Märchenwelten

Spieglein, Spieglein in der Hand… Wer hier die Schönste ist, ist ja wohl keine Frage.

Dass man als Prinzessin auch als Quereinsteigerin eine Chance hat, wurde im Hamburger Stadtpark zur Freude der Sonntagsspaziergänger gleich dutzendfach unter Beweis gestellt.

Es gab natürlich auch Zauberinnen. Am Pinguinbrunnen räkelte sich sogar eine waschechte Meerjungfrau.

Die Männer gingen meistens als Fotografen. Manchmal mussten sie sich von der Anstrengung auch erholen.

Und wenn sie nicht nach Haus gegangen sind, dann streifen die Teilnehmer des vergnügt-vergnüglichen Mystik-Flashmobs noch heute unter den alten Bäumen herum.

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The best is yet to come

Ich ging im Stadtpark so für mich hin, Körper und Geist zu lüften, ein paar Quadrate zu knipsen, das war mein Sinn…

In Decken gehüllt, koste ein Paar auf der Bank. Auf mancher Wiese qualmte der Grill. Der Hamburger ist hart im Nehmen. Die Hamburgerin auch.

Bei den Rhododendren und Azaleen formte psychedelischer Beat die Schritte der Mai-Gänger. Auf der anderen Seite wetteiferten Stimmen mit traurigen griechischen Weisen. Der Wettstreit unter den Eichen lief ohne Ton. Die Gebärdenden jagten ein weißes Tuch, mehr habe ich nicht verstanden.

Ein paar Sonnentage noch, und der Stadtpark wird explodieren. Die Vorbereitungen laufen an allen Zweigen.

Ein gutes neues Jahr!

Die letzten Fotos hatte ich an einem grauen Novembertag in meiner alten Heimat gemacht. Da, wo Geest und Marsch einander begegnen und sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Die Bilder von dem matschigen Sack vor dem matschigen Acker würden sich prima eignen, um das zweite Kapitel von Dörte Hansens „Mittagsstunde“ einzuleiten, dachte ich noch:

„Im November stand das Wasser auf den Feldern, und der Himmel legte Steine auf das Land, Schleifsteine und Schieferplatten, Beton, Granit, Zement, Kies, Schotter. Dicke Stapel schweres Grau, als müsste dieses Land noch flacher werden.“

Inzwischen waren so viele begeisterte Stimmen zu dem zweiten Roman der ehemaligen NDR-Redakteurin zu hören, dass ich mich darauf beschränken kann zu nicken. Und allenfalls noch hinzufügen möchte: Ich vermute, dass du das Buch auch dann mögen (und verstehen) wirst, wenn du in einem süddeutschen Dorf groß geworden bist. Aber wenn du Plattdeutsch verstehst, hast du noch mehr davon.

Heute hatte ich auf einem Spaziergang durch den Hamburger Stadtpark mal wieder meinen Fotoapparat dabei. Und gleich gab mir der kleine See gute Wünsche mit – auch für dich:

Möge das neue Jahr weit werden!

Möge es hell und licht sein!

Und so oft wie möglich spielerisch leicht!

Wär doch gelacht!

Zum Bloggen respektive Bloglesen finde ich gerade nicht so richtig Zeit. Ein paar Sätze, die mich in den vergangenen Tagen zum Lachen brachten, möchte ich immerhin mit dir teilen:

Den kleinen Comic über das Fremdgehen brachte Freundin K. von einem Ausflug in die Bundeshauptstadt mit – leider ohne den Namen der KünstlerIn. Falls jemandem die Zeichnung oder dieser ganz eigene Sound bekannt vorkommt: Ich freue mich über Hinweise.

*

Freundin G. ist auf der Suche nach Mr. Right – und gerade ein bisschen müde ob der Selbstüberschätzung manches in Augenschein genommenen Kandidaten. „Hach“, stoßseufzte sie, die liebend gern durch die Natur streift, jüngst, „was wär das schön, wenn er beim Anblick einer Schlange nicht gleich tot umfällt!“

*

Nach langem Kramen und noch längerem Posieren vor dem Spiegel in der Taschenabteilung des Kaufhauses entscheide ich mich für einen wunderschönen schwarzen Lederrucksack. „Den haben wir auch in vegan“, sagt die freundliche Verkäuferin.

*

Auf der langen Geraden im Stadtpark rollt mir (und einer Handvoll weiterer Reformationsnachmittagsspaziergänger) ein neongrüner Gummiball entgegen. Nicht kullerig-unentschieden sondern mit ordentlich Schmackes. Ich kann gerade noch zur Seite springen. „Yeah!“ rufen die Frauen vielleicht zwanzig Meter weiter und klatschen in die Hände. „Entschuldigung!“ schickt eine noch hinterher. Wenn der Ball kein Ball sondern eine kleine harte Kugel wäre, würde ich sagen, die Damen boßeln gerade. „Genau“, nickt die, die sich soeben entschuldigt hat. „Wenn Passanten getroffen werden“, ruft sie, schon im Weitergehen, „gibt es Strafpunkte!“ (Falls dir der norddeutsche Volkssport des Boßelns unbekannt ist, kannst du hier nachlesen.)

Einen guten Start in den November und bis bald!

Challenges

Viele paddelten für den guten Zweck unermüdlich bäuchlings über den schon herbstkühlen See.

Andere hielten ihre Bäuche nicht minder ausdauernd in die noch einmal sommerwarme Luft.

Manch eine(r) mühte sich, irgendwie Ordnung in die Bezugsgruppe zu bringen.

