Spaziergang am Meer

Der Himmel leuchtet aus dem Meer;
ich geh und leuchte still wie er.

Und viele Menschen gehn wie ich,
sie leuchten alle still für sich.

Zuweilen scheint nur Licht zu gehn
und durch die Stille hinzuwehn.

Ein Lüftchen haucht den Strand entlang:
o wundervoller Müßiggang.

Richard Dehmel: Klarer Tag

Wir gehen am Meer im tiefen Sand,
Die Schritte schwer und Hand in Hand.
Das Meer geht ungeheuer mit,
Wir werden kleiner mit jedem Schritt.
Wir werden endlich winzig klein
Und treten in eine Muschel ein.
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn,
Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.

Max Dauthendey: Wir gehen am Meer im tiefen Sand

So groß ist die Sehnsucht nach Weite, mag einem der unendliche Himmel getrost auf den Kopf fallen.

… und nichts mehr wollen wollen
nur Meer

nur Meer

Erich Fried: Meer (Auszug)

Die Fotos habe ich von einem Ausflug an die Nordsee mitgebracht. Über zwölf Kilometer lang und bei Ebbe bis zu zwei Kilometer breit ist der Strand von St. Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt. Wer lange genug geht, hat die herrliche Landschaft eine Weile ganz für sich.

Frisch gewaschen

Kürzlich kam ein Wort zu mir,
staubig wie ein Wedel,
wirr das Haar, das Auge stier,
doch von Bildung edel.

Als ich, wie es hieße, frug,
sprach es leise: „Herzlich“.
Und aus seinem Munde schlug
eine Lache schmerzlich.

„Wertlos ward ich ganz und gar,“
rief’s, „ein Spiel der Spiele,
Modewort mit Haut und Haar,
Kaviar für zu viele.“

Doch ich wusch’s und bot ihm Wein,
gab ihm wieder Würde,
und belud ein Brieflein fein
mit der leichten Bürde.

Schlafend hat’s die ganze Nacht
weit weg reisen müssen.
Als es morgens aufgewacht,
kam ein Mund – es küssen.

Christian Morgenstern: Das Wörtlein

So, nach dieser Reinigungsaktion kann die neue Woche beginnen – mit herzlichen Grüßen!

Hören gehen

Was ich sehe, kenne ich, aber längst nicht alles, was ich höre. Die Augen halten offenbar Stand mit meinem schnellen Alltagsschritt. Die Ohren nicht so gut. Erst jetzt, da ich gelegentlich so langsam gehe, dass ich beinah schon stehe, merke ich, was ich in meinem üblichen Tempo alles nicht höre. Bewusst setze ich einen Schritt vor den anderen, beginne den einen Fuß erst vom Boden zu lösen, nachdem der andere dort wieder ganz gelandet ist. Ich habe nicht gewusst, w i e langsam das ist. Linker Fuß: heben, durch die Luft führen, absetzen. Linkes Knie anwinkeln, rechtes Bein durchstrecken. Rechter Fuß: heben, durch die Luft führen, absetzen.

Was ich sehe, kommt mir bekannt vor. Nicht unbedingt, weil ich es genau so schon gesehen habe, eher, weil ich es so oder so ähnlich auch sehen würde, wenn ich schneller ginge. Das mag daran liegen, dass ich ein visueller Mensch bin. Mit den Augen nehme ich viel und rasch wahr. Meine Ohren brauchen offenbar mehr Zeit. Was ich alles höre, während ich mich in Zeitlupe durch den Sound meiner Umgebung bewege! Es ist ein bisschen so, wie auf einer Wanderung eine Weile still zu verharren. Und plötzlich erklingen sie wieder, die Stimmen und Töne des Waldes.

Es fällt mir schwer, so langsam zu gehen, wenn andere Menschen in der Nähe sind. Wie der sich bewegt! Dem könnte man im Gehen die Schuhe besohlen! sagten sie bei uns im Ort, als ich ein Kind war. Ein Kompliment war das nicht. Und heute? Blafft ein Fahrradfahrer, während er eng an mir vorbeizieht: Wohin schleichst du denn so! Manches würde man lieber nicht hören.

