Surrealismus, ganz real

20161216_132445„Mir fiel zuerst das schwarz-weiße Maul auf“, sagt der ältere Mann zu meiner Linken. Seine Begleiterin sucht gerade die Fliege, also antworte ich an ihrer Stelle: „Für mich ist das ganz klar ein Fuchs.“ Er lacht und nickt. „Ein Fuchs, ja, genau.“ Die Begleiterin liest laut: „Junger Mann beunruhigt durch den Flug einer nicht-euklidischen Fliege.“ Pause. Dann, nachdenklich: „Sind junge Männer Füchse?“ Der ältere Mann zeigt mit dem Finger auf das Maul, in dem eine weitere Betrachterin soeben das Holstentor in Lübeck erkannt hat. Was euklidisch ist, wissen wir natürlich alle.

Ich kann nicht sagen, an wie vielen solcher Dia-, Tria-, Quattro-Loge ich gestern in der Hamburger Kunsthalle teilgenommen habe. Was ich sicher weiß: Ich war noch nie in einer Ausstellung, in der so oft Alarm ausgelöst wurde, weil sich wieder einmal jemandes Nase oder Zeigefinger irgendeinem Exponat bedenklich genähert hatte: Hast du/haben Sie das schon gesehen? Dalí, Ernst, Miró, Magritte…, sie hätten ihre Freude gehabt.

Noch bis zum 22. Januar 2017 in der Galerie der Gegenwart: Surreale Begegnungen aus den Sammlungen Roland Penrose, Edward James, Gabrielle Keiller sowie Ulla und Heiner Pietzsch. Dicke fette Empfehlung! (Der junge Mann mit der Fliege ist von Max Ernst.)