Große Teile der großen Festwiese erholten sich noch immer vom Besuch der Stones.

Und der Preis für die schönste Lady ging an einen Mann. Samstagnachmittag im Hamburger Stadtpark.

Trikolore mit Rutsche

P1070095… oder: Wo Hamburg ungeahnt französisch ist. Das Foto habe ich im März 2015 gemacht. So hübsch waren die Boote am Stadtparksee seither selten geparkt, aber ich erinnere mich oft an das Stilleben. Ganz besonders in diesen Tagen. Und ich hoffe, dass nicht auch noch die „Grande Nation“ und mit ihr die Europäische Union baden geht.

Frozen Beauties

p1160860Nature’s first green is gold,
Her hardest hue to hold.

p1160870Her early leaf’s a flower;
But only so an hour.

p1160877Then leaf subsides to leaf.
So Eden sank to grief,

p1160882So dawn goes down to day.
Nothing gold can stay.

Robert Frost: Nothing gold can stay

p1160858Als ich vor wenigen Tagen durch den Rosengarten im Hamburger Stadtpark schlenderte, staunte ich über die vielen Blüten, die der frühe Frost für eine kleine Weile konserviert hatte. Ihre vergängliche Schönheit scheint mir gut zu Robert Frosts Zeilen zu passen: Wer weiß, dass Veränderung, Verlust und Schmerz zu einem Leben außerhalb des Garten Eden dazu gehören, der wundert sich vielleicht auch nicht, dass „dawn goes down to day“. Inzwischen zeigt das Thermometer im Stadtpark wieder zweistellige Zahlen im Plus, der erste eisige Sonnenschein ist novembrigem Schmuddelwetter gewichen und der Wind bläst Laub und Blütenblätter in den Matsch.

Burning like Ice

P1130454Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great
And would suffice.

Robert Frost: Fire and Ice

P1130443Inzwischen ist der Himmel über Hamburg wieder bleigrau, aber gestern schienen sogar die Eisschollen auf dem Stadtparksee zu brennen. Mein Unterbewusstes spülte, warum auch immer, das Gedicht Fire and Ice von Robert Frost nach oben.

Jagdgötter unter sich

P1100866Neulich wieder einmal auf dem Weg zur Trinkhalle im Hamburger Stadtpark. Es gibt dort den womöglich besten Kaffee der Stadt. Allerdings ginge ich wohl auch, wenn es nur der zweitbeste wäre. Das liegt auch am Namen: Trinkhalle. Das Wort gefällt mir seit der ersten Fühlungnahme. Schnörkellos und direkt und ein klein wenig verrucht. Als ich ihm zum ersten Mal begegnete, entstanden vor meinen norddeutsch-ländlich geprägten geistigen Augen die tollsten Bilder. Zu dem, was ich realiter erblickte, wollten sie nur begrenzt passen. T-R-I-N-K-H-A-L-L-E: Die riesigen Leuchtbuchstaben an dem Eckgebäude gegenüber von meiner ersten Hamburger Wohnung füllten die komplette Breite der „Halle“ aus, die auch nur unwesentlich tiefer war.

Bis dahin waren diese Miniatur-Verkaufsstellen für Zeitungen, Tabak, allerlei alkoholische und nichtalkoholische Getränke, belegte Brötchen, Süßigkeiten und Schreibwaren für mich Kioske gewesen. Ich lernte, dass es außerdem Buden, Büdchen und Wasserhäuschen gibt, vor denen sich die Stammkunden gern auf das ein oder andere Feierabendbier einfinden. Schon lustig, denn ursprünglich waren all diese Trinkhallen (und auch die Kaffeeklappen, von denen ich hier schon erzählt habe) ja gerade erfunden worden, damit Bergleute, Industrie- und Hafenarbeiter Mineralwasser (und Kaffee) statt Bier und Schnaps tranken.

Bis ich das erste Mal so eine Trinkhalle wie die im Stadtpark kennenlernte, sollten weitere Jahre ins Land gehen. Sie ist nämlich weder Kiosk noch Büdchen sondern ein ehemaliger Gesundbrunnen, wie man sie in Heilbädern findet. Denen galt, ich gebe es unumwunden zu, in jüngeren Jahren nicht gerade mein Hauptaugenmerk. Im Grunde kann ich immer noch nicht viel Erhellendes zum Thema beisteuern. Außer ein bisschen von der backsteinernen Trinkhalle im Stadtpark schwärmen. Die ist nämlich richtig schön.

P1100863Errichtet wurde die Halle mit ihrem kreisrunden Mittelbau und den zwei kurzen Flügeln 1915/16 nach Plänen von Oberbaudirektor Fritz Schumacher, dessen Backsteinarchitektur das Stadtbild bis heute prägt. Als Ausschankhalle für Heilwasser sollte sie der Gesundheit der Arbeiterfamilien in den nahe gelegenen Stadtteilen Barmbek und Winterhude dienen, die sich den Besuch eines Kurbads nicht leisten konnten. Besucher der Trinkhalle hatten die Auswahl aus 50 Heilwässern und dazu ausgewiesenen Spazierwegen im Stadtpark.

P1070506Heute kann man in dem originalgetreu restaurierten Bau unter anderem Hamburgs ziemlich besten Kaffee genießen, während der Blick weit über eine langgestreckte Rasenfläche schweift, bis er ganz am Ende auf die Skulptur „Diana mit Hunden“ trifft …

P1100803 … oder vielleicht auch schon vorher auf irgendeinen anderen Jagdgott.

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