Es fällt mir nicht leicht, so langsam zu gehen, auch wenn da sonst niemand ist. Geduld zählt nicht zu meinen Stärken. So ein kleines Stück habe ich erst geschafft! Wie lange ich wohl bräuchte für meine Lieblingsrunde durch den Stadtpark?

Noch sind meine Schritte unsicher bei diesem langsamen tastenden Gehen. Immer von neuem: präsent und bereit zu handeln, aber noch nicht handelnd. Das ist ungewohnt. Und sehr inspirierend.

Tumbling Tumbleweeds

Wäre der Marktplatz im schleswig-holsteinischen Ratzeburg nicht gepflastert, er könnte eine großartige Kulisse für einen Western abgeben, so groß, so menschenleer ist er an diesem noch einmal warmen Mittag im Frühherbst. In meiner Phantasie spielt eine Mundharmonika ihr klagendes Lied. Der Wind treibt vertrocknete Pflanzenbüschel über den Platz. „See them tumbling down / Pledging their love to the ground! / Lonely, but free, I’ll be found / Drifting along with the tumbling tumbleweeds…“

Schritt für Schritt durchmesse ich die Weite. Erst jetzt erkenne ich die echten Steppenläufer dieses Orts. Sie sitzen auf den Bänken vor dem Alten Kreishaus. Gestrandet, für eine Weile zur Ruhe gekommen, wer weiß das schon. Auf der mittleren der drei Bänke rechts vom Haupteingang streckt ein Mann mittleren Alters im roten T-Shirt die langen Beine von sich. Das halbe Gesicht verdeckt von einem am Hinterkopf geknoteten weißen Tuch. Es mutet wie eine Mehrzweckwaffe gegen Zahnschmerzen, Mumps und Corona an.

Auf den drei Bänken links vom Haupteingang sitzen sie jeweils zu zweit. Ganz links gestikulieren zwei Kerle mit Basecaps, wild und ein wenig fahrig, wie nach reichlichem Alkoholgenuss. Ganz rechts hocken zwei ältere Frauen, nah beieinander und doch jede für sich. Die eine blickt unbestimmt in den Himmel, die andere auf den Boden unter ihren Füßen. Alle vier sind zu dick angezogen für diesen sonnigen Tag.

Auf der Bank in der Mitte und zugleich augenscheinlich in ihrem eigenen Universum ein Mann und eine Frau. Unter der Bank mehrere Tüten eines Lebensmittel-Discounters, die schon eine Weile im Gebrauch zu sein scheinen. Zwischen den Tüten ruhen seine Füße: der linke in einer weißen, der rechte in einer schwarzen Socke. Beide Sockenfüße stecken in schief getretenen Sandalen. Auf seinen Knien ihr nackter Fuß, die Sohle starr vor Schmutz. Er beugt sich über ihren Fuß, untersucht und knetet ausdauernd jeden ihrer Zehen. Gelegentlich ist ein Schnurren wie von einer Katze zu hören.

„See them tumbling down / Pledging their love to the ground! / Lonely, but free, I’ll be found / Drifting along with the tumbling tumbleweeds…“

Mütterchen Dämmerung

Eine runzelige Alte,
schleicht die Abenddämmerung,
gebückten Ganges
durchs Gefild
und sammelt und sammelt
das letzte Licht
in ihre Schürze.

Vom Wiesenrain,
von den Hüttendächern,
von den Stämmen des Walds,
nimmt sie es fort.
Und dann
humpelt sie mühsam
den Berg hinauf
und sammelt und sammelt
die letzte Sonne
in ihre Schürze.

Droben umschlingt ihr
mit Halsen und Küssen
ihr Töchterchen Nacht
den Nacken
und greift begierig
ins ängstlich verschlossene
Schurztuch.

Als es sein Händchen
wieder herauszieht,
ist es schneeweiß,
als wär es mit Mehl
rings überpudert.

