Spring is in the air

440px-H_Hoffmann_Struwwel_03Das Buch würde ich bestimmt keinem Kind in die Hand drücken. Viel zu gruselig sind die Geschichten darin, viel zu gruselig die Folgen, die der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann 1845 unter dem Titel Lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3–6 Jahren an den Rundhorizont eines jeden Kindes pinselte, das nicht „brav“ sein, das nicht auf seine Eltern hören wollte. Ich bin noch mit all diesen Geschichten aufgewachsen: Vom Fliegenden Robert, der mit seinem Regenschirm auf Nimmerwiedersehen davongetragen wird, weil er trotz Verbots im Sturm auf die Straße geht. Vom Daumenlutscher, dem der Schneider beide Daumen abtrennt. Vom Suppenkasper, der sich zu Tode hungert. Von Paulinchen, das verbrennt, weil sie mit Streichhölzern spielt. Noch heute habe ich den pädagogischen Sound des Werks im Ohr: „Minz und Maunz, die Katzen, / Erheben ihre Tatzen. / Sie drohen mit den Pfoten: / ‚Der Vater hat’s verboten!‘“ Nee, das bleibt im Giftschrank. Aber seht und vergleicht selbst: Ist mir da draußen vor den Toren der Stadt nicht ein wunderbarer Struwwelpeter begegnet?

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