Mit Abstand am besten

Heute hat mich mein Cousin C. angerufen. C. ruft immer an, wenn es etwas Wichtiges (zu sagen) gibt. Er ruft an meinem Geburtstag an, zu Weihnachten und auch zu Ostern. Und zwischendurch, wenn er findet, dass er schon viel zu lange nichts von mir gehört hat oder mir erzählen will, was er gerade gemacht hat. Ich gehöre zu C.’s „Peergroup“. Und wer dazu gehört, um den muss man sich kümmern. Nein, falsch: nicht muss, um den kümmert man sich, weil es einem ein Bedürfnis ist. Heute rief C. an, weil er mir sagen wollte, dass wir uns jetzt alle besonders gründlich die Hände waschen müssen und uns nicht zu nahe kommen dürfen und dass wir die meiste Zeit zu Hause bleiben müssen. Die Hände hat er sich schon immer gründlich gewaschen, versicherte mir C. Was ihm aber richtig schwerfällt, ist, dass er jetzt nicht mehr schwimmen gehen darf. Das tut er schon, seit er ein kleiner Junge war. Seit mehreren Jahren schwimmt C. jeden Montag, Mittwoch und Sonntag, außer er ist krank, oftmals, bis der Bademeister ihm sagt, dass er jetzt mal langsam Schluss machen soll. Beim Schwimmen tankt C. Energie – und er baut überschüssige Energie ab. C. mag es, wenn sein Leben regelmäßig ist und vorhersehbar. Er braucht feste Strukturen, und die meisten Überraschungen findet er gar nicht gut. C. hat bei seiner Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen. Seither ist er geistig behindert. Oje, sagte ich zu ihm, das ist ja richtig blöd, dass du jetzt eine Weile nicht schwimmen gehen kannst! Ja, sagte C., aber das ist wichtig, damit die alten und kranken Menschen nicht sterben.