Und die Kleine,
längst gewitzt,
tupft mit dem
niedlichen Zeigefinger
den ganzen Himmel voll
und jauchzt laut auf
in kindlicher Freude.
Ganz unten aber
macht sie einen großen,
runden Tupfen –
das ist der Mond.

Mütterchen Dämmerung
sieht ihr mit mildem
Lächeln zu.
Und dann geht es
langsam
zu Bette.

Christian Morgenstern: In Phanta’s Schloss – Abenddämmerung

Komm gut in die neue Woche!

Gesichter von Sarau

Das erste Mal war mir der Ortsname Sarau am anderen Ende der Welt begegnet. Ich recherchierte für ein Buch über deutsche Auswanderer in Neuseeland („I did it my way“, Berlin 2012). An einem stürmisch-regnerischen Tag machte ich mich auf den Weg in die Moutere Hills nordwestlich der Stadt Nelson, wo sich einst die ersten deutschen Siedler niedergelassen hatten. Mein Ziel war das um 1850 gegründete Dorf Upper Moutere, das noch bis 1917 Sarau hieß, wie eine Gemeinde im Kreis Herzogtum-Lauenburg in Schleswig-Holstein.

Nachdem Neuseeland 1840 durch den Vertrag von Waitangi zur britischen Kronkolonie geworden war, gelang es der New Zealand Company und ihren Agenten, mehr britische und erstmals auch deutsche Auswanderer dazu zu bewegen, die weite Reise ins Ungewisse anzutreten. Die ersten 140 Siedler stachen Ende 1842 auf der „St. Pauli“ von Hamburg aus in See. Mit an Bord waren auch vier Missionare der Norddeutschen Missions-Gesellschaft, die die christliche Botschaft zu den Maori bringen wollten.

Im Juni 1843 erreichte die „St. Pauli“ den Hafen von Nelson in der Tasman Bay im Norden der neuseeländischen Südinsel. Falls die Reisenden eine Art Gelobtes Land erwartet haben sollten, wurden sie schnell enttäuscht: Nur wenige Tage nach ihrer Ankunft kam es am Wairau River südöstlich von Nelson zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen britischen Siedlern der New Zealand Company und Maori, die sich ihr Land partout nicht wegnehmen lassen wollten. 26 Menschen kamen dabei ums Leben. Und die Geistlichen stellten schon bald fest, dass es in Nelson und Umgebung gar nicht so viele zu missionierende Maori gab beziehungsweise sich diese bereits unter englischer geistiger Obhut befanden.

Allen Widrigkeiten zum Trotz schafften die Neuankömmlinge das landwirtschaftliche Gerät, das sie aus der Heimat mitgebracht hatten, auf den Grund und Boden, den sie der New Zealand Company abgekauft hatten. In einem Tal in den Moutere Hills gründeten sie St. Paulidorf, die erste deutsche Siedlung in Neuseeland. Lange hielten es die Auswanderer allerdings nicht dort aus, weil das Land immer wieder überflutet wurde. Viele machten sich in andere Gegenden Neuseelands oder gleich nach Australien auf, um dort ihr Glück zu suchen. Andere siedelten sich an trockeneren Orten in der Umgebung an. Heute heißt der Flecken Land, der einmal St. Paulidorf war, Harakeke. Das ist das Maori-Wort für den neuseeländischen Flachs, den man überall im Land, aber vor allem in niedrig gelegenen sumpfigen Gebieten antrifft.

Im Herbst 1844 erreichte der dänische Großsegler „Skjold“, der extra für die Beförderung von Emigranten gebaut worden war, den Hafen von Nelson. An Bord: eine zweite Gruppe von Siedlern aus dem mecklenburgischen Klütz. Die Überfahrt hatte Graf Kuno zu Rantzau-Breitenburg finanziert, der an Siedlungsprojekten in Neuseeland als Investitionsvorhaben interessiert war. Ihm zu Ehren nannten die Auswanderer ihre Ansiedlung ein paar Kilometer südwestlich von Nelson in der fruchtbaren Waimea Ebene Ranzau. Noch heute führt die Ranzau Road durch Hope, wie das kleine Örtchen inzwischen heißt. Auch einige der Auswanderer, die auf der „St. Pauli“ nach Neuseeland gekommen waren, ließen sich dort nieder und bauten Getreide, Obst, Hopfen und Tabak an.

