheres Zeichen dafür, dass wir in die Irre gegangen sind, denke ich im Gebirge. Die Gedanken verändern sich in den Bergen. Ihre Zahl wird geringer, aber man denkt konzentrierter, je mehr sich die Bergwelt öffnet und weitet. Man denkt besser, wenn man in den Bergen geht. Man beschließt, weniger umgänglich zu werden, man denkt gefährlicher in den Bergen. Mehr als ein oder zwei Freunde zu haben ist unanständig, falsch, denke ich in den Bergen. Wie viele Freunde habe ich? Ich hatte viele, jetzt habe ich noch zwei. Zwei gute Freunde. Das ist alles. Das ist genug. Vielleicht habe ich sogar nur einen. Einen einzigen Freund. Das ist die Wahrheit. Ich bin zufrieden. Ein guter Freund, fast wie eine Geliebte. Man denkt weniger vorsichtig in den Bergen, Berggedanken, denke ich und gehe in den Schnee hinaus, folge dem Rand eines Schneefelds, das steil zu einem Bergsee abfällt. Sollte ich jetzt in eine Spalte stürzen, über den Grat rutschen und nicht mehr sein, hätte es seine Richtigkeit.“

IMG_7181Wie zugewandt klingt dagegen der „Gesang von der freien Straße“ des amerikanischen Dichters Walt Whitman (1819-1892), besonders die 5. Strophe:

„Von dieser Stunde ab erkläre ich mich befreit von allen Einschränkungen und eingebildeten Scheidelinien;
Wohin ich will, geh‘ ich; ganz unbedingt mein eigner Herr;
Höre den andern zu und überlege wohl, was ich sage;
Verweile, forsche, empfange, betrachte;
Entziehe mich lind, aber mit unwiderstehlicher Willenskraft den Banden, die mich halten wollten.
Ich atme den Raum ein in großen Zügen.
Ost und West sind mein, Nord und Süd sind mein.
Größer bin ich, besser als ich dachte.
Ich hätte nicht gedacht, daß ich so viel Gutes enthielte.
Alles kommt mir schön vor.
Ich kann Männern und Frauen gegenüber wiederholen: ‚Ihr habt mir so viel Gutes getan, ich möchte euch ebensoviel Gutes tun.
Ich werde für mich und für euch werben, wo immer ich gehe.
Ich will mich ausstreuen unter Männer und Frauen, wo immer ich gehe.
Ich werde unter sie werfen neue Freude und neue Rauhheit.
Wenn mich wer abweist: es soll mich nicht kümmern.
Wenn mich wer aufnimmt: er oder sie soll gesegnet sein und soll mich segnen.’“

Je öfter ich die beiden Abschnitte lese, desto weniger rigoros erscheint mir der erste, desto weniger weich der zweite. In beiden sprudelt dieselbe Quelle, aus der sich alles speist: Unabhängigkeit, Stärke, Ehrlichkeit, Kraft. Und Bindung – wo und solange es passt. Ja, ich glaube, man wird leichter beim Wandern und auf eine ruhige Art entschiedener, kompromissloser. Dass Walt Whitman mehr ein Wanderer im Herzen als der Tat war, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Der Schönheit und Tiefe seiner Gedanken tut es keinen Abbruch, wie ich finde.

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Schöne Aussichten

P1140990Hunde anleinen, keine Kälber streicheln, nicht mit dem Wanderstock vor den Mäulern der Kühe herumfuchteln: Die Hinweise zum schonenden Queren von Viehweiden an der Tür der Almhütte sind von wünschenswerter Deutlichkeit, auch wegen der lustigen Zeichnungen zu den Texten. Aber was darüber geschrieben steht, liest man als Flachlandtirolerin wohl am besten laut, um es zu verstehen:

„Saiwagmachts! Oimkas zum midnema“.

