In die Welt hinaus

Heute geh‘ ich aus dem Haus
In die weite Welt hinaus.
Will mit meinen Augen sehen,
wie der Fuchs den Hasen jagt
und der Biber Bäume nagt.
Will mit meinen Ohren hören,
was der Wind dem Raben sagt
und der Frosch im Stadtpark quakt.

Aus: Helme Heine „Augen, Ohren, Nase, Zunge, Hände“

Welt-Geschichte

P1040762Die Welt ist ein Dorf. Auf der einen Straßenseite liegt die Kirche, auf der anderen der Kirchspielkrug. Drumherum ein paar Bauernhöfe und Handwerksbetriebe. Hier in Nordfriesland ist die Welt nicht nur morgens um sieben noch in Ordnung und jeder Kicker schon vor dem Anpfiff ein Welt-Meister.

Dabei ist es eigentlich viel wichtiger, ob er gut boßeln kann. Klootschießen heißt das andernorts und war früher vermutlich mal ein probates Mittel, sich lästiger Feinde durch Werfen von Kleie-Klüten zu erwehren, von Klumpen, die aus dem schweren Marschboden geformt wurden. Schon Theodor Storms Schimmelreiter erwarb sich Ende des 19. Jahrhunderts erste gesellschaftliche Anerkennung, als er das Boßeln auf dem nordfriesischen Winterfest gewann.

Ziel des (Mannschafts-) Spiels ist es heute, eine mit Blei gefüllte Kugel aus Hartholz oder Kunststoff mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen. Unvergessen der Jahrhundertwettstreit, als der kleine Eiderbund 2008 überraschend das Team aus dem benachbarten St. Peter-Ording besiegte, einen richtig echten Europameister. Da wurde Welt-Geschichte geschrieben.

Manchmal male ich mir aus, wie es wäre, wenn man einmal alle irren Kämpfer in der großen schrecklich eng gewordenen „weiten“ Welt (nur) mit Kleie-Klüten ausstatten könnte…