Pastor Johann Wilhelm Christof Heine, der einzige in Nelson verbliebene der vier norddeutschen Missionare, lebte mit seiner Frau Anna ebenfalls ein paar Jahre in Ranzau und kümmerte sich um die Seelen der Neubürger. Den Plan, die Maori der Gegend zu missionieren, hatte er längst aufgegeben. Ihre endgültige Heimat fanden die Heines schließlich in der neuen Auswanderersiedlung Sarau, nur wenige Kilometer südlich des alten St. Paulidorf in den Moutere Hills. Pastor Heines Schwiegervater hatte in Sarau bereits ein Haus gebaut, in dem er 1857 auch den „Moutere Inn“ eröffnete, der noch heute damit wirbt, der älteste Pub Neuseelands zu sein, jedenfalls der älteste im Originalgebäude betriebene.

In Upper Moutere, dem früheren Sarau, stach mir sofort die schöne Holzkirche an der Kreuzung Main Road / Supplejack Valley Road ins Auge. 1865 hatte Pastor Heine St. Paul’s, die erste lutherische Kirche am Ort, eingeweiht. Das alte vom Holzwurm befallene Gebäude wurde 1905 durch den heutigen Bau ersetzt. Rund um die Kirche erstreckt sich der Friedhof. „In loving memory“ lese ich auf einem der Grabsteine. Und gleich daneben: „Hier ruhet in Gott“.

Während ich an den Gräbern entlang schlendere und mir das Leben in Sarau vor 150 Jahren vorzustellen versuche, fällt mein Blick auf eine dünne ältere Frau ganz in Schwarz, die sich in der Nähe der Kirche zu schaffen macht. Ich frage sie nach dem Grab von Pastor Heine. Sie will wissen, wer da fragt. Wir sprechen über Auswanderer in den alten und neuen Zeiten, als Margaret plötzlich auf ein steinernes Kreuz ganz in unserer Nähe zeigt. „Er war mein Urgroßvater“, sagt sie: Pastor J.W.C. Heine, geboren am 18. Mai 1814, gestorben am 18. März 1900. Die alte Frau holt geschwind eine Wurzelbürste aus dem Altarraum der Kirche und rückt damit dem Moos auf dem Grabstein von Uropa Johann und Uroma Anna zu Leibe, damit auf den Fotos auch etwas zu erkennen ist. Für einen Moment scheint das alte Sarau ganz nahe zu sein.

Der Ort ist überschaubar. Neben der Kirche und dem ältesten Pub Neuseelands gibt es in Upper Moutere noch einen General Store, eine Mischung aus Laden und Café. Außerdem: eine Tankstelle, einen Fish-and-Chips-Shop, ein paar (Kunst-)Handwerker sowie Winzer, darunter die Weinkeller von Neudorf und Himmelsfeld. Was man zum Leben so braucht. Und die Schule direkt gegenüber der Kirche natürlich, deren Geschichte ebenfalls bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Überschaubar ist der Ort und doch habe ich ihn belebter in Erinnerung als das namensgebende Sarau im Kreis Herzogtum-Lauenburg in Schleswig-Holstein, dem ich auf einer Fahrradtour um den Ratzeburger See jetzt endlich auch einmal einen Besuch abgestattet habe.

Sehr still war dieses Sarau, eigentlich: Groß Sarau, ganz im Norden des Sees. Ein paar landwirtschaftliche Gebäude. Die „Alte Meierei“, inzwischen ein Dorfladen, der aber gerade Betriebsferien hatte. Eine Taverne am See, offenbar für länger geschlossen. Der Dorfkrug, der auch erst später am Tag öffnen würde. Feuerwehrgerätehaus und Gemeindebüro, ebenfalls zu. Ein paar Häuser neueren Datums, vielleicht Ferienhäuser. Keine „Margaret“ weit und breit, leider. Die Tankstelle an der Hauptstraße immerhin hatte geöffnet. Auf dem Steg am See verzehrte ich ein Eis, das ich im Shop der Tankstelle gekauft hatte.

