Have a break

P1010617Heute mal keine Besichtigung. Und auch keine Wanderung. Einfach irgendwo sitzen und Tee trinken. Schwarz, stark und süß, mit einem Stängel Minze darin oder vielleicht ein paar Blättern Salbei. Oder doch lieber Kaffee? Süß ist der auch, schon wegen der vielen Gewürze, Kardamom vor allem, und immer etwas schlammig. Irgendwann meldet sich der Magen. Fladenbrot wäre jetzt gut. Am besten frisch im Ofen oder auf dem offenen Feuer gebacken. Auf zwei Dinge muss man dabei achten: dass der Teig keine Löcher bekommt und dass er nicht verbrennt. Mmmmh! Wie das duftet!

P1000849Und dazu Mezze, diese wunderbar reiche Auswahl an Vorspeisen, die ich schon aus syrischen und libanesischen Restaurants kannte und die mich auf meiner Reise durch Jordanien jeden Tag aufs Neue begeisterte. Salate, Gemüsepürees und Fleischstücke werden in der Mitte des Tisches in Schälchen serviert, aus denen sich jeder bedient. Wer mag, benutzt das Fladenbrot wie einen Löffel oder rollt die Speisen darin zu einer Teigtasche (vor dem Rollen unbedingt eines der Enden einschlagen, sonst kleckert beim Essen alles raus!).

P1000852Zu meinen Top Ten gehören Falafel: frittierte Kichererbsen-Bällchen, mit Koriander, Kumin und Zimt gewürzt. Besonders lecker mit Tahina, einer Paste aus fein gemahlenen Sesamkörnern und Hülsenfrüchten mit Knoblauch, Zitrone, Salz und Pfeffer. Dazu eine Portion Tabouleh: Salat aus Tomaten, Zwiebeln, klein gehackter Petersilie und frischer Minze. Humus natürlich: Kichererbsenpüree mit Olivenöl, Sesampaste, Knoblauch und Zitronensaft. Beim Auberginenmus heißt es aufpassen, davon gibt es zwei Varianten: das etwas gröbere Baba Ghanoush, das aus gegrillten Auberginen zubereitet wird und ein bisschen so schmeckt wie Lagerfeuer riecht, und Moutabbal, eine feine Auberginen-Joghurt-Creme mit hohem Suchtfaktor. Was noch? Warmes Tomatenmus mit gerösteten Pinienkernen und Knoblauch. Passt wunderbar zu den mit Käse (oder Fleisch) gefüllten Blätterteigtäschchen, deren Namen ich ebenfalls vergessen habe. Dazu vielleicht noch eine Spur Zatar – eine Gewürzmischung aus wildem Thymian, gerösteten Sesamsamen, Sumach und Salz –, ein paar eingelegte Oliven, Rote Beete, Gurken, Blumenkohl, Auberginen, Rettich und Chilis und etwas frischer Salat mit geriebenem Schafskäse, und der Schlemmer-Himmel ist ganz nah.

P1010131Auf den Hauptgang verzichte ich wieder einmal – mangels Fassungsvermögen und weil er aus Vegetarier-Sicht ohnehin nicht mit den Vorspeisen mithalten kann. Mansaf zum Beispiel, das traditionelle jordanische Hauptgericht aus der Beduinenküche, besteht hauptsächlich aus Lammfleisch-Stücken auf einem Berg Reis, die auf einem großen Tablett serviert werden, nach dem das Gericht auch benannt ist. Dazu gibt es Joghurtsauce und geröstete Pinienkerne. Eine Alternative auch für nicht-carnivore Zeitgenossen ist Magloube: In einem Topf wird Fleisch, Fisch oder auch nur Gemüse mit Reis in Schichten gekocht und dann kopfüber – das bedeutet der Name auf Arabisch – auf einen großen Teller gestürzt.

P1010120Ich denke lieber an lebende Lämmer, trinke noch ein Glas frisch gepressten Zitronensaft mit fein gehackter Minze und frage mich, ob vielleicht doch noch ein klein wenig Platz ist für eine der kalorienreichen Süßspeisen auf der Basis von Zuckersirup und Honig, die mit Nüssen, Pinienkernen, Mandeln, Pistazien, Sesam, Schokolade und anderen Köstlichkeiten angereichert werden. Spätestens danach ist es auf jeden Fall wieder Zeit für einen starken Kaffee oder Tee. Und dazu vielleicht ein Wasserpfeifchen…

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