P1140986Weil wir schon eine Weile unterwegs sind und für eine zünftige Brotzeit ohnehin immer der richtige Zeitpunkt ist, verzehren wir den selbstgemachten Almkäse – Hartkäse, Frischkäse, mit und ohne Marinade – gleich auf der Bank vor der Hütte, mit Blick auf Kühe und Berge. So lecker! Und dazua a Topfenbrot, do legst di hi. (Liebe M., ich hoffe, ich habe das einigermaßen fehlerfrei niedergeschrieben.) Mich hat der Quark-Hefeteig der Sennerin schon deshalb umgehauen, weil er ganz genauso schmeckte wie das süße Brot, das meine Großmutter an besonderen Tagen gebacken hat. Nur dass es dazu keinen Kas sondern Marmelade gab. So rot wie die Saftschorle auf der Alm. Erdbeeren und Kirschen bei Oma, Johannisbeere am Berg.

P1150182Aber bevor ich ins Schwätzen komme, geht’s jetzt mal weiter, auffe

P1150258„kennst di aus, woaßt eh was i moan
a berig is nix anders wia a mordstrumm stoan
aber obn auf’n gipfel des sag i allemal
is viel schener wia drunten im tal“

P1150030Die vorstehenden Zeilen des österreichischen Liedermachers Hubert von Goisern habe ich eins zu eins seiner Website entnommen. Nach Abschluss des Basiskurses in Oberbayrisch packte mich zwar der sprachliche Ehrgeiz (kritische Geister würden es wahrscheinlich Übermut nennen), zumal ich von den Gipfeln bei günstiger Witterung freie Sicht über die Grenze hatte, aber sicher ist sicher.

P1150020Drunten im Tal war es übrigens – von Goisern hin oder her – aa narrisch schee. Dazu ein andermal mehr.

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Berge, Affen und eine Lok

P1120336Teil zwei des Trekkings im nordäthiopischen Simien-Gebirge,
in dem wir den Wolken mit jedem Schritt näher kommen

Wer früh schlafen geht, wird zeitig wach. Als ich das erste Mal die Nase aus dem Zelt stecke, ruht die Sonne noch hinter den Bergen. Die Bodentemperaturen dürften nicht wesentlich über dem Gefrierpunkt liegen. Raureif bedeckt das Gras auf der Hochebene, und der Schlafsack ist feucht, zum Glück nur von außen. Ein dienstbarer Geist hat eine kleine Schüssel warmen Wassers vor den Eingang gestellt. Ich kann mir nichts Schöneres denken – abgesehen von den leckeren Eierspeisen vielleicht, die der Koch gerade für uns brutzelt. Boiled, scrambled, fried, one side oder auch both, ganz wie es beliebt.

P1120347Bald schon machen wir uns auf den Weg zu den Klippen von Imet Gogo. Zum ersten Mal kratzen wir an der 4000-Meter-Grenze. Die Luft wird spürbar dünn, der Atem und die Beine schwer. Noch immer hängen Wolken und Nebel in den Schluchten. Aber wer wollte bestreiten, dass der Landschaft auch das geheimnisvoll Vage, leicht Melancholische gut zu Gesicht steht?

P1120397Kaum zurück im Camp, reicht die Zeit gerade noch für eine Katzenwäsche im eiskalten Jinbar River. Dann bricht auch schon heftiger Regen über uns herein. Ich verbringe Stunden lesend im Zelt. Draußen ist es so nass, dass man keinen Hund vor die Wellblechhütte jagen würde, in der der Koch wieder einmal Wunder vollbringt. Die Laune einiger meiner Reisegefährten befindet sich im freien Fall, die Guides inspizieren mit sorgenvoller Miene die Zelte.

P1120418Bevor die Bodenplanen ganz durchweicht sind, hat der äthiopische Regengott glücklicherweise ein Einsehen. Und so stimmungsvoll das leicht Dräuende ist: Klare oder doch beinahe klare Sicht mindert die Schönheit der Simien Mountains gewiss nicht, wie wir am nächsten Tag auf der Wanderung zum Chennek Camp feststellen, wo wir die beiden folgenden Nächte verbringen wollen.

P1120448Über endlose Grasebenen mit Riesenlobelien führt der Weg. Dazwischen Abschnitte mit Busch. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich Erika, die an Bäumen wächst. Lange Bartflechten zwischen den Zweigen künden von der Reinheit der Luft.

P1120453Vom Inatye mit seinen gut 4000 Metern öffnet sich der Blick über Anhöhen und Schluchten, die sich am Vortag noch ziemlich bedeckt hielten. Von einem vorgelagerten Hügel dringt leise Flötenmusik zu uns herauf. Spielen die Hirten für sich oder bringen sie uns Touristen ein Ständchen? Einen Teil meines Käsesandwichs verfüttere ich an die schwarzen Krähenvögel mit den imposanten Krummschnäbeln, die ähnlich zutraulich sind wie die Bergpapageien, die in den neuseeländischen Alpen jeden Gipfelstürmer persönlich begrüßen.

P1120478Aber nicht nur schwarze Vögel kreuzen unseren Weg, sondern auch Horden sandfarbener Affen. Von weitem wirken sie wie Steine auf einer Wiese: Dutzende, manchmal Hunderte von Dscheladas, die es nur im äthiopischen Hochland gibt, hocken im gelblichen Grün und stopfen inbrünstig ein Grasbüschel nach dem anderen in die nimmersatten Mäuler.

P1120532Die größeren Männchen tragen eine Löwenmähne, die kahle Brust ist leuchtend rot. Das soll den Weibchen Potenz signalisieren – zugegeben: rote Hinterteile wären bei dieser ausdauernd sitzenden Spezies wenig praktisch – und trug den Tieren auch den Namen „Blutbrustpaviane“ ein.

P1120457Nach mehreren hundert Metern Steilabstieg erreichen wir schließlich das Camp am Rande einer gewaltigen Schlucht. Gleich nach der Verteilung der Zelte suche ich mir einen Platz am Abgrund und schaue zu, wie sich die Wolken in immer neuen Formationen vor die Hänge schieben, wie Felsen und Klippen im weicher werdenden Licht des Spätnachmittags allmählich zu einer Mondlandschaft werden.

P1120549Die größte Herausforderung der Tour wartet am nächsten Tag auf uns: der Aufstieg auf den Bwahit. Mehr als 800 Höhenmeter sind bis zu seinem 4430 Meter hohen Gipfel zu bewältigen, und das nach einer wenig schlafintensiven Nacht. Meine Beine sind schwer wie Blei. Schon bald keuche ich wie eine alte Dampflokomotive, falle nach und nach ein ordentliches Stück hinter die Gruppe zurück. Den Fotoapparat zücke ich vor allem, weil das Bildermachen mir erlaubt, für einen Moment innezuhalten und nach Luft zu schnappen.

P1120555Irgendwann verzichte ich auch auf diese Rechtfertigung, bleibe einfach alle 20 bis 30 Schritte stehen, schaue unbestimmt in die Ferne und hechle, bis sich genügend Luft für die nächsten Schritte in den Lungenfügeln gesammelt hat. Der Scout, der den „Lumpensammler“ macht, wird zu meinem Personal Guide. Geduldig wartet er und lächelt mir aufmunternd zu, wenn die Kräfte wieder einmal zu erlahmen drohen.

P1120561Schließlich erreiche auch ich den Gipfel, kaum 15 Minuten später als die anderen und stolz wie Bolle. Ein Siegerfoto mit Guide und Scout darf da natürlich nicht fehlen.

P1120568Das Gefühl, es geschafft zu haben, ist großartig. Ebenso wie der 360-Grad-Blick über das „Dach Afrikas“, auch wenn es von da oben gar nicht so hoch aussieht – die umliegenden Gipfel sind ja ebenfalls Viertausender. Aber mein allerliebster Ort in den Simien Mountains liegt wohl doch irgendwo in den Hängen und Klippen um Chennek Camp. Da ließe ich mich gern noch einmal nieder, um eine lange Weile auf das steinerne Meer aus Blaugrüngelbgrau zu blicken, während hoch oben, vollkommen schwerelos, eine Gruppe Lämmergeier segelt. So majestätisch, so überirdisch schön, dass es beinahe schon weh tut.

P1120526Und im letzten Licht des Tages würde mir bestimmt wieder einer der seltenen abessinischen Steinböcke über den Weg laufen…

P1120602Mit diesen Aussichten beende ich meine virtuelle Reise durch das äthiopische Hochland. Danke für Ihr und euer Interesse.

Von Dächern und Menschen

P1120215Aus unserem Hotel fällt der Blick auf graue Wellblechdächer und ebenso graue Betondecken im Rohbau, auf denen noch die Lachen von den Wolkenbrüchen der vergangenen Nacht stehen. Wasserdampf und der Rauch der morgendlichen Holzfeuer vermengen sich zu einer bläulichen Dunstglocke, die tief über dem Städtchen hängt, das wohl kaum ein Äthiopien-Reisender um seiner selbst willen besucht. Debark knappe hundert Kilometer nördlich der alten Kaiserstadt Gondar ist kein Ort zum Verweilen. Jedenfalls nicht im Regen. Aber es gibt dort alles, was man für den Simien Mountains Nationalpark braucht, der wiederum jeden Besuch lohnt.

P1120226Die letzte heiße Dusche für mehrere Tage zum Beispiel. Dann heißt es Gepäck trennen in Mitzunehmendes und Einzulagerndes, während sich Reiseleiter und Koch um die Zelte und den Proviant kümmern. Eintrittskarten erhalten wir im Parkhauptquartier. Den ortskundigen Führer und zwei Scouts mit Maschinenpistolen, die uns auf unserer Trekkingtour durch die Berge begleiten werden, lesen wir unterwegs auf. Und mit ihnen den würzigen Geruch von verbranntem Holz, den auch wir mit jedem Tag mehr am offenen Feuer immer stärker annehmen werden. Der bewaffnete Begleitschutz ist vorgeschrieben, obwohl es im Simien-Gebirge bisher noch keine Überfälle auf ferenji, wie wir Ausländer genannt werden, gab.

P1120311Im Sankaber Camp lädt unser Begleitteam Zelte, Schlafsäcke, Kochutensilien und andere Ausrüstungsgegenstände auf Maultiere, während wir nur mit Tagesrucksäcken auf dem Rücken zum Gich Camp, unserem ersten Etappenziel, aufbrechen. Nicht lange, und wir stehen das erste Mal am Abgrund. Wie ein Warnsignal markieren einzelne gelb-orange Aloe-Vera-Blüten die Abbruchkante, von der es sicher ein paar hundert Meter senkrecht nach unten geht. Hu, nur nicht zu nah herantreten!

P1120260Vulkanausbrüche, Wind und Wasser haben in Millionen von Jahren diese einzigartige Hochgebirgslandschaft aus schroffen Felsen, steilen Klippen und tiefen Schluchten geformt, von der ich träumte, seit ich sie das erste Mal auf den atemberaubenden Schwarzweiß-Fotografien des Brasilianers Sebastião Salgado sah. Nirgendwo sonst in Afrika gibt es ein zusammenhängendes Bergmassiv mit so vielen hohen Gipfeln wie die Simien Mountains, die deshalb auch das „Dach Afrikas“ genannt werden. Mehr als zwanzig ihrer Gipfel überschreiten die 4000er-Marke, der höchste ist der Ras Dashen mit 4533 Metern. Wenn alles gut geht, wollen wir in ein paar Tagen den 4430 Meter hohen Bwahit bezwingen.

P1120262Einen der höchsten Wasserfälle des Nationalparks müssen wir uns an diesem Tag denken. Er ist in den Nebelschwaden, die die Schlucht vor uns komplett verschluckt haben, zwar deutlich zu hören, aber leider nicht zu sehen.

P1120286Auf dem Weg hinauf zum Camp und dem Dorf etwas unterhalb kommen uns immer wieder kleinere Gruppen Einheimischer mit und ohne Maultiere, mit und ohne Schafe, aber immer mit einem freundlichen salam! („Frieden“) entgegen. Wie das Wasser, das sich von überallher seinen Weg hinab zum Tana-See bahnt, scheinen auch die Menschen von den hoch gelegenen Siedlungen hinunter zu den Straßen und Feldern zu strömen, die die Berghänge wie Flickenteppiche bedecken.

P1120303Die Leichtigkeit, mit der sie über die weit auseinander liegenden glitschigen Steine im Jinbar River hüpfen, verrät einige Übung. Etwas weniger anmutig, aber weitgehend trockenes Fußes gelingt es auch uns, den Fluß zu queren.

P1120308Vor uns erhebt sich Gich Village. Das Dorf, das mit seinen traditionellen strohgedeckten Rundhütten wie eine afrikanische Bilderbuch-Siedlung aussieht und irgendwie auch so, als sei es immer schon da gewesen, wird es wohl nicht mehr lange geben. Im kommenden Jahr sollen seine Bewohner in die Nähe von Debark umgesiedelt werden, um dem ausschließlich in den Simien Mountains beheimateten abessinischen Steinbock mehr Raum zur Entfaltung zu geben. Nur etwa 500 Exemplare dieser vom Aussterben bedrohten Art soll es noch geben. Ob es den Menschen gelingen wird, am neuen Ort Fuß zu fassen?

P1120307In einer Hütte oberhalb des Dorfs suchen wir für einen Augenblick Schutz vor dem Regen, der uns seit der Flussquerung begleitet. Beinahe gleichzeitig bricht schon wieder die Sonne durch und pinselt einen phantastischen Regenbogen an den Rundhorizont.

P1120317Dann ist das Camp erreicht, 3600 Meter über dem Meeresspiegel. Die Zelte sind bereits aufgebaut, wir müssen nur noch einziehen. Mit einem Becher heißen Tee in der Hand schaue ich zu, wie die Sonne die Hochebene in ein fast unwirklich goldenes Licht taucht. Ein wenig abseits der Gruppe ist es ganz still, nur die Schönheit der Landschaft spricht.

P1120326Als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, schweigt auch sie. Mit der Dunkelheit bricht schlagartig eisige Kälte herein. Nach einem frühen Abendessen kriechen wir rasch in unsere warmen Schlafsäcke. Die Scouts, die Waffe immer in der Hand, kauern in Decken am Rand der Kochhütte, wenn sie nicht gerade zwischen den Zelten nach dem Rechten sehen.

P1120330Fortsetzung folgt

Ein ganzes Leben

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben. Roman. München 2014

278x453x978-3-446-24645-4_9783446246454.jpg.pagespeed.ic.XaLw0wqeEt„Einmal, während einer kurzen Rast am Zwanzigerkogel, packte ihn ein vor Ergriffenheit bebender junger Mann an den Schultern und schrie ihn an: ‚Sehen Sie denn nicht, wie wunderschön das alles hier ist!‘ Egger blickte in das von Glückseligkeit verzerrte Gesicht und sagte: ‚Schon, aber gleich wird es regnen, und wenn die Erde zu rutschen anfängt, ist es vorbei mit der ganzen Schönheit.'“ (S. 119)

Ich musste lachen. Das hätte der Karl auch gesagt haben können. Klein und drahtig, das Gesicht vom Draußensein bei jedem Wetter ledrigbraun und voller Furchen, ein Mann undefinierbaren Alters mit rauem festem Händedruck – so erwartete er uns auf einem Parkplatz am Rande des Stubaitals. Unser Bergführer für die kommende Woche. Eigentlich kam der Karl aus dem Ötztal. Er erwähnte das, als läge eine Reise um die halbe Welt zwischen den benachbarten Alpentälern. Auch der Karl gestand uns nur kurze Rasten zu. Gucken, fand er, könnten wir noch, wenn wir den Gipfel erreicht hätten. Der Karl sprach wenig. Waren es einmal drei Sätze am Stück, ging es vermutlich um die Formation von Cirrus- und anderen Wolken. Für meine bergberauschten Sinne mochte sich das wie Poesie anhören – der Karl war mit seinen Gedanken ganz unsentimental bei der Tiefdruckzone, die sich über dem Gletscher bildete.

„Er hatte seine Kindheit, einen Krieg und eine Lawine überlebt. Er war sich nie zu schade für die Arbeit gewesen, hatte eine unübersichtliche Anzahl von Löchern in den Fels gesprengt und wahrscheinlich genug Bäume geschlagen, um mit ihrem Holz einen Winter lang die Öfen einer ganzen Kleinstadt zu befeuern. Er hatte oft und oft sein Leben an einen Faden zwischen Himmel und Erde gehängt und in seinen letzten Jahren als Fremdenführer hatte er mehr über die Menschen erfahren, als er begreifen konnte. Soweit er wusste, hatte er keine nennenswerte Schuld auf sich geladen, und er war den Verlockungen der Welt, der Sauferei, der Hurerei und der Völlerei, nie verfallen. Er hatte ein Haus gebaut, hatte in unzähligen Betten, in Ställen, auf Laderampen und ein paar Nächte sogar in einer russischen Holzkiste geschlafen. Er hatte geliebt. Und er hatte eine Ahnung davon bekommen, wohin die Liebe führen konnte. Er hatte gesehen, wie ein paar Männer auf dem Mond herumspazierten. Er war nie in die Verlegenheit gekommen, an Gott zu glauben, und der Tod machte ihm keine Angst. Er konnte sich nicht erinnern, wo er hergekommen war, und letztendlich wusste er nicht, wohin er gehen würde. Doch auf die Zeit dazwischen, auf sein Leben, konnte er ohne Bedauern zurückblicken, mit einem abgerissenen Lachen und einem einzigen, großen Staunen.“ (S. 146 f)

Nein, religiös war dieser Andreas Egger sicher nicht. Und doch ließe sich sein Leben mit dem bekannten Psalm umschreiben: „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen.“ Es ist ein hartes Leben, das der Österreicher Robert Seethaler in seinem fünften Roman auf gerade einmal 150 Seiten ruhig, unpathetisch, auf das Wesentliche reduziert erzählt. Das Glück ist darin nicht mehr als ein flüchtiger Gast. Der Hilfsknecht, Seilbahnbauer, Kriegsgefangene und Bergführer Andreas Egger nimmt das eine wie das andere hin. Er begehrt nicht auf, zerbricht aber auch nicht – nicht an den brutalen Misshandlungen des Pflegevaters und nicht an den Schlägen, die das Schicksal ein Leben lang für ihn bereithält. Genügsam erfüllt er seine Pflicht. Es zieht ihn nicht an andere Orte und er träumt auch nicht von einem anderen Leben, wie wir modernen (Stadt-)Menschen dies so gerne tun.

Was mich immer wieder fasziniert, in der Literatur ebenso wie im wirklichen Leben, ist, dass weder das eine noch das andere Modell ein Garant für Glück oder Zufriedenheit ist. Eine erste Ahnung davon, dass auch ein Leben, das mir selbst eng erschiene, sehr erfüllt sein kann, erhielt ich, als ich in einem anderen Jahrhundert im Norden Griechenlands eine sehr alte Frau kennenlernte, die bis auf einige wenige Ausflüge in die nahe Kleinstadt nie aus ihrem Dorf herausgekommen war. Mit einer Mischung aus Schaudern und Entzücken verfolgte sie „Raumschiff Enterprise“ im Fernsehen und wenn Mr. Spock auf dem Bildschirm auftauchte, staunte sie darüber nicht weniger als Andreas Egger über die Männer, die auf dem Mond herumspazierten. Aber selbst der Weg vom Ötztal ins Stubaital kann weit sein.

Und so, wie die Begegnung mit einem Menschen gut tut, dessen Leben sich auf die eine oder andere Weise erfüllt, so tut auch die Lektüre dieses Romans gut. „Wer seiner Seele eine Freude machen will“, sagte Christine Westermann im WDR, „der lese dieses Buch.“ Der Aufforderung kann ich mich nur anschließen.

Expedition zum K2

Bei aller Begeisterung für die Berge und ganz besonders die hohen: Auf den K2 werde ich es in diesem Leben nicht mehr schaffen. Und das keineswegs nur, weil es neuerdings immer mal wieder im Knie zwickt und zwackt. Höher als viereinhalbtausend Meter bin ich nie gekommen. Und meine Gletscher- und Klettererfahrung als rudimentär zu bezeichnen, wäre bereits geprahlt. Aber zum K2, das geht. Dafür muss man dank Latourex nicht mal ins Karakorum-Gebirge reisen. Das Laboratoire de Tourisme Expérimental, eine Art Werkstatt für touristische Unternehmungen jenseits ausgetretener Pfade, empfiehlt: „Entdecke die Gegend in einer Stadt, die sich auf dem Stadtplan im Feld K2 befindet. Koste alle kulturellen Attraktionen, gastronomischen Entzücken und Raststätten aus.“ Spannend! Besonders, nachdem ich feststellen musste, dass in meinem Hamburg-Plan bei K3 Schluss ist, gleich hinter der Süderelbe. K2 ist also offenbar fast schon Wildnis. Liebe Hamburger aus dem Süden, bitte verzeiht einer unwissenden Nordelbischen!

P1020688 Ausgestattet mit dem neuen „Stadtplan extra“ nähere ich mich Hamburgs K2 – vulgo: Heimfeld – über die Nordwestflanke: den Moorburger Hinterdeich, der sich an Wiesen mit Butterblumen, Sauerampfer und rotem Klee entlangschlängelt. „Kuckuck“, ruft es vom Sturmflutdeich geradeaus. Wäre da nicht das Gebrumm der A 7 und verschiedener Autobahnzubringer, wären da nicht die mächtigen Hochspannungsleitungen über all dem Grün, die Idylle wäre perfekt. Wo der Moorburger Bogen einen Bogen macht, lasse ich die Hafenerweiterungsflächen mit Bauschutt-Recyclinghof und Raffinerien links liegen und spaziere durch die Kleingartensiedlungen rechter Hand. Beim Klönschnack über den Gartenzaun wird mir gleich eine Parzelle zum Kauf angeboten. Nicht schlecht. Ich könnte meine eigenen Gurken und Tomaten ziehen, vielleicht ein paar Hühner halten…

P1020671 Aber erst einmal zieht es mich vorbei an allerlei Gewerbe und kleinen Einfamilienhäusern weiter Richtung Süden, auf die andere Seite der viel befahrenen B 73. Im Krankenhaus Mariahilf hole ich mir einen Kaffee „to go“. Das „gastronomische Entzücken“ in Hamburgs K2 hält sich in Grenzen. Alternativ hätte ich nur noch den Pizza-Lieferservice gegenüber ansteuern können. Dafür entschädigt ein Spaziergang durch Meyers Park gleich hinter der Klinik. Mensch, den kenn’ ich doch! Genau: In einem der hübschen Mehrfamilienhäuser in Waldrandlage habe ich eine Zeitlang regelmäßig Doppelkopf gespielt. Sogar auf dem Grill- und Spielplatz gleich neben der kleinen Lichtung war ich schon. Damals allein auf weiter Flur. An diesem sonnigen Frühsommersonntag herrscht zwischen den alten Buchen ein Betrieb wie im Basislager des Mount Everest. Was wie Morgennebel in die Baumwipfel aufsteigt, ist in Wahrheit der Rauch von Dutzenden von Grillfeuern. Und wer es gern ein bisschen steiler hätte, ist auch fast am Ziel: Die Harburger Berge mit Erhebungen bis eben über 150 Meter liegen gleich um die Ecke.

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