Sail on silver girl

Die Kraft und die Ruhe der Dinge, die endlos zu währen scheinen, weil sie ihren Weg zum Nichts sanft, ohne Lärm, ohne Empörung, ohne Unruhe vollenden, weil sie dem unvermeidlichen Tod ohne einen Schauer entgegengehen.

Aus: Isabelle Eberhardt „Sandmeere“

Als du gingst, wurde der Mond noch ein wenig dünner. Wie eine Wiege stand die Sichel am Firmament. Keine Bewegung, kein Geräusch störte die Nacht.

Die Stille über der Wüste ist vollkommen. Myriaden funkelnder Sterne wölben sich zu einem Zelt aus Brillanten. Schlaflos liege ich unter der Milchstraße. Allein. Eins mit allem. Sterne fallen. Für einen Moment bist auch du ganz nah. Du, die immer da war, wenn auch zuletzt immer weniger.

Wie die Sterne, die allmählich fahler werden. Bis sie für das Auge kaum noch zu erkennen sind und schließlich ganz verblassen. Ein neuer Tag ist angebrochen. Kraftvoll blauorange kündigte er sich an, noch kalt von der Nacht, verschwamm in allerlei Rosatönen sodann, bis gleißendes Licht sich über das Meer aus Dünen ergoß. So strahlend, so schön, dass ich mich erinnerte:

 Und Wiesen gibt es noch / und Bäume und / Sonnenuntergänge / und / Meer / und Sterne / und das Wort / das Lied / und Menschen / und

Rose Ausländer

… und Sonnenaufgänge über der Wüste. Vieles kann einer dem anderen abnehmen. Sterben gehört nicht dazu. Adieu, liebste M., hab Dank für alles, was du mir warst und bleiben wirst, solange ich lebe!

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