Schaalsee-Liebe

Zuletzt war ich vor ziemlich genau einem halben Jahr am Schaalsee gewesen, an einem strahlend-sonnigen Sonnabend im März. Ich parkte mein Auto wie meist in einem Dörfchen etwas außerhalb im Südosten des Sees und wanderte am Ufer des Boissower und des Neuenkirchener Sees Richtung Norden bis nach Lassahn und von dort wieder zurück, so nah am Ostufer des Schaalsees wie irgend möglich. Das ist mal mehr, mal weniger nah.

Bis 1990 teilte die innerdeutsche Grenze den 24 Quadratkilometer großen See. Das Ostufer lag im Grenzsperrgebiet der DDR. Profiteur der jahrzehntelangen Abgeschiedenheit war die Natur, die sich hier nahezu unberührt entwickeln konnte. Heute liegt der Schaalsee auf der Landesgrenze von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein und ist Teil des gleichnamigen UNESCO-Biosphärenreservats.

Ich erinnere mich, dass die Bürgersteige in Lassahn hochgeklappt waren an jenem sonnigen Sonnabend im März. Kein Mensch war auf der Straße zu sehen. Das Café Landtag geschlossen, vielleicht für immer.

Nicht einmal der Dorfgasthof neben der Kirche hatte geöffnet. Vom rückwärtigen Café-Garten bietet sich ein weiter Blick hinab zum See. Den kann man natürlich auch genießen, wenn man sich auf eine der Bänke auf dem Friedhof hinter der Kirche setzt.

Ich erinnere mich, dass ich dachte: So also sieht ein Ort aus, wenn Ausgangssperre herrscht. Das lag in der Luft. Damals. Vor einem halben Jahr.

Ein Stück weiter, an der lauschigen Badestelle bei Techin, wo im März natürlich noch niemand badete, tauschte ich ein paar Worte mit einem Paar von außerhalb. Wir strahlten uns an, gleichermaßen beseelt von dem schönen Ort und dem herrlichen Wetter. Das muss man ausnutzen, sagten wir zueinander, wer weiß, wie lange wir noch so raus können.

Raus konnten wir Hamburger zum Glück weiter, aber nicht mehr überall rein. Nicht nach Schleswig-Holstein und nicht nach Mecklenburg-Vorpommern, nicht einmal zum Spazierengehen. Das machten uns die Nachbarn mit zum Teil wenig freundlichen Worten und Taten über Wochen mehr als deutlich. Davon soll hier nicht weiter die Rede sein, ich mag mich nicht am Gräben-Graben beteiligen. Und meine Liebe zu den schönen Orten in der Umgebung, die möchte ich mir ohnehin von niemandem kaputtmachen lassen.

Zum ersten Mal in all den Jahren war ich nun über Nacht am Schaalsee. Die Bürgersteige dort werden mancherorts beziehungsweise zu manchen Zeiten immer noch hochgeklappt, selbst im belebten Zarrentin. Öffnungszeiten zu checken, bevor man sich auf den Weg macht, empfiehlt sich immer. Oder: Picknick einpacken. Einen Platz am Wasser suchen. Und dann: Seele baumeln lassen…

Die Fotos in diesem Beitrag stammen zum Teil von meinem Ausflug vor einem halben Jahr, zum Teil aus dieser Woche.

Sommer, herbstfarben

Kurzen Sommer blüht die Blume,
Denn das Schöne währt nicht lang,
Schwach Gedächtnis bleibt vom Ruhme,
Jubel schwindet und Gesang.

Blumen welken, Mädchen altern,
Folgsam ewigem Gesetz,
Jugend bannt man nicht mit Psaltern,
Und die Dauer bleibt Geschwätz.

Deshalb wollen wir zur Neige
Schlürfen jeden Augenblick;
Blau der Himmel, grün die Zweige,
Sei nicht dumm und preis das Glück!

Ferdinand Sauter (1804-1854), österreichischer Dichter: Sei